Spielberg: Ausbau ist notwendig

Aufmacherbild
 

Pressezentrum und Tribünen müssen erweitert werden

Aufmacherbild
 

Unbeeindruckt vom bevorstehenden Trubel ist der Mittwoch am Red Bull Ring für die Mitarbeiter ein Tag wie jeder andere.

Und dennoch war beim Lokalaugenschein eine gewisse Aufregung zu spüren. Sorgen, dass dem Formel 1-Comeback in Österreich noch etwas ernsthaft im Weg steht, scheinen sich die wenigsten Angestellten des Projekts Spielberg zu machen.

Immerhin entspricht die Rennstrecke den FIA-Auflagen. Nur Tribünen und das zu kleine Pressezentrum müssten ausgebaut werden, waren sich Mitarbeiter einig.

Pressezentrum bietet zu wenig Platz

Die Räumlichkeiten für Medien bieten bisher lediglich 160 Journalisten Platz, zu wenig für den Ansturm eines Formel 1-Grand Prix. Komfortabel wirken dagegen vier VIP-Lounges direkt über den Boxengassen, entlang der Start-Ziel-Geraden. Sie fassen mit je 200 Quadratmetern bis zu 80 Gäste.

Bereits mehrmals mit Champagner eingeweiht wurde das Siegespodest, das gleich wie die Boxengasse die nötigen Formel 1-Standards erfüllt. Die sogenannte Pit Lane umfasst 28 Boxen, wobei vier für die technische Abnahme reserviert sind. Die übrigen werden auf die Teams aufgeteilt. Noch herrscht in der Boxengasse Leere und "Garagenstimmung".

Gleich neben den Boxen ist auch das medizinische Zentrum, in dem zwei Verletzte zugleich behandelt werden können. Die Ausstattung mit Ultraschall und spezieller Dusche bei Verbrennungen entspricht zwar nicht den sterilen Bedingungen eines Spitals, reicht aber für die Erstversorgung völlig aus.

Tribünen müssen erweitert werden

Da bisher maximal 40.000 Zuschauer pro Tag am Ring erlaubt sind, sind auch entsprechend wenige Tribünen aufgebaut: Die Start-Ziel-Gerade wird von rund 3.100 Sitzplätzen flankiert, die Tribüne neben der Castrol-Kurve bietet 2.000 bis 2.500 Zuschauern Platz.

Die Red Bull-Tribüne an der schnellsten Stelle der Strecke, kurz vor der Remus-Kurve, fasst 14.000 Zuschauer. Samt Stehplätzen immer noch weit zu wenig für die Königsklasse des Motorsports.

Seit dem vorerst letzten Formel-1-Rennen 2003 hat sich die Strecke nicht verändert: Sie ist nach wie vor 4,318 Kilometer lang. Doch das "Drumherum" wurde mit zig Millionen Euro von Red Bull neu gestaltet: Zum Projekt Spielberg gehört nicht nur der Ring, sondern eine Go-Kart-Bahn, eine Strecke für Enduro-Bikes, ein Offroad Track, eine Teststrecke für Allradfahrzeuge sowie das "Driving Center" - etwa mit X-Bows von KTM. Der Fuhrpark des Rings umfasst knapp 50 Fahrzeuge.

Race Control auf FIA-Standards

Komplett neu ist auch das Fahrerlager mit der sogenannten Bulls' Lane, dem Pressezentrum und den VIP-Lounges. In dem Gebäudekomplex ist auch die Rennleitung und -kommission sowie die Zeitnehmung untergebracht. Die sogenannte Race Control verfolgt - ebenfalls nach FIA-Standards - auf 42 Monitoren und mit 26 Kameras das gesamte Renngeschehen.

Kommt die Formel 1 zusätzlich zum bisherigen Programm auf den Red-Bull-Ring, würde dies jedenfalls eine Verdoppelung der jährlichen Bruttowertschöpfung bedeuten, die für 2012 mit 43 Mio. Euro errechnet wurde.

Wert des Projekts würde extrem steigen

"Vorsichtig geschätzt, wobei man noch nicht weiß, wie der Veranstaltungskalender ausschaut", erklärte Florian Schwillinsky vom ICEI (International Central Europe Institute), das im Auftrag des Landes Steiermark das Projekt Spielberg begleitet.

"Die Formel 1 hat eine Ausstrahlung auf die Region, die sich gewaschen hat", formuliert Schwillinsky im Gespräch mit der APA - Austria Presse Agentur am Mittwoch.

Eine 2012 von ihm vorgelegte ökonomisch Studie, die nur die quantitativen Effekte des Projektes berücksichtigte, kam zu dem Ergebnis, dass jeder Förder-Euro 22 Euro an privater Nachfrage stimuliere.

"Imagewert mit Kitzbühel vergleichbar"

13 Mio. Euro könnten an Steuereinnahmen lukriert werden. Direkt am Ring seien 200 Mitarbeiter beschäftigt, in der Tourismus- und Freizeitbranche der Region seien etwa 600 neue Jobs entstanden. "Der internationale Werbewert, der Imagewert, der durch die Formel 1 hinzukäme, ist mit Kitzbühel vergleichbar", so Schwillinsky.

Grundsätzlich positiv bewertete auch der Grazer Volkswirtschaftler Michael Steiner die Rückkehr der Formel 1 auf den Ring. Man dürfe aber die wirtschaftlichen Effekte eines Einmal-Ereignisses nicht überschätzen, sagte er im ORF Radio.

Mit der Eröffnung des Projektes Spielberg 2011 sei, auch wenn es zunächst kleiner als geplant ausgelegt war, ein Impuls gelungen, der sich nun verstärken und als Imagegewinn auf die ganze Saison ausdehnen ließe.

Zum Seitenanfang»
Mehr zum Thema

LAOLA Meins - Tags folgen