Vettel-Partnersuche wird zur Grundsatzfrage

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Auf der Suche nach Sebastian Vettels neuem Teamkollegen bahnt sich bei Red Bull eine interne Machtprobe an.

Die abrupte Abschiedsankündigung von Mark Webber zwingt den Formel-1-Rennstall zu einer heiklen Grundsatzentscheidung.

Teamchef Christian Horner scheint die Verpflichtung des erfahrenen, aber exzentrischen Kimi Räikkönen zu bevorzugen. Dagegen favorisiert die Fraktion um den einflussreichen Red-Bull-Berater Helmut Marko wohl für 2014 die interne Nachwuchslösung mit Daniel Ricciardo oder Jean-Eric Vergne, um das aufwendige Talente-Programm des Konzerns nicht zu beschädigen.

Vettel dazwischen

Zwischen den Fronten: Dreifach-Weltmeister Vettel, der ein Mitspracherecht haben wird. Vor dem achten Saisonlauf in Silverstone wand sich der Deutsche um eine Aussage zu seiner Präferenz.

"Es ist immer schwer zu sagen, wie eine Partnerschaft sich entwickeln wird", erklärte Vettel. Mit Räikkönen (33) verbindet den 25-Jährigen so etwas wie eine Freundschaft, mit dem ebenfalls deutlich älteren Webber aber kam es im Team-Duell zum heftigen Generationenkonflikt.

Zudem ist Vettel selbst das beste Beispiel, dass die Beförderung eines langjährigen Red-Bull-Zöglings ein Erfolgsmodell sein kann.

In einer perfekten Welt

Der Heppenheimer stieg 2009 vom kleinen Schwesterteam Toro Rosso ins Red-Bull-Cockpit auf und raste mit dem Team zu drei Fahrer- und drei Konstrukteurstiteln in Serie.

Der für die Nachwuchsförderung zuständige Grazer Ex-Rennfahrer Marko folgt daher der internen Logik, wenn er dem TV-Sender RTL sagt: "Die Situation ist generell so, dass wir uns keine großen Sorgen machen müssen. Wir haben aus dem eigenen Pool genügend und tolle Fahrer."

Ricciardo warb natürlich ebenfalls für die Hauslösung mit ihm oder Vergne: "In einer perfekten Welt müsste einer von uns beiden das Auto bekommen. Das ist jedenfalls der Grundgedanke hinter diesem Programm."

Räikkönen kann man nicht ignorieren

Pflichtschuldig nannte auch Teamchef Horner die beiden 23-Jährigen in Silverstone "echte Anwärter auf dieses Cockpit". Aber er machte umgehend auch seinen Standpunkt klar: "Es gibt keine Vorgabe, dass sie automatisch ein Red-Bull-Cockpit bekommen müssen."

Ziemlich deutlich ließ der Brite erkennen, dass er an der Qualität und der Reife des Toro-Rosso-Duos ernste Zweifel hat.

Und dass er die Gespräche mit Räikkönen vorantreiben will. "Es wäre ja dumm, einen Fahrer wie ihn zu ignorieren", meinte Horner.

Wer hat das Sagen?

Der Teamchef macht sich vor allem Sorgen um die Vorherrschaft in der Konstrukteurswertung, die über die Verteilung der Einnahmen entscheidet.

"Diesen Titel gewinnt man nicht nur mit einem Fahrer", mahnte Horner. Noch darf er bei seiner Linie auf Unterstützung von Red-Bull-Besitzer Dietrich Mateschitz hoffen.

"Kimi ist cool und schnell und immer ein Kandidat", hatte der Getränke-Milliardär im Frühjahr erklärt. Doch das größere Gewicht bei Mateschitz hat oft das Wort seines österreichischen Landsmanns Marko.

Freiheit vs. Finanzgigant

Bei Lotus hoffen sie ohnehin, dass Räikkönen den Avancen von Red Bull widersteht. "Wir wollen Kimi halten. Er weiß, was er an uns hat", sagte Lotus-Teamchef Eric Boullier.

Heißt: Bei seinem derzeitigen Arbeitgeber genießt der "Iceman" viele Freiheiten, die ihm der Marketing-Gigant Red Bull kaum einräumen würde. "Das ist schon ein entscheidender Faktor", stellte Räikkönen fest. Noch ringt der Finne mit sich. "Wenn man eine Chance bekommt, dorthin zu gehen, dann sollte man sie nutzen", bekannte der Weltmeister von 2007.

Bis Ende des Sommers will Red Bull die wohl spannendste Personalie auf dem Fahrermarkt geklärt haben. Bis dahin werden noch viele Bewerbungen am Teamsitz Milton Keynes landen.

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