Wurz: "Jeder kocht sein eigenes Süppchen"

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Die Formel 1 befindet sich wieder einmal in einer Debatte um ihre Führungsstruktur. Nicht nur Chefvermarkter Bernie Ecclestone sind die zu demokratischen Entscheidungsprozesse ein Dorn im Auge.

Auch Fahrervertreter Alexander Wurz äußerte Bedenken daran, dass die Teams selbst die Regeln bestimmen, nach denen in der Königsklasse des Motorsports gefahren wird.

"Klar, dass es keinen Konsens gibt"

"Mit den Teams wird es so nicht funktionieren. Wenn man Änderungen will, führt sich das jetzige System ad absurdum", meinte Wurz, Vorsitzender der Fahrervereinigung GPDA, im Gespräch mit der "APA".

"Die Teilnehmer sind ehrgeizig und möchten um jeden Preis gewinnen. Jeder lässt die Muskeln spielen. Da ist es nur klar, dass es keinen Konsens gibt, sondern Unstimmigkeiten. Jeder kocht sein eigenes Süppchen."

Die Strategiegruppe hatte zuletzt vor zwei Wochen getagt - relativ ergebnislos. Ecclestone will das Gremium, in dem die Teams die Zukunft der Formel 1 bestimmen, sogar abschaffen.

"Warum sollen die Teilnehmer das Reglement bestimmen?", fragte auch Wurz. "Das wäre so, als hätte Lance Armstrong bei der Tour de France jeden Tag ein Zeitfahren veranstaltet und Marco Pantani jeden Tag eine Bergankunft."

"Es braucht Leadership"

Als Aufruf zu einer großen Reform will Wurz das nicht verstanden wissen. "Unter dem Strich ist die Formel 1 ein Topprodukt", meinte der Niederösterreicher. "Es geht darum, das Geschäftsmodell behutsam anzupassen. Dafür braucht es Leadership." Mit den Teams - allesamt auf ihren eigenen Vorteil bedacht - sei das nur schwer vorstellbar.

Ohne den Anspruch auf eine Führungsrolle zu stellen, bieten sich mittlerweile auch die Fahrer an, "produktiv mitzuarbeiten". Noch bis Sonntag läuft eine weltweite Fan-Umfrage, die die GPDA ins Leben gerufen hat. Die Beteiligung sei laut Wurz sehr zufriedenstellend. "Mittlerweile ist es die größte Fan-Umfrage im Sport", sagte der GPDA-Chef. Personen aus 191 von 196 von der UNO anerkannten Staaten der Erde hätten bisher teilgenommen.

Mit den Ergebnissen will die Fahrervereinigung aber nicht vorpreschen. Erst nach einer internen Detailanalyse werden weitere Schritte gesetzt. Wurz kann sich sogar vorstellen, die Befragungen in einem zweiten Schritt auf die Straße auszuweiten. "Bisher haben wir den Hardcorefan erreicht, aber wir wollen auch die Laufkundschaft", erklärte der 41-Jährige. Etwa mit Umfragen in Ballungszentren wichtiger F1-Märkte.

Keine Alternative zu Mercedes

Ein wichtiger Bestandteil des Erfolges der Formel 1 bleiben spannende Rennen. Die laufende Saison wird von Weltmeister Mercedes dominiert. Das wird laut Wurz auch so bleiben. "Jemand anderer kommt für die WM nicht mehr infrage", meinte der frühere GP-Pilot. Zwischen Titelverteidiger Lewis Hamilton und seinem Verfolger Nico Rosberg sei aber alles offen.

Rosberg hat seinen Rückstand mit zuletzt zwei Siegen in Serie auf zehn Punkte reduziert. "Wie er gewonnen hat, ist egal", erinnerte Wurz an einen Strategiefehler bei Hamilton in Monaco. Der Engländer sei allerdings auch am Wochenende in Kanada der Favorit.

"Hamilton ist der, der den Ton angibt", sagte Wurz. "Er fühlt sich im Auto vielleicht ein bisschen wohler. Aber er darf Nico nicht unterschätzen. Nico ist ein sehr guter Rennfahrer, der immer wieder zurückkommt." Das hat das deutsche Stehaufmännchen nach einem schwierigen Saisonstart in den beiden jüngsten Rennen bewiesen.

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