Der verflixte siebente Monat

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Der verflixte siebente Monat

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„Es gibt keinen Fluch.“

Ärger zu verbergen ist nicht die Stärke eines Siegertypen wie Sebastian Vettel. Angesprochen auf seine Heimspiel-Misere weicht der Weltmeister aus. „Es ist so etwas wie ein Heimvorteil.“

Naja, nicht wirklich. Noch nie konnte der 26-Jährige einen Großen Preis von Deutschland gewinnen. Ein Blick auf die vergangenen Jahre offenbart aber noch Schlimmeres: Es ist der Juli-Fluch, der auf dem Heppenheimer liegt. Noch nie in seiner siebenjährigen Karriere in der Königsklasse konnte Vettel ein Rennen im Juli für sich entscheiden.

Der verflixte siebte Monat also.

Aber was hat der dreifache Champion in den letzten Jahren nur angestellt?

Wir wissen, was Sebastian Vettel in den letzten Sommern getan hat.

 

2007 und 2008

In den Lehrjahren des Weltmeisters sind noch keine Wunderdinge zu erwarten, auch wenn er mit BMW Sauber in Indianapolis als jüngster Fahrer aller Zeiten in die Punkteränge fährt. Später wirbt Toro Rosso das Talent ab, bei den Rennen im Juli in Magny-Cours, Silverstone und am Nürburgring ist er aber nicht im Einsatz. Ein Jahr darauf hat Vettel sein Cockpit beim Nachwuchsteam von Red Bull Racing aber sicher. In Großbritannien vernichtet ein Zusammenstoß mit dem späteren Teamkollegen Mark Webber, trotz Startposition acht, jede Hoffnung auf ein gutes Ergebnis. Zwei Wochen später in Hockenheim gibt es mit Platz acht einen Punkt zu bejubeln

2009

Nach tollen Ergebnissen und sogar einem Sieg im Toro Rosso ist der Wechsel ins bessere Red Bull Auto nur noch Formsache. Als Gewinner des Rennens in Silverstone kommt Vettel topmotiviert an den Nürburgring. Von Startplatz vier aus kämpft sich der Heppenheimer nach vorne, muss sich aber am Ende seinem Teamkollegen Webber geschlagen geben. Mit 9,2 Sekunden Rückstand kommt er einem Sieg in der Heimat so nah wie bis heute nicht. Auch am Hungaroring wird es nichts mit der vollen Punktezahl. Trotz Startplatz zwei verliert er gleich zu Beginn einige Positionen. Aufgrund einer Kollision mit Kimi Räikkönens Ferrari ist der Deutsche zum Aufgeben gezwungen. Ein herber Rückschlag im Kampf um den WM-Titel.

2010

Der Fluch des sieglosen Juli setzt sich auch im ersten Weltmeister-Jahr gnadenlos fort. Im “Home of British Motor Racing” fährt Vettel auf Pole-Position. Schon in Kurve eins muss er aber Webber vorbeiziehen lassen. Später touchiert er auch noch Lewis Hamilton im McLaren und erleidet einen Reifenschaden. Am Ende bleibt so nur der siebente Platz. Auch in Hockenheim heißt der Pole-Setter Sebastian Vettel und wieder geht der Start daneben. Beide Ferrari-Piloten gehen an ihm vorbei und lassen dem Red-Bull-Piloten auch im weiteren Verlauf des Rennens keine Chance.

2011

Sechs der acht ersten Rennen gewinnt Vettel im Jahr 2011. Doch dann kommt der Juli. In Silverstone versagt die Crew bei einem Boxenstopp und Fernando Alonso profitiert davon. Am Nürburgring rutscht er als Vierter vom Stockerl und belegt erstmals in der Saison nicht die erste oder zweite Position. In Ungarn reicht schließlich erneut die erste Startposition nicht zum Sieg. Bei nassen Bedingungen muss er sich Jenson Button im McLaren geschlagen geben. Besonders kurios: Schon beim nächsten Rennen in Belgien ging die Siegesserie von Vettel weiter.

2012

Im Jahr des Triple-Doubles verläuft die Weltmeisterschaft wesentlich enger. In Silverstone startet Vettel von Platz vier und kämpft sich nach vorne. Mehr als Platz drei ist aber nicht machbar. Mit dem Sieg hat er auch in Hockenheim nichts zu tun. Dabei fährt er eigentlich als Zweiter ins Ziel. Ein genauso mutiges wie illegales Überholmanöver gegen Button wird ihm aber zum Verhängnis. Als er am Briten vorbeigeht, ist er mit allen vier Reifen außerhalb der Strecke. Die Rennkommissare ahndeten dies mit einer 20-Sekunden-Strafe. Das bedeutet am Ende Platz fünf. Eine Woche später reicht es auch in Ungarn nicht für das Podest – Platz vier.

Es gibt also keinen Fluch, Herr Vettel? Beweisen Sie es.

 

Andreas Terler

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