Alonso: "Brauchen chaotisches Rennen"

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13 Punkte Vorsprung, mehr Saisonsiege am Konto als sein Rivale Fernando Alosno und auch noch in der Startaufstellung klar voran - Sebastian Vettel hat vor dem finalen Showdown um den WM-Titel 2012 alle Trümpfe in der Hand.

"Ich bin mit Platz vier glücklich und es gibt morgen viele Möglichkeiten", bleibt der WM-Leader nach dem Qualifying (Quali-Bericht >>) bescheiden.

"Im Großen und Ganzen sind wir zufrieden", sagt Motorsportchef Dr. Helmut Marko vor dem Finale in Sao Paulo. "Wir müssen aber auf Alonso schauen und dieses Rennen nicht zwingend gewinnen."

Stimmt, denn schon der vierte Rang, den Vettel am Start einnimmt, reicht dem Deutschen in jedem Fall zum Titelgewinn. Ganz egal, auf welchem Rang Alonso die Zielflagge sieht (siehe Tabelle unten).

Alonso widerum muss es in jedem Fall zur Siegerehrung schaffen, sonst sind seine Titel-Ambitionen dahin. "Wir werden versuchen unsere Sonntags-Performance der letzten Rennen zu wiederholen und erneut das Podium zu erreichen."

Tatsächlich schaffte der Spanier in den vergangenen vier Rennen jeweils von Startplatz vier oder schlechter den Sprung in die Top-3.

"Brauchen chaotisches Rennen"

"Wir brauchen ein paar kuriose Umstände und ein chaotisches Rennen mit Regen oder so. Wir hoffen, dass wir so etwas am Sonntag sehen", weiß der WM-Zweite allerdings um seine krasse Außenseiterrolle.

Dass Ferrari auf jede Schwäche der Red Bull lauert, ist Dr. Marko klar: "Die Devise ist, Angriff - alles was geht - mit einem kalkulierbaren Risiko. Wir dürfen keine Dummheiten machen." Denn sonst steht man am Ende noch mit leeren Händen da - trotz aller Trümpfe.

Diesen drei Faktoren wird der Kommandostand von Red Bull Racing am Sonntag wohl besondere Aufmerksamkeit schenken:

Platz Vettel Platz Alonso Weltmeister
1. bis 4. egal Vettel
maximal 5. 1. Alonso
5. bis 7. 2. Vettel
maximal 8. 2. Alonso
8. oder 9. 3. Vettel
maximal 10. 3. Alonso
egal maximal 4. Vettel

FAKTOR 1: DAS WETTER

"100 Prozent Regenwahrscheinlichkeit" - dieser Schriftzug prangte schon vor dem ersten Training als Wetterprognose für Sonntag von den Bildschirmen. Mittlerweile senkten die Meteorologen die Wahrscheinlichkeit auf 65 bis 85 Prozent. Dennoch: Ein nasses Finale könnte für Sorgenfalten bei der RBR-Teamführung sorgen.

Gerade in Rennen mit wechselnden Bedingungen zählt die Startaufstellung weit weniger als im Trockenen, ist das richtige Timing der Boxenstopps viel wichtiger als ein guter Start. Alonso gewann heuer in Sepang bei wechselhaftem Wetter von Startplatz acht. Drei seiner letzten fünf Siege (Yeongam 2010, Silverstone 2011 und Sepang 2012) holte er im Regen. 

"Ich denke, das Wetter wird morgen sehr tricky und wird sicher dazu beitragen, dass es eine Lotterie werden könnte", ist sich Lewis Hamilton sicher. Die Rechnung ist eine einfache: Je trockener, desto besser und kalkulierbarer für Red Bull.

FAKTOR 2: FELIPE MASSA

Lange Zeit heillos hinter "seiner Nummer eins" zurück, drehte der Brasilianer zuletzt ordentlich auf. Schon in Austin stand er vor seinem Teamkollegen Alonso, musste zugunsten der Team-Interessen aber sein Getriebesiegel brechen lassen.

Auf diese Vorgehensweise könnte die Scuderia am Sonntag erneut zurückgreifen. Alonso würde in einem solchen Fall auf Rang sechs aufrücken und damit den Heckflügel von Vettel genau vor der Nase haben.

Option zwei wäre aber auch Massa auf Platz fünf zu belassen: Denn damit würde er exakt einen Platz hinter Vettel starten und könnte in der ersten Kurve versuchen, den WM-Leader hinter sich zu lassen, aufzuhalten und ihn für Alonso "auflegen". Zudem hat Massa bei seinem Heimrennen schon zwei Siege und einen zweiten Platz am Konto, nur in Istanbul war er noch erfolgreicher. Vettels Vorteil: Er wird von Mark Webber flankiert, der seinen Teamkollegen in heiklen Situationen abschirmen könnte. Insofern der Australier seine Start-Schwierigkeiten endlich in den Griff bekommt.

Die erste Kurve - die ohnehin für Berührungen und Kollisionen berühmt ist - birgt jedenfalls einigen Zündstoff und könnte am Sonntag zum Grab der Titelträume eines Piloten werden.

FAKTOR 3: DIE LICHTMASCHINE

Was Mark Webber zuletzt in Austin widerfuhr, passierte Vettel bereits in Valencia und Monza: Die Lichtmaschine von Renault versagte mitten im Rennen ihren Dienst. Ein Gebrechen, dass heuer auch schon die Boliden von Lotus in Mitleidenschaft zog.

Die Franzosen lieferten deshalb eine weiterentwickelte Version des defektanfälligen Teils nach Sao Paulo und riet den Kunden-Teams Red Bull, Lotus, Williams und Caterham zum Einsatz des neuen Teils, das von Romain Grosjean beim US-GP bereits getestet wurde.

"Ich habe es nicht in der Hand, also muss mir darüber nicht den Kopf zerbrechen", bleibt Vettel aber gelassen.

 

Michael Höller

 

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