Schatten über Rosbergs Sieg

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Licht und Schatten bei Mercedes: Sieg und Reifenstreit

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Bei seinem Heimsieg ließ sich Nico Rosberg nicht von den vielen Crashes, den daraus resultierenden Safety-Car-Phasen oder dem Neustart nach einer Rennunterbrechung irritieren.

Er krönte sein erfolgreiches Wochenende, an dem er in jedem Training der Schnellste war und die dritte Pole in Folge holte, mit dem zweiten Grand-Prix-Sieg seiner Karriere.

Wie der Vater so der Sohn

Dreißig Jahre nach seinem Vater Keke gelang Nico Rosberg der Sieg im Fürstentum. Damit schaffte er, was Jacques Villeneuve und Damon Hill nicht gelang - den Erfolg des Vaters (Gilles Villeneuve bzw. Graham Hill) in Monaco zu wiederholen.

"Es ist unglaublich, zu Hause zu gewinnen, ich habe mein gesamtes Leben hier verbracht. Der Start war nicht so toll, ich war sehr nah an Sebastian dran. Aber danach lief es gut und die Reifen haben gehalten. Ich möchte mich bei meinem Team bedanken, es gab viele Fortschritte seit Barcelona", freute sich Rosberg.

Kindheitstