"Paydriver sind die Realität"

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Neuling van der Garde: "Habe immer dafür gekämpft"

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In der letzten Saison hat es Caterham knapp verpasst, erstmals in der Formel 1 Punkte einzufahren, doch immerhin landete das Team in der Konstrukteurs-Wertung auf Platz zehn - vor Marussia und HRT.

Mit den beiden neuen Piloten - Charles Pic und Giedo van der Garde - will der Rennstall erneut ein Top-Ten-Ergebnis einfahren, gemeinsam mit Neo-Teamchef Cyril Abiteboul bringen die beiden frischen Wind in das Team.

Van der Garde ist einer von fünf Neulingen in dieser Saison. Beim freien Training in Melbourne erwischte er am Freitag keinen guten Tag und musste vorzeitig abgeschleppt werden. Doch davon lässt sich der 27-Jährige die Freude auf die Saison nicht vermiesen.

"Wir müssen morgen das Beste aus dem 3. Training herausholen", bleibt der Niederländer optimitisch. "Ich freue mich darauf und das alles gehört eben zum Lernprozess dazu."

Vor dem Auftakt in Melbourne (17. März, 7 Uhr) hat LAOLA1 exklusiv mit dem Newcomer gesprochen.

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LAOLA1: Es ist deine erste Saison als Stammfahrer in der Formel 1. Was erwartest du dir davon? Welche Ziele hast du dir gesetzt?

Giedo van der Garde: Ich möchte so viel wie möglich lernen. Dabei profitiere davon, dass mein Teamkollege schon ein Jahr Erfahrung in der Formel 1 hat. Unser Team ist sehr jung und es ist wichtig, einen Schritt nach dem anderen in die richtige Richtung zu machen. Mein Ziel ist es, einen soliden Job abzuliefern und möglichst keine Fehler zu machen. Wenn wir mit Caterham Punkte holen könnten, wäre das ein großer Sieg für uns.

LAOLA1: Wie verstehst du dich mit deinem Teamkollegen Charles Pic?

Van der Garde: Er ist ein guter Typ, wir waren ja schon 2011 bei Addax in der GP2 in einem Team, deshalb kennen wir uns schon. Er ist sehr schnell und hat im letzten Jahr einen guten Job gemacht.

LAOLA1: Wie schätzt du ihn - verglichen mit dir selbst - ein?

Van der Garde: Das werden wir sehen. Als wir bei Addax Teamkollegen waren, war es sehr ausgeglichen. Ich war am Anfang etwas besser und er am Ende. Somit herrschte ein guter Wettbewerb im Team. Auf der anderen Seite hat er schon ein Jahr Erfahrung, deshalb möchte ich zunächst so viel wie möglich von ihm lernen und dann natürlich versuchen, gegen ihn zu gewinnen.

LAOLA1: Mit 27 Jahren bist du nicht mehr der Jüngste, hast du jemals die Hoffnung aufgegeben, in der Formel 1 zu starten?

Van der Garde: Nein, niemals. Ich habe immer dafür gekämpft und war einige Jahre lang nah dran und es hat nie geklappt. Seitdem wir aber im letzten Jahr das Caterham-Projekt begonnen haben und ich Ersatz- und GP2-Fahrer war, hatte ich sehr große Hoffnungen. Ich habe das Team mit aufgebaut, hatte ein gutes Jahr in der GP2 und habe einige Siege eingefahren. Somit war das Team sehr zufrieden mit mir. Wir haben sowohl die Geschwindigkeit als auch die Autos stark verbessert - es war also ein sehr gutes Projekt. Dann fuhr ich einige Male freitags beim freien Training mit und jedes Mal, wenn ich ins Auto stieg, wurde ich besser und bekam mehr Selbstvertrauen. Am Ende war ich schneller als die beiden Stammfahrer. Das war sehr gut und wohl auch ein Grund dafür, warum sie mich ausgewählt haben.

LAOLA1: Caterham kennst du ja schon aus dem letzten Jahr. Wie gefällt dir das Team? Was macht es aus?

Van der Garde: Es ist ein sehr junges Team, lauter tolle Menschen voller Motivation und Leidenschaft für den Sport. Die Mechaniker sind sehr gut, sie arbeiten hart und sind sehr erfahren. Ich fühle mich zu Hause und bin sehr glücklich.

LAOLA1:  Stichwort Technik: Was sagst du zur Auspuff-Problematik? Ist die Caterham-Technik illegal?

Van der Garde: Sie haben mir gesagt, dass sie legal sei, aber am letzten Testtag haben sie sie dann ausgebaut. Da bin ich aber nicht der richtige Ansprechpartner. Für mich ist es das Wichtigste, so schnell wie möglich zu fahren und die Mechaniker sollen sich darum kümmern, dass das Auto schneller ist - natürlich mit Hilfe meines Feedbacks.

LAOLA1: Wie würdest du einen typischen Trainingstag beschreiben?

