Die schlimmsten F1-Unfälle der letzten Jahre

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Maria de Villotas schwerer Test-Unfall schockt die Formel-1-Welt.

Bei "Geradeaus-Tests" auf einem britischen Flugfeld knallte die 32-jährige Spanierin am Dienstag in einen Team-Truck, zog sich schwere Verletzungen am Kopf zu und verlor nach einer stundenlangen Operation ihr rechtes Auge.

Ihr Team Marussia beschreibt den Zustand als "stabil, aber in kritischem Zustand".

Dennoch hatte die Spanierin Schutzengel an Bord. Ihr schrecklicher Unfall hätte wohl auch sofort tödlich ausgehen können.

18 Jahre ohne Todesopfer

Seit 1994 (Roland Ratzenberger und Ayrton Senna) kam in der Formel 1 kein Fahrer mehr zu Tode. Die Königsklasse setzt seither immer neue Sicherheitsstandards.

Diesen ist es auch zu verdanken, dass schwere Crashes in den letzten Jahren zumeist glimpflich ausgingen.

Eine Zusammenfassung der schlimmsten F1-Unfälle der letzten Jahre und deren Folgen:

Robert Kubica (Kanada-GP 2007)

Montreal, Runde 26: Bei der Anfahrt zur Haarnadel touchiert Robert Kubica mit seinem BMW-Sauber die Hinterachse des Toyota von Jarno Trulli. Er kommt auf die Rasenfläche, hebt über eine Bodenwelle ab und knallt mit hoher Geschwindigkeit rechts in die Betonmauer. Kubica wird in seinem Boliden quer über die Strecke geschleudert, überschlägt sich dabei einmal und prallt auf der gegenüberliegenden Seite in die Leitplanken. Das Wrack bleibt seitlich liegen, die TV-Bilder des hängenden Kopfes von Kubica erinnern an den tödlichen Unfall von Roland Ratzenberger in Imola 1994. Kubica kommt mit einer Fußprellung und einer leichten Gehirnerschütterung glimpflich davon. Aus Vorsichtsmaßnahmen lässt er den darauffolgenden US-GP aus, sitzt in Magny Cours aber schon wieder im Auto.

Felipe Massa (Ungarn-GP 2009)

Hungaroring, Q2: Felipe Massa fährt soeben seine letzte Runde vor dem Ende, als ihm bei einem Tempo von etwa 240 km/h eine rund 800 Gramm schwere Stahlfeder, die sich am Brawn-Boliden von Rubens Barrichello gelöst hat, gegen den Kopf knallt. Das Stück schlägt dem Brasilianer das Visier durch und verwundet ihn oberhalb des Auges. Benommen rast Massa mit seinem Ferrari geradeaus in die Streckenbegrenzung. Er wird mit unzähligen Stichen genäht, lange ist unklar, ob die Sehkraft am linken Auge erhalten werden kann. Für den Rest der Saison kann er nicht mehr in seinen Boliden steigen, feiert aber beim ersten Saisonrennen 2010 sein Comeback.

Timo Glock (Japan-GP 2009)

Suzuka, Q2: Timo Glock gerät auf einer schnellen Runde im „Casino Triangle“ mit der linken Seite seines Toyota auf den Grünstreifen, kann die Linie nicht halten und schlägt mit etwa 200 km/h in spitzem Winkel in die Streckenbegrenzung ein. Ein Teil seines Frontflügels bohrt sich dabei in das Monocoque und schneidet dem Deutschen den linken Unterschenkel auf. Glock muss mit 14 Stichen genäht werden und verpasst nicht nur das Rennen in Suzuka, sondern muss auch die restlichen Saisonrennen in Sao Paulo und Abu Dhabi absagen.

Mark Webber (Europa-GP 2010)

Valencia, Runde 9: Mark Webber saugt sich mit seinem Red Bull auf einer Geraden an den Lotus von Heikki Kovalainen an. Kurz vor Kurve 12 setzt der Australier zum Überholen an, denkt dabei aber nicht daran, dass der Finne in seinem schwächeren Boliden früher anbremsen muss. Webber fährt mit seinem linken Vorderrad auf die rechte Hinterachse von Kovalainen auf und wird in die Luft katapultiert. Sein Red Bull landet nach einer 180-Grad Drehung am Überrollbügel und überschlägt sich seitlich wieder auf den Unterboden. Webber knallt mit nur geringem Geschwindigkeitsverlust in die Reifenstapel. Webber bleibt unverletzt und sitzt zwei Wochen später in Silverstone schon wieder in seinem Boliden.

Sergio Perez (Monaco-GP 2011)

Monte Carlo, Q3: Sergio Perez schafft es beim prestigeträchtigsten Rennen der Saison erstmals in den finalen Quali-Abschnitt und darf sich im Kampf um die Pole Position messen. Eine Bodenwelle kurz nach der Tunnelausfahrt wird dem Mexikaner allerdings zum Verhängnis. Er verliert die Hinterachse seines Sauber und knallt rechts in die Leitplanken. Er schlittert an diesen entlang, dreht sich mit seinem Boliden um 90 Grad und knallt mit der rechten Seite in die Begrenzung der Hafenschikane ein. Sofort werden Erinnerungen an Karl Wendlingers Unfall 1994 wach. Perez hat aber mehr Glück: Er verstaucht sich nur den Oberschenkel und zieht sich eine Gehirnerschütterung zu. In Montreal sitzt er bereits wieder im Auto, überlasst dieses aber wegen Übelkeit nach dem 1. Training Pedro de la Rosa. Ab Valencia ist der Mexikaner aber wieder einsatzfähig.

Maria de Villota (Testfahrt 2012)

Flugfeld in Duxford, Test: Maria de Villota sitzt erstmals im Boliden von Marussia um bei einem so gennanten "Geradeaus-Test" einige neue aerodynamische Teile zu testen. Nach einer Installationsrunde fährt sie in die improvisierte Box ein - mit rund 50-60 km/h. Kurz bevor sie zum Stillstand kommt, bekommen die Hinterräder erneut Traktion und de Villota knallt frontal gegen die herunter geklappte Laderampe eines Team-LKWs. Da der Einschlag genau auf Kopfhöhe passiert, wird sie mit schweren Kopf- und Gesischtsverlertzungen in das Krankenhaus in Oxford eingeliefert. Dort operieren die Ärzte die halbe Nacht lang, verlieren aber den Kampf um ihr rechtes Auge. Wie Marussia rund 30 Stunden nach dem Unfall bekanntgibt, sei die Spanierin "in stabilem, aber kritischem" Zustand.

Michael Höller

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