Heimspiel wird zu Trauerspiel

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Trauerspiel für Red Bull bei Heimrennen in Spielberg

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Organisatorisch makellos, sportlich wurde für Red Bull das große Heimspiel in Spielberg aber zum Trauerspiel. Während am Sonntag fast 100.000 Fans die Rückkehr der Formel 1 genossen, verzeichneten die beiden Bullen-Teams beinahe einen Totalausfall.

Beim Weltmeisterteam Red Bull Racing musste man sogar das schlechteste Jahresergebnis 2014 hinnehmen.

Es passte zum ganzen Wochenende. Speziell Sebastian Vettel kam von Beginn weg ebenso nicht auf Touren wie sein RB10. Während am Sonntag auch beide Toro Rosso ausfielen und Daniel Ricciardo zwei Wochen nach seinem Überraschungssieg in Kanada als Achter wenigstens einige Pünktchen einfuhr, kam Vettel zum bereits dritten Mal in diesem Jahr wegen eines Defektes nicht ins Ziel. Diesmal zickte die Elektronik.

Störrische Suzie

Der Vierfach-Weltmeister rollte schon in der zweiten von 71 geplanten Runde ohne Vortrieb aus. Noch ehe aus der Box Hilfe kam, funktionierte das bereits geparkte Auto aber plötzlich wieder. Mit einer Runde Rückstand war für Vettel das Heimrennen freilich schon da gelaufen.

Warum seine "Suzie" plötzlich wieder funktioniert hatte, war auch für den vom Pech verfolgten Titelverteidiger ein Rätsel. "Das Problem hat sich praktisch von selbst behoben", rätselte Vettel über die komplexe Elektronik der aktuellen Autogeneration.

So fuhr Vettel trotzdem recht bald in die Box, um Motor und Kilometer zu sparen. An seinem Auto sind 2014 schon vier unterschiedliche Motoren sowie Turbolader eingesetzt worden, bald droht Vettel deshalb sogar ein Start aus der Boxengasse.

105 Punkte Rückstand

Nach Österreich soll mit Renault Bilanz über deren schwächelnden Antriebsstrang gezogen werden, große Verbesserungsschritte wird es 2014 wegen der "eingefrorenen" Hardware aber wohl nicht geben. Zumindest bessere Haltbarkeit hatte man versprochen. Die Ereignisse vom Sonntag sagten etwas anderes.

Auch Vettel war deshalb klar, dass bei bereits gewaltige 105 Zählern Rückstand auf WM-Leader Nico Rosberg trotz erstmals doppelter Punkte beim Finale eine erfolgreiche Titelverteidigung wohl schon nach acht von 19 Rennen abzuhaken ist.

"Dafür braucht man kein Genie zu sein", so Vettel.

Pechsträhne

Es ist offensichtlich, das Vettel nach der Abkehr von den Autos mit angeblasenem Diffusor mit dem aktuellen Turbo-Hybrid-Gefährt nicht besonders gut zurechtkommt.

Angesichts der schwer zu verstehenden Elektronik-Pannen und der vielen Knöpfe im Auto kamen auch beim Deutschen eigenwillige Gedanken auf. "Da wünscht man sich den guten alten Seilzug zurück."

Wie man nach vier Jahren als überlegenes Team in der Formel 1 so "abstürzen" kann, ist vielfach immer noch ein Rätsel. Auch wenn Red Bulls Direktor Helmut Marko den Motorenpartner Renault als Hauptverantwortlichen ausgemacht hat. So etwas wie derzeit hat offenbar selbst der abgebrühte Grazer noch nicht erlebt. "Wenn einen die Pechsträhne verfolgt, dann scheinbar massiv", gab Marko zu.

Nicht nach Wunsch

Auch dem Grazer ist bewusst, dass die WM-Chancen nun noch deutlicher gesunken sind. "Es gibt deshalb aber noch keine Katastrophenstimmung", blickte Marko noch in Spielberg nach vorne.

Vettel verließ die Strecke, auf der er mit 13 Jahren erstmals in einem Rennauto gesessen war, mit einer bitteren Erkenntnis: "Das war nicht der Grand Prix, den wir uns hier gewünscht hatten."

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