Toro Rosso: Tost fordert Wintertests im mittleren Osten

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Das Reifenschlamassel in der Formel 1 ist für Franz Tost ein Grund, vor der eigenen Tür zu kehren.

Der österreichische Teamchef von Toro Rosso ist überzeugt, dass man wegen der wenig aussagekräftigen Wintertestfahrten in Südeuropa selbst schuld ist am aktuellen Dilemma.

"Testfahrten im Februar in Europa sind total sinnlos", erklärte der Tiroler vor dem Malaysia-Grand-Prix in Sepang. Tost plädiert, die Tests vor dem Saisonstart künftig im wärmeren arabischen Raum abzuwickeln.

Einzige Verbindung

Die Reifen haben alleine deshalb einen riesigen Effekt, weil sie die einzige Verbindung zwischen Fahrzeug und Fahrbahn sind.

Für viele Teams ist dieser Einfluss aber längst viel zu groß. Denn die Pirelli-Pneus spielen mittlerweile eine überragend wichtige Rolle und drängen die technische und aerodynamische Komponente, für die vor allem Spitzenteams Millionen ausgeben, in den Hintergrund.

Für 2013 hat der italienische Hersteller die vier Reifentypen noch weicher gemacht, um die Dramaturgie weiter zu steigern.

Zu kalte Tests "sinnlos"

Für die Teams wurde der Saisonstart aber zu einer Reise ins Ungewisse, weil bei den kollektiven, aber viel zu kalten Wintertests in Spanien kaum Erkenntnisse über den Gummi gewonnen werden konnten.

Der nicht unbedingt erwartete Sieg von Kimi Räikkönen in Australien wurde vor allem auf kluges Reifenmanagement und die Fahrweise des Finnen denn auf die Stärke seines Lotus zurückgeführt. Im heißen Malaysia flogen manchen Piloten schon im Training die Reifenfetzen um die Ohren.

Tost, seit 2006 Teamchef des Red-Bull-Ausbildungsteams Toro Rosso, hält Februar-Testfahrten im kalten Europa daher für schlichtweg sinnlos. "Wenn man nach Melbourne fährt ohne die neuen Reifenkonstruktionen richtig verstanden zu haben, braucht man sich nicht wundern, wenn im Rennen unvorhergesehen Dinge passieren", hielt der Zillertaler fest.

Wintertests im mittleren Osten nötig

Für ihn sei schon länger klar, dass man im Winter in den arabischen Raum müsse. Das Argument der höheren Kosten und der längeren Anreise lässt er nur bedingt gelten.

"Nach Jerez bist du mit Umsteigen auch einen Tag unterwegs. Und bevor man viele leere Kilometer über den Winter fährt, könnte man einen Test streichen, stattdessen viel effizienter in Bahrain oder Abu Dhabi testen und wirkliche Erkenntnisse erhalten", ist der Österreicher überzeugt.

Das Thema diskutiert Tost mit seinen Teamchef-Kollegen schon länger. Christian Horner (Red Bull), Stefano Domenicali (Ferrari) oder Eric Boullier (Lotus) würden Wintertests im Mittleren Osten ebenfalls begrüßen, ist Tost überzeugt.

2014 "aufschlussreichere Test umso wichtiger"

Und wenn schon die Kosten als Argument aufgetischt werden, dann wären diese mit Blick auf 2014 besonders gerechtfertigt, glaubt Tost.

Denn nächstes Jahr kommen neue und sehr viel kühlungsbedürftigere Autos, neue Antriebsstränge, Turbomotoren und ein doppelt so starkes ERS-System.

"Also sind aufschlussreiche Tests umso wichtiger", ist Tost überzeugt. "Sonst kann es passieren, dass einige die ersten Rennen gar nicht beenden, weil sie wegen Überhitzung stehen bleiben."

Pirelli gesprächsbereit

Ohne Planänderung droht der Formel 1 also Ungemach. Pirellis Motorsportchef Paul Hembery sieht sich bei der Diskussion außen vor, denn im Vorjahr war es nicht viel anders und erst nach sechs bis acht Rennen hatte sich die Situation beruhigt. "Genau so wird es auch heuer sein", war der Brite überzeugt.

Außerdem sei Australien eines der spannendsten Rennen seit Jahren gewesen, betonte Hembery.

"Sollen wir es vielleicht langweiliger machen?", fragte er deshalb, zeigte sich aber auch gesprächsbereit. "Wir stehen der Situation offen gegenüber, sollten wir tatsächlich zu aggressiv oder zu konservativ gehandelt haben."

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