Van der Garde: Man macht viele Probefahrten, bei denen verschiedene Komponenten getestet werden, dazu wird der Start geübt und versucht, KERS und DRS zu kontrollieren. Man versucht, möglichst viele Runden zu drehen. Am letzten Testtag bin ich beispielsweise 126 Runden gefahren, das ist beinahe die doppelte Renndistanz und das an einem Tag. Es ist also ziemlich viel Arbeit. An einem Rennwochenende läuft es ganz anders ab. Freitags zweimal freies Training, Samstag einmal und Qualifikation, Sonntag dann das Rennen. Trainingstage vor der Saison sind ziemlich anstrengend, ich trainiere fünf, sechs Stunden in der Kraftkammer oder gehe raus laufen oder Rad fahren. Während der Saison versuche ich dann nur die Form aufrechtzuerhalten, da trainiere ich etwas weniger, etwa drei bis vier Stunden am Tag.

LAOLA1: Was ist in der Formel 1 anders verglichen mit der GP2?

Van der Garde: Eine Menge! GP2 ist eine gute und harte Ausbildung, bei der du eine Menge lernen kannst. Es ist eine sehr gute Serie, dennoch sind die Unterschiede zur Formel 1 riesig - die Anzahl der Leute an der Strecke ist drei- bis viermal so hoch wie in der GP2. Wir haben sehr viele Ingenieure, die alles kontrollieren. Die Geschwindigkeiten sind unterschiedlich, man muss erst lernen, vieles zu verstehen.

LAOLA1: Lass uns über die Testfahrten reden. Wie sind sie für dich gelaufen?

Van der Garde: Der letzte Tag lief sehr gut, davor regnete es und wir konnten eine Menge ausprobieren. Am letzten Tag konnten wir viele Runden fahren und unser Programm durchziehen. Ich denke, am Auto gibt es noch einige Dinge zu verbessern, was wir teilweise auch schon während der Tests getan haben. Aber ich fühle mich im Auto mental und physisch sehr stark und die Stimmung im Team ist gut. Wir werden sehen, was wir in Melbourne erreichen können!

LAOLA1: Welche Art von Autofahrer bist du in deiner Freizeit?

Van der Garde: (lacht) Ich halte das Tempolimit nicht ein und fahre eigentlich immer zu schnell. Ich fahre nicht aggressiv oder verrückt, nur ein wenig zu schnell, aber immer so, dass ich es unter Kontrolle habe. Glücklicherweise sehe ich die Blitzer immer schon von weitem, deshalb bekommen sie mich nicht so oft!

LAOLA1: Was bedeutet es für die Niederlande, nun wieder einen Fahrer in der Formel 1 zu haben?

Van der Garde: Sehr viel! Es ist gut für den Sport und ich hoffe, dass viele Kinder anfangen, Go-Kart zu fahren - denn genauso habe ich auch angefangen. Ich bin sehr glücklich und auch das Land ist sehr glücklich damit, mich als Formel-1-Fahrer zu haben.

LAOLA1: Spürst du schon einen Unterschied bezüglich des medialen Interesses?

Van der Garde: Total! Das Interesse ist viel größer geworden, seitdem ich als Fahrer vorgestellt wurde. Man hört und liest es überall, Formel 1 ist recht beliebt in den Niederlanden.

LAOLA1: Stichwort "social media": Du bist auf Facebook und Twitter sehr aktiv und beantwortest sogar Fragen deiner Fans. Warum machst du das und was bedeutet es für dich?

Van der Garde: Ich denke, es ist wichtig, so viel wie möglich von sich selbst zu zeigen. Es kam vor einigen Jahren auf und die Menschen mögen es. Sobald man einige Follower hat, versucht man, mehr zu bekommen und die Leute können lesen, was im Leben von jemandem passiert. Natürlich sollte man nicht alles posten, aber was den Sport betrifft, sollte man schon so viel wie möglich mitteilen. Es ist gut für die Fans, wenn ihre Fragen beantwortet werden und solange sie glücklich sind, bin ich es auch, also finde ich diese Kommunikationsmöglichkeiten ziemlich gut.

LAOLA1: Welche Strecke würdest du als deine Lieblingsstrecke bezeichnen?

Van der Garde: Ich mag Spa und Monza sehr gerne, das sind beides wirklich schöne Strecken, schnell und abwechslungsreich. Ich freue mich auch sehr auf Kanada, die Landschaft dort ist atemberaubend.

LAOLA1: Hast du ein Vorbild?

Van der Garde: Ja: Senna.

LAOLA1: Das war eine schnelle Antwort. Warum Senna?

Van der Garde: Als ich jung war und anfing, Formel 1 zu schauen, war er gerade sehr erfolgreich. Dann ist er gestorben, was für den Sport natürlich schlecht war, aber es gab eine Menge Filme und Dokumentationen über ihn, die mich sehr inspiriert haben.

LAOLA1: Zur Zeit werden immer mehr kritische Stimmen gegen sogenannte Paydriver laut, wie stehst du zu diesem Thema?

Van der Garde: Das ist zur Zeit einfach die Realität, dass du Geld mitbringen musst. Nichtsdestotrotz muss du talentiert und stark sein und an dich selbst glauben, denn ohne Potential und ohne Talent kannst du kein Formel-1-Auto fahren.


LAOLA1: Wer wird Weltmeister 2013?

Van der Garde: Das ist wirklich schwierig zu sagen, da es nicht einfach ist, zu beurteilen, wo die Fahrer gerade stehen. Es gibt einige Teams, die sehr stark wirken. Ich denke, es haben einige Fahrer eine Chance, aber wer der Stärkste ist, das werden wir in Melbourne sehen.

LAOLA1: Vielen Dank für das Gespräch.

 

Das Interview führte Henriette Werner

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