'Können keine Benzinverschwendung mehr betreiben'

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"Im letzten Jahr ist unsere Saison in Österreich erst so richtig losgegangen", sagt Claire Williams.

Die Startplätze eins und zwei im Vorjahr sowie Endrang drei durch Valtteri Bottas waren die größten Erfolge von Williams seit dem Erfolg von Pastor Maldonado in Spanien 2012.

Auch in diesem Jahr scheint es etwas zu dauern, bis das Traditionsteam in Schwung kommt. Mit Platz drei von Bottas in Kanada kommt man aber guten Mutes in die Steiermark.

Während der Finne den Grand Prix von Österreich (LIVE ab 14 Uhr im LAOLA1-Ticker) von Startplatz sechs in Angriff nimmt, hat sich Felipe Massa die vierte Startposition gesichert.

Aufgrund starker Longrun-Zeiten hofft die 38-jährige stellvertretende Teamchefin darauf, den Kampf um das Podest erneut aufnehmen zu können.

Im LAOLA1-Interview spricht die Tochter von Teamgründer Frank Williams über die Wichtigkeit der aktuellen Motoren-Technologie, einen zukünftigen Weltmeister und die Beziehung zu ihrem Vater.

LAOLA1: Williams hat im Vorjahr hier mit den Plätzen eins und zwei im Qualifying und Rang drei im Rennen einen großen Erfolg gefeiert. Wie hat sich das Team seither entwickelt?

Claire Williams: Im letzten Jahr ist unsere Saison in Österreich erst so richtig losgegangen. Von diesem Rennen an sind uns viele gute Resultate gelungen. Das haben wir zu Beginn dieses Jahres nicht geschafft, allerdings haben wir bisher doppelt so viele Punkte im Vergleich zum letzten Jahr zum selben Zeitpunkt. Wir haben uns also auf jeden Fall verbessert, aber Ferrari hat uns überholt. Das ist etwas frustrierend. Das Team arbeitet ständig am Auto und besonders für das Rennen hier in Österreich haben wir mehrere Updates vorgenommen und sie scheinen ganz gut zu funktionieren.

LAOLA1: Das heißt, Sie gehen davon aus, dass man in diesem Jahr noch weitere Podestplätze einfahren kann?

Williams: Auf alle Fälle, ja. Es liegt nur an uns, diese Lücke zu schließen. Man hat in den Trainings schon gesehen, dass wir nur wenige Zehntel hinter Ferrari liegen. Im Rennen kann dann hier einiges möglich sein.

LAOLA1: Wie zufrieden sind Sie mit der Entwicklung von Valtteri Bottas?

Williams: Sehr zufrieden. Ich glaube, dass jeder Valtteris Talent sieht und erkennt, dass er ein Weltmeister der Zukunft ist. Er hat seine Karriere hier gestartet und es bereitet uns große Freude, seine Entwicklung zu beobachten. Er ist ein absoluter Allrounder und weiß, was er als Rennfahrer will. Das sieht man in der Zusammenarbeit mit den Ingenieuren, aber auch was die Öffentlichkeitsarbeit anlangt.

LAOLA1: Sein Vertrag läuft aber in diesem Jahr aus. Wie wollen Sie ihn davon überzeugen, bei Williams zu bleiben?

Williams: Über Verträge will ich in der Öffentlichkeit nicht sprechen, das ist eine private Angelegenheit. Überzeugen wollen wir ihn mit einem konkurrenzfähigen Auto. Das ist, was jeder Fahrer haben will. Es gibt immer die Überlegungen, wann man das Lineup für das kommende Jahr beisammen haben will, aber bei uns ist noch nichts in Stein gemeißelt.

LAOLA1: Wer wird bei den bevorstehenden Tests in Spielberg am Steuer sitzen?

Williams: Valtteri und Susie (Wolff, Anm.) werden das übernehmen.

LAOLA1: Adrian Sutil war nie als Testpilot vorgesehen?

Williams: Er ist unser Reseverpilot und wird nicht testen. Valtteri hatte eine Verletzung in Australien und da braucht jedes Team einen Ersatzpiloten für den Fall, dass etwas Unvorhergesehenes passiert. Das ist Adrians Position. Wenn unseren Fahrern also etwas zustößt, wird Adrian einspringen.

LAOLA1: Und Susie wurde versprochen, den Test zu absolvieren?

Williams: Ja, sie wird fahren und darüber hinaus auch noch zwei Freitags-Sessions absolvieren. Das ist die Arbeit, die sie für uns auf der Strecke machen wird. Leider gibt es nicht mehr so viele Testmöglichkeiten in der Formel 1. Somit sind die Möglichkeiten, Test- und Reservefahrern Einsätze zu gewähren sehr gering.

LAOLA1: Wird sie eines Tages den Sprung in ein Stammcockpit schaffen?

Williams: Das müssen Sie sie selbst fragen. Im Moment sind wir sehr zufrieden mit ihrer Arbeit. Wenn wir das nicht wären, hätten wir sie nicht Jahr für Jahr befördert.

