Die aussichtslose Jagd auf Vettel

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Die Zuschauer am Nürburgring und vor die F1-Fans vor den TV-Schirmen bekamen am Sonntag einen tollen Deutschland-GP geliefert.

Acht Mal wechselte die Führung zwischen Lewis Hamilton, Fernando Alonso und Mark Webber.

Das Trio ist auch in der WM Titelverteidiger auf den Fersen, wenn auch mit Respektabstand.

In der Formel 1 steht nun die zweite Halbzeit an: Nur noch neun von 19 Rennen sind zu fahren. Die Rechnung für Sebastian Vettel ist eine einfache: 225 Punkte sind maximal noch zu vergeben, bei seinem aktuellen Vorsprung von 77 Zählern, fehlen noch 148 zur Fixierung des Titels.

Klarer Vorteil für Vettel

Rechnet man diese Zahlen in Podestplätze um, würden Vettel fünf zweite und vier dritte Ränge in den ausständigen Rennen zur Titelverteidigung reichen.

Selbst bei drei Nullnummern kommt er als WM-Führender auf den in Singapur startenden Asien-Trip der Formel 1.

Und wenn sich seine drei Gegner weiterhin so zerfleischen wie zuletzt, wird Vettel seinen zweiten WM-Titel in Folge wohl schon Mitte Oktober bejubeln dürfen.

LAOLA1 wirft einen Blick auf die erste Saisonhälfte der Vettel-Verfolger:

Mark Webber (139 Pkt.)

Stärke: Stärkstes Auto und Quali-Speed. Der Australier saß in der ersten Saisonhälfte im dominanten Fahrzeug, dem RB7 (auch wenn sein Bolide fehleranfälliger war als der seines teamkollegen). Zudem ist er der einzige, der Vettel in einem Qualifying bereits drei Mal schlagen konnte. Im Rennen punktet der Australier vor allem durch Konstanz: Sechs Podestplätzen steht ein 5. Platz als schlechtestes Saisonergebnis zu Buche.

Schwäche: Start und Status. Mark Webber konnte sich zwar bereits drei Pole Positions sichern, verlor seine Führung aber in jedem Rennen am Start oder im Laufe der ersten Runde. Überhaupt fehlt dem Australier heuer das Killer-Gen. Er ist noch sieglos. Ein weiteres Problem: Sein Nummer-2-Status (den es laut Red Bull offiziell nicht gibt). In Silverstone wurde er zuletzt per Funk von einem Überholmanöver gegen Vettel abgehalten. Und wer weiß, welche Worte am Nürbrugring über den Funk gekommen wären, wenn Vettel Felipe Massa nicht erst in der letzten Runde überholt hätte.

Lewis Hamilton (134 Pkt.)

Stärke: Kampfgeist. Sein Killer-Start am Nürburgring bewies einmal mehr, was für ein exzellenter Racer der Brite ist. Auch in Shanghai fackelte er wenige Runden vor Schluss (auf den besseren Reifen) gegen Vettel nicht lange. Beide Male siegte Hamilton am Ende. McLarens letzter Weltmeister kennt auf der Strecke keine Gnade. Kein anderer Pilot überholt so kaltschnäuzig wie Hamilton.

Schwäche: Übermotivation. Paradebeispiel Kanada: Im Duell mit Teamkollegen Jenson Button versuchte der Brite an einer unmöglichen Stelle zu überholen und krachte in die Boxenmauer. Oder Monaco, wo Hamilton sich in seiner Aufholjagd in unzählgie Scharmützel verstrickte. Seine Stärke ist gleichzeitig seine Schwäche: In hitzigen Situationen schaltet Hamilton zu selten sein Hirn ein, zurückstecken zugunsten der WM-Wertung kennt er nicht - das kostete auch heuer wieder wichtige Punkte.

Fernando Alonso (130 Pkt.)

Stärke: Renn-Intelligenz. Der Spanier ist wohl der kompletteste Fahrer im Feld, der alle Kniffe kennt und in den entscheidenden Situationen Überblick und Coolness behält. Das macht sich in den Rennen bezahlt: In sechs der zehn Rennen verbesserte er seinen Startplatz im Rennen. Mehr als zwei Ränge hinte seinem Startplatz musste er (den Kanada-Ausfall ausgenommen) nie. Mit der richtigen Strategie konnte er in Silverstone sogar Sebastian Vettel biegen.

Schwäche: Der Ferrari. Zu spät brachte die Scuderia den roten Boliden auf Speed von Red Bull Racing und McLaren. Es dauerte vier Rennen bis es der Doppel-Weltmeister erstmals auf das Podest schaffte. In den vergangenen fünf Rennen gab es dagegen einen Sieg und drei zweite Plätze bei einem Ausfall. Mit 85 Punkten Rückstand auf Vettel hat der Spanier aber die schlechtesten Karten im WM-Poker.

Michael Höller

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