Wolff: "Sie dürfen racen"

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Wolff: "Haben die Meisterschaft noch nicht gewonnen"

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Dass beide Piloten um den Fahrertitel in der Formel 1 kämpfen, stellt Mercedes weiter vor eine schwierige Aufgabe.

Für das Team hat der Konstrukteurstitel Priorität, Nico Rosberg und Lewis Hamilton haben aber bereits mehrmals das Kriegsbeil ausgegraben und damit Red-Bull-Pilot Daniel Ricciardo zum lachenden Dritten gemacht. Nach einer Aussprache sollen beide Silberpfeile in Monza auf das Podest.

Das fordert Mercedes-Sportdirektor Toto Wolff im aktuellen Interview vor dem 13. von 19 Saisonläufen. Nach dem letzten Europa-Rennen dieses Jahres stehen nur noch sechs Rennen an.

Wie Aufsichtsratschef Niki Lauda macht auch Wolff klar, dass das Formel-1-Team eine Art Speerspitze darstellt, die das Gesamtziel nicht gefährden darf. Und dass die beiden Piloten erst dann mit letzter Konsequenz fahren dürfen, wenn der Konstrukteurstitel gesichert ist und kein anderer Fahrer mehr Weltmeister werden kann.

Frage: Wie ist die Situation nach der Aussprache mit den Piloten wegen des Reifenschlitz-Vorfalls in Spa? Was dürfen sie, was sollen sie nicht tun?

Wolff: Sie sollen weiter ihre Rennen so fahren, wie sie das immer machen. Wir wollen unserer Philosophie treu bleiben, dass sie 'racen' dürfen. Aber man darf erwarten, dass sie nicht ausblenden, mit welchen Bemühungen der Mitarbeiter man in die Saison gegangen ist und wie viel Aufwand von Daimler da eingeflossen ist. Das müssen die beiden immer wieder berücksichtigen. Das ist in dieser zweiten Runde von Spa nicht passiert.

Frage: Es war an sich ein klassischer Renn-Zwischenfall. Aus Sicht von Mercedes aber mehr, oder?

Wolff: Hätte der Vorfall zwischen zwei anderen Fahrzeugen stattgefunden, wäre er nicht der Rede wert gewesen und ist deshalb auch nicht bestraft worden. Genau deshalb haben wir mit der FIA ja das neue Regelwerk entwickelt.

Frage: Was genau war das Ärgernis aus Mercedes-Sicht?

Wolff: Für uns war nicht zu akzeptieren, dass es zwischen zwei Teamkollegen passiert ist. Das hätte auch jedes andere Team verärgert. Und zweitens ist es schon in Runde zwei passiert, dass die da mit der Brechstange agieren und mit dem Messer zwischen den Zähnen fahren. Sie dürfen einfach nicht vergessen, wie viel Aufwand im Unternehmen betrieben wird, damit die beiden so ein Auto haben.

Frage: Das Formel-1-Team wird also als eine Art Außenposten gesehen, der die Gesamt-Expedition nicht gefährden darf?

Wolff: Die Analogie ist richtig, wir sind die Speerspitze. Da spielt die Geschichte, der Glanz der Marke Mercedes, das ganze Erbe und der Aufwand, der in das Team gesteckt wird, mit. Die vielen tausend Mitarbeiter, die mit unheimlichem Engagement ein Auto bringen, das gut performt. Die in Tag- und Nachtschichten dafür sorgen, dass schon in Spa Teile auf dem Auto sind, die eigentlich erst in Monza kommen hätten sollen. Und dann ist das Rennen eigentlich für beide Autos schon in Runde zwei vorbei.

Frage: Man hat Konsequenzen angekündigt, falls das nochmals passiert. Welche könnten das sein?

Wolff: Wir bleiben unserem Zugang treu, dass wir keine Stallorder haben wollen. Wir haben uns nun mal entschieden, keinen Nummer-Eins-Fahrer zu haben. Wenn man diesen Weg geht, macht es das Management natürlich nicht leichter, wenn auch die beiden Piloten um den Fahrertitel kämpfen. Aber es wird in sportlicher Sicht keine Konsequenzen geben, wir werden in das Renngeschehen nicht in Form einer Stallorder eingreifen.

Frage: Zumindest nicht, bis der Team-Titel sicher ist. Laut Niki Lauda können Rosberg und Hamilton dann fahren, bis die Fetzen fliegen. Wann und wie weit werden die Zügel dann wirklich los gelassen?

Wolff: Der Niki hat das wieder mal sehr drastisch ausgedrückt. Aber im Grunde hat er recht. Ja, wenn wir unsere Ziele mathematisch erreicht haben, wenn also die Konstrukteurs-WM gesichert ist und außer unseren beiden kein Anderer mehr Weltmeister werden kann, kann man natürlich nachdenken, wie viel Aggressivität man zulässt. Dass sie sich im Rahmen dessen matchen, was sportlich erlaubt ist. Das sind wir den Zuschauern, den Fans und der Formel 1 schuldig.

Frage: Wie weit ist man davon noch entfernt?

Wolff: Weit. Wir haben die Meisterschaft noch nicht gewonnen. Und wenn wir weiter Fehler machen, dann werden wir das auch noch ein 'Zeiterl' nicht gewonnen haben. Darauf müssen wir aufpassen.

Frage: Mit jeder Mercedes-Panne rückt Daniel Ricciardo näher. Red Bull kann zudem schön langsam einen Fahrer forcieren. Droht dadurch noch mehr Gefahr?

Wolff: Es ist zwar nicht mein Thema, aber die werden sich sicher auf einen Piloten konzentrieren. So wie die Punkte liegen, hat Sebastian Vettel nahezu keine Chance mehr auf die Meisterschaft. Die Gefahr wird dadurch zumindest nicht kleiner. Wir konzentrieren uns nicht auf einen Piloten, und das ist mit Sicherheit ein Risiko, das wir eingehen. Aber wir gehen das im Moment bewusst ein.

APA: Was erwarten Sie in Monza?

Wolff: "Wir sollten gut aufgestellt sein. Ich bin vorsichtig optimistisch. Ich hoffe, dass wir an die guten Ergebnisse des ersten Halbjahres anschließen und beide Autos auf das Podium stellen können."

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