LAOLA1: Im Moment wird sehr viel über die Regeln der Formel 1 diskutiert. Wer ist Ihrer Meinung nach dafür zuständig, diese zu ändern?

Williams: Die Strategiegruppe ist aktuell sehr darum bemüht, etwas zu ändern. Es geht darum, die Formel 1 zu einem Spektakel zu machen und sie auch nachhaltig zu gestalten. Diese Gruppe arbeitet hart daran, aber es ist schwierig, weil jedes Team seine Interessen hat.

LAOLA1: Die Strategiegruppe sieht für 2017 mehrere Änderungen vor. Unter anderem die Wiedereinführung von Tankstopps, schnellere Autos und lautere Motoren. Kann man damit das Ruder herumreißen?

Williams: Es ist ein Beweis dafür, dass wir uns darüber im Klaren sind, dass sich im Sport etwas ändern muss, damit wir unser Publikum vor Ort und an den Fernsehgeräten nicht verlieren. Der Wille zur Veränderung ist da. Wir haben Zeit, dieses Regelwerk 2017 mit einem wohlüberlegten Plan einzuführen. Solange jeder seinen Einsatz beibehält, kann die Formel 1 2017 sehr aufregend werden.

LAOLA1: Sie haben einmal gesagt, dass das aktuelle Motorenreglement aus kommerzieller Sicht eine gute Sache ist, weil sich damit Sponsoren leichter gewinnen ließen. Wie meinen Sie das?

Williams: Diese Motoren-Technologie war natürlich kontroversiell. Mit ihr einher ging aber ein Gedankenprozess, wonach die Formel 1 mehr nach gesellschaftlichen Gesichtspunkten orientiert sein muss, damit der Sport an Relevanz gewinnt. Das hat dann natürlich einen positiven Einfluss auf Verhandlungen mit Partnern und Sponsoren. Und das ist sehr wichtig für uns. Heutzutage können wir einfach keine Benzinverschwendung mehr betreiben. So erzeugt man kein Interesse bei Firmen, in den Sport zu inverstieren. Wir müssen uns auch an den Herstellern und ihrer Entwicklung von Hybrid-Technologie orientieren. Die Formel 1 ist der Ort, wo diese Technologie entwickelt wird, damit sie später in Serienautos verwendet werden kann.

LAOLA1: Sie haben bei Williams in der Kommunikationsabteilung begonnen und sich über das Amt des "Head of Investor Relations" zur stellvertretenden Teamchefin entwickelt. Worin sehen Sie Ihre Aufgabe im Team?

Williams: Ich arbeite jetzt seit 13 Jahren bei Williams und ich bin innerhalb dieses Teams aufgewachsen. Ich habe es quasi mein ganzes Leben lang gelebt. Meine Rolle im Team sehe ich einfach darin, dass seine Zukunft gesichert ist. Dabei gibt es immer etwas zu lernen. Es ist eine große Aufgabe, die ganze kommerzielle Verantwortung zu tragen. Es war eine steile Lernkurve für mich, aber es macht mir sehr viel Spaß und ich sehe die Rolle auch als Privileg.

LAOLA1: Wie speziell ist Ihre Beziehung zu Frank? Einerseits ist er Gründer und Teamchef, andererseits ihr Vater.

Williams: Für mich gab es nie diese zwei Seiten. Er ist für mich Vater UND Teamchef, mein ganzes Leben lang. Er ist großartig als Boss und generell eine große Inspiration für mich. Ich bin sehr dankbar dafür von einem der besten Teamchefs zu lernen, die es jemals in diesem Sport gab. Wir arbeiten sehr eng zusammen, sehen uns jeden Tag und reden auch ständig miteinander.

LAOLA1: Und er ist trotz seiner gesundheitlichen Probleme so oft es geht bei Rennen dabei.

Williams: Absolut, ja. Er ist 24 Stunden und sieben Tage die Woche im Einsatz. Er lebt und atmet die Formel 1.

LAOLA1: Ist es richtig, dass Sie, wenn sie nicht bei Williams arbeiten würden, Interesse daran hätten, in die Politik zu gehen?

Williams: Ja, das ist richtig. Ich hatte verschiedene Vorstellungen als Kind, wollte Lehrerin oder Politikerin werden. Aber jetzt bin ich hier und ich kann mir nicht vorstellen, woanders zu sein. Dafür liebe ich diese Arbeit zu sehr.

LAOLA1: Gibt es ein politisches Thema, das Sie momentan am meisten beschäftigt?

Williams: Auf der Welt gibt es sehr viele Themen, die mich bewegen. Aber besonders fasziniert hat mich die vergange Wahl in Großbritannien. Es war ein beeindruckender Prozess, den wir durchgemacht haben. Das Ergebnis war für mich äußerst positiv. Es wird spannend zu sehen, in welche Richtung sich Großbritannien jetzt entwickelt. Es gibt im Moment ein erhebliches wirtschaftliches Wachstum. Auf jeden Fall interessiert mich die britische Politik am meisten.

 

Das Interview führte Andreas Terler

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