"Schulden machen wäre verrückt"

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Toto Wolff: "F1-Börsengang liegt auf der Hand!"

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Sein Team hat zum Saisonstart die Formel 1 überrascht.

Pastor Maldonado jagte im Williams Ferrari-Star Fernando Alonso und Platz fünf, ehe er in Melbourne in der letzten Runde in die Streckenbarriere krachte.

Der österreichische Ex-Rennfahrer Christian "Toto" Wolff hält einen signifikanten zweistelligen Anteil am englischen Traditionsteam.

Im Interview spricht der 40-jährige Wiener über die Leistungssteigerung, Alexander Wurz als Fahrermentor und den geplanten Börsengang der Formel 1.

Frage: Keine Punkte, aber ein gutes Auto. Wie zufrieden sind Sie mit dem Saisonstart von Williams?

Toto Wolff: Das Auto ist ein deutlicher Schritt nach vorne. Das Ende war nicht so wie erwartet. Aber das sind junge Rennfahrer. So etwas hat man schon von allen Großen wie Alonso oder Hamilton gesehen. Wichtig ist, dass das Auto viel besser geworden ist.

Frage: Wie erklären Sie diese Stärke nach dem schwierigen Vorjahr, dem schwächsten in der Geschichte des Teams?

Wolff: Wir haben schon im Sommer begonnen, das technische Führungspersonal auszutauschen. Das sind neue Leute um Mike Coughlan, der für McLaren Siegerautos gebaut hat. Die richtigen Leute haben über den Winter hart gearbeitet. Außerdem haben wir jetzt einen Renault-Motor, der sehr konkurrenzfähig ist.

Frage: Wo kann das alles in dieser Saison noch hinführen?

Wolff: Wir brauchen nicht zu träumen anfangen. Ziel war ein Schritt nach vorne. Der ist in Melbourne gelungen, jetzt müssen wir Kuala Lumpur abwarten. Das ist eine völlig andere, eine richtige Rennstrecke. Dazu kommen die hohen Temperaturen. Die Gegner sind auf jeden Fall die gleichen wie im Vorjahr.

Frage: Welche längerfristigen Ziele haben Sie sich mit Williams gesetzt?

Wolff: Die Formel 1 verläuft immer in Zyklen. Es dauert einige Jahre zwischen Tal und Spitze. Ich bin 2009 ins Team eingestiegen. Damals habe ich mir fünf Jahre gegeben, um erfolgreich an der Spitze mitzufahren. Ziel ist ein siegfähiges Package. Jetzt sind wir in Jahr drei. Red Bull und McLaren sind so weit vorne, die brauchen wir noch nicht zu analysieren. Es würde mich wundern, wenn ein anderes Team heuer den WM-Titel holt.

Frage: Welchen Einfluss hat der neue Berater Alexander Wurz bereits auf Ihre Fahrer genommen?

Wolff: Alex ist ein extrem erfahrener Pilot, der wegen seiner technische Kenntnisse immer eine Ausnahme war. Seine Aussagen sind sehr hilfreich. Er kann den Piloten die Konsequenzen ihres Tuns erklären, das sind fast wissenschaftliche Analysen. Da geht es um die Reifen, wie sie um eine Kurve fahren und viele andere Dinge. Wir sehen, dass es funktioniert.

Frage: Trotz der schwachen Vorsaison hat Williams wirtschaftlich sehr gute Zahlen präsentiert. Wie bewerten Sie Ihr Investment?

Wolff: Es gibt mehrere Gründe, ein Formel-1-Team zu betreiben. Mercedes oder Red Bull machen das, um ihr Kernprodukt zu promoten. Die Teams, die den Sport um des Racings Willen betreiben, können nur langfristig überleben, wenn sie ein funktionierendes Geschäftsmodell haben. Dazu zähle ich Williams. Schulden zu machen, um ein Jahr mit den Größten mitzuhalten, schadet dem Unternehmen. Das wäre verrückt. Wir stehen auf soliden Beinen, sind profitabel und schuldenfrei. Das wird uns langfristig dazu bringen, konkurrenzfähig zu sein.

Frage: Teamchef Frank Williams scheidet mit April aus dem Vorstand. Wie wird sich Ihre Rolle verändern?

Wolff: Frank ist ja nicht weg, er ist immer noch Mehrheitsgesellschafter. Kontinuität ist gegeben, weil seine Tochter Claire die Interessen der Familie vertritt. Ich fühle mich als Teil des Boards sehr wohl. Was meine Rolle in ein oder zwei Jahren ist, kann ich nicht vorhersehen. Es befindet sich alles im Umbruch, aber es macht mir großen Spaß, das Team zu verfolgen. Ich bin am Ende des Tages doch auch ein 'Petrol Head'.

Frage: Die Formel 1 bereitet einen Börsengang vor. Welche Voraussetzungen müssten geschaffen werden, um ihn erfolgreich zu machen?

Wolff: Ein Börsengang ist ein sehr komplexes Unterfangen. Man benötigt ein längerfristiges Geschäftsmodell und ein gewisses Maß an Transparenz. Die Formel 1 ist ein fantastisches Geschäftsmodell, sie wächst und prosperiert. Die Idee liegt auf der Hand. Aus eigener Erfahrung weiß ich aber, dass im Vorfeld eine Menge Hausaufgaben zu erledigen sind, damit sich der Investor wohlfühlt. Es steht noch viel in den Sternen, es sind aber hervorragende Leute am Werk.

Frage: Zum Zweck des Börsenganges will die Formel 1 auch die Teams enger an sich binden. Wie steht Williams einer neuen Rahmenvereinbarung gegenüber?

Wolff: Das Concorde Agreement muss ausgewogen sein. Es werden sich alle bemühen, denn ohne diese garantierende Plattform gibt es die Formel 1 nicht. Ich sehe aber keine Eile, das Ganze muss nicht im Sommer unterschrieben sein. Es ist sehr komplex, das geht nicht von einem Tag auf den anderen.

Das Gespräch führte Florian Haselmayer

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