Bringt Jubiläum die Trendwende?

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Vettel vor 100. GP für Red Bull: "War echt phänomenal"

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Vielleicht hatte er damals eine Vorahnung.

Nach seinem Sieg beim USA-Grand-Prix im vorletzten Rennen der vergangenen Saison funkte Sebastian Vettel zumindest in weiser Voraussicht an sein Red-Bull-Team: „Wir sollten uns an Momente wie diese erinnern und sie genießen, so lange sie andauern.“

Der vierfache Weltmeister hatte heuer schon einige Gründe, sich an seine vielen schönen und erfolgreichen Momente zurückzuerinnern. Denn bislang läuft die aktuelle Saison für den Deutschen alles andere als nach Wunsch.

"Suzie" macht Probleme

Ein einziger Podestplatz (Rang drei in Malaysia) ist für den erfolgsverwöhnten Vettel alles andere als genug.

Dazu hat er nach fünf absolvierten Rennen beinahe schon die Chancen auf den fünften Weltmeistertitel in Folge verspielt.

Gegenüber den dominierenden Mercedes-Boliden von WM-Leader Lewis Hamilton und Nico Rosberg ist das gesamte restliche Feld - darunter eben auch Red Bull Racing - bislang chancenlos. Vettels „Suzie“ will bislang noch gar nicht so wie er.

Sehr viel Druck

Es ist wohl das bislang schwerste Jahr in der Formel 1 für den 26-Jährigen, der zudem auch um sein Nummer-eins-Standing im eigenen Team zu kämpfen hat.

Sowohl im Qualifying-Duell (1:5) als auch im Rennen (1:3) liegt er gegen seinen talentierten Teamkollegen Daniel Ricciardo, der in Spanien zum ersten Mal in seiner Karriere regulär auf dem Podium (in Australien wurde er disqualifiziert) landete, zurück. Der Australier, der von Toro Rosso gekommen war, geht seine erste Saison bei Red Bull unbeschwert an, während der Druck auf Vettel nach allem, was dieser bisher erreicht hat, ungleich größer ist.

In der WM-Wertung liegt der Heppenheimer als Vierter mit 45 Punkten zwar noch vor seinem Teamkollegen (Fünfter, 39 Punkte), er hat jedoch schon 55 Punkte Rückstand auf Spitzenreiter Hamilton. Auch in der Konstrukteurs-Wertung ist Red Bull mit großem Abstand Zweiter (84 Punkte) hinter Mercedes (197).

"Andere Situation"

Diese Situation mutet auf den ersten Blick ähnlich an wie die Red-Bull-Regentschaft der letzten Jahre. 2013 gewann Vettel die letzten neun Rennen der Saison, heuer sind viele gelangweilt von der Dominanz der Silberpfeile. "Es ist eine ganz andere Situation. Wir waren nie in einer solchen Position“", empfindet Vettel die Dominanz Mercedes‘ jedoch als anders.

"Jetzt ist es einfach, zurückzublicken und zu sagen, dass wir alles dominiert haben. Aber ich erinnere mich anders zurück. Wir hatten jetzt fünf Rennen in dieser Saison und ich glaube nicht, dass wir jemals einen Start in die Saison mit fünf Siegen hatten. Wir hatten letzte Saison ein starkes Ende, aber wenn man sich die Rennen, die Ergebnisse und die Abstände ansieht, ist es eine andere Geschichte."

Nichtsdestotrotz erkennt er die gute Arbeit von Mercedes an: "Sie verdienen es, dort zu sein. Sie machen zurzeit den besten Job."

Vettel bleibt optimistisch

Es sieht nicht gut aus

Die Vorzeichen für Sebastian Vettels 100. Grand Prix für Red Bull am Sonntag in Monaco stehen also alles andere als gut.

Doch der Mann, der mehr als ein Drittel der F1-Rennen, bei denen er gestartet ist, gewonnen hat, und nur in seinem ersten Jahr  (2009) für das österreichische Team als Vize-Weltmeister hinter Jenson Button nicht den Titel holte, gibt sich kämpferisch.

Er rastet nicht aus, jammert nicht, sondern kämpft und versucht, optimistisch zu bleiben. Im Gegensatz etwa zu Fernando Alonso, der bereits über mangelndes Lob seitens seines Ferrari-Teams nörgelte, scheint der dominierende Fahrer der letzten Jahre besser damit zurecht zu kommen, wenn es nicht so gut läuft.

Erinnerungen bewahren

Vielleicht, weil er seine vier Weltmeister-Titel, 38 Siege, 44 Pole Positions und 62 Podestplätze für Red Bull gut in Erinnerung behalten hat – genau so, wie er es auch seinem Team geraten hat.

Immerhin holte kein anderer Fahrer in den vergangenen fünf Jahren mehr WM-Punkte (1455) und führte mehr Rennrunden (2386) als der Deutsche.

"Die Zeit fliegt, wir waren erfolgreicher, als wir es jemals erwartet hätten", blickt der Heppenheimer zurück, "aber natürlich gab es für uns deutlich schönere Zeiten als die vergangenen Monate."

Zwischenfazit

"2009 war es eine Überraschung, ein wirklich konkurrenzfähiges Auto zu haben." Diesen Vorteil wussten er und Red Bull jedoch nicht auf Anhieb zu nutzen. "In meinem ersten Jahr habe ich Fehler gemacht, die ich möglicherweise machen musste. Das war Teil des Prozesses des Zusammenwachsens, auch das Team hat Fehler gemacht."

Aus Fehlern lernt man bekanntlich. "Vor allem 2009 sind wir zusammengewachsen und es tat weh, dass wir im Kampf um die Weltmeisterschaft geschlagen wurden. Man weiß ja nicht, ob man die Chance noch einmal bekommt. Alles danach war echt phänomenal. Das konnte man unmöglich erwarten, denn es können so viele Dinge passieren", so Vettel. "In diesem Jahr sieht es anders aus, aber wir sind erst fünf Rennen gefahren."

Aufholjagd

Zuletzt bewies er in Barcelona sein fahrerisches Können und strafte alle Kritiker, die an seinem Talent und Fahrvermögen zweifelten, Lügen: Von Startplatz 15 ins Rennen gegangen, holte er mit Rang vier angesichts der Chancenlosigkeit gegenüber Mercedes das Optimum heraus.

"Barcelona war in gewisser Weise ein Schritt in die richtige Richtung, zumindest was das Renntempo betrifft", so der Red-Bull-Pilot.

Vettel glaubt weiter an sein Team

Ausblick

Nach diesem Schwenk in die Vergangenheit geht der Blick Vettels wieder nach vorne.

Bei seinem insgesamt 126. Grand Prix hofft er auf eine Trendwende. "Hier in Monaco konnte man immer zeigen, wo man als Rennfahrer steht", so der amtierende Weltmeister, der weiß, dass die verwinkelte Strecke auch seinem unterlegenen RB10 entgegen kommt.

"Man braucht dort etwas weniger Motorenleistung als auf anderen Rennstrecken", erklärt der 26-Jährige.

"Bis hierher haben wir uns extrem verbessert. Wir sind aber noch nicht sorgenfrei und es läuft noch nicht alles perfekt", fährt der Jubilar fort, um kämpferisch zu erklären: "Ich weiß, dass das Team stark ist und wir uns verbessern werden. Die Frage ist eben nur, wann."

 

Henriette Werner

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