Im Dienste der Tricolore

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Französisches Comeback durch "Tricolore-Trio"

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Eine der stolzesten Motorsport-Nationen ist beim Quasi-Heimspiel endlich wieder zurück in der Startaufstellung: Frankreich.

Mit Romain Grosjean (Lotus), Jean-Eric Vergne (Toro Rosso) und Charles Pic (Marussia) ist die "Grande Nation" in Monte Carlo gleich in dreifacher Ausführung vertreten.

Für alle drei ist es der erste Monaco-GP ihrer Karriere.

Französisches Comeback

"Je mehr Franzosen in der Startaufstellung stehen, desto besser für unser Land", verrät Toro Rossos Vergne gegenüber LAOLA1, der von einem Heimspiel aber nichts wissen will: "Einige Leute meinen, dass Monaco eine Art Ersatz-Heimrennen für die Franzosen ist. Ich habe das nie so gesehen. Es ist nicht mein Heimrennen."

Das Fehlen eines eigenen Rennens ist stellvertretend für den motorsportlichen Niedergang der vierterfolgreichsten Nation der F1-Geschichte: Der letzte Frankreich-GP wurde 2008 ausgetragen, der letzte Sieg eines Franzosen datiert aus 1996 (!) und gelang Olivier Panis. Ausgerechnet in Monte Carlo.

Franzosen sind in der ewigen Bestenliste des Monaco-GP die Nummer zwei: Neun Mal tönte die "Marseillaise" bislang. Nur die britische Hymne erklang im Fürstentum noch öfter. In den letzten beiden Jahren wehte allerdings keine einzige "Tricolore" in der Startaufstellung des Saisonhighlights.

Vergne kämpft mit Qualifyings

Doch Grosjean, Vergne und Pic lassen die Franzosen wieder hoffen. Spezielle Konkurrenz besteht innerhalb des Trios aber nicht: "Wir fahren verschiedene Autos, es gibt also keine besondere Rivalität zwischen uns.  Ich komme mit Romain und Charles gut aus", so Vergne.

Der 22-Jährige kämpft in seinem Rookie-Jahr noch mehr mit sich selbst als mit den Piloten neben ihm. Vor allem in den Qualifyings hat er Probleme, schied bei fünf Versuchen dreimal schon im Q1 aus.

"Es ist sehr schwierig. Es ist die einzige Session, in der du mit richtig wenig Sprit unterwegs bist. Du musst auf den Punkt genau das Maximum herausholen. So etwas kannst du nicht trainieren", erklärt der Franzose.

Kein Gedanke an Red Bull

Dass in Monte Carlo die Qualifikation wichtiger ist, als auf jeder anderen Strecke der Welt, ist dem 22-Jährigen bewusst. Er bleibt dennoch cool: "Vielleicht überlebe ich auch das nächste Q1 nicht, aber ich gehe die ganze Sache ruhig an, damit es langsam besser wird."

In den Rennen konnte sich Vergne dagegen steigern, kam zuletzt vier Mal in Folge vor seinem Teamkollegen Daniel Ricciardo ins Ziel und führt im Head-to-Head nach WM-Punkten mit 4:2.

Dass es in dem Stallduell im B-Team von Dietrich Mateschitz auch um eine mögliche Empfehlung als Webber-Nachfolger bei Red Bull Racing gehen könnte, beschäftigt ihn nicht: "Das ist alles noch so weit weg. Ich komme mit Daniel gut aus."

Hoffen auf Grosjean

War er in Australien und Malaysia noch bestplatzierter Franzose, so lief ihm Lotus-Ass Romain Grosjean in den letzten drei Rennen den Rang ab. Dem 26-Jährigen darf man auch größere Chancen einräumen, der nächste französische GP-Sieger zu werden, sitzt er schon heuer in einem siegfähigen Auto.

"Ich hoffe, dass ich eines Tages meinen ersten Sieg feiern kann, dann mehr und dann den Weltmeistertitel gewinne", gibt sich Grosjean kämpferisch. Auf Monaco freut er sich: "Es werden sicherlich viele französische Fans dort sein und ich freue mich auf deren Unterstützung."

Die Hoffnungen, dass die Franzosen bald wieder ein echtes Heimrennen bekommen, erhielt zuletzt durch den politischen Machtwechsel einen Dämpfer.

Neo-Sportministerin Valerie Fourneyron stieg auf die Bremse des von der Regierung Sarkozy vorangetriebenen Projekts: "Es gibt keine Garantien, dass wir nächstes Jahr einen Grand Prix von Frankreich sehen werden. Wir müssen wissen, ob der Staat eventuelle Defizite auf der finanziellen Seite ausgleichen müsste."

So lange muss Monte Carlo als hochkarätiger „Ersatz“ herhalten.

Michael Höller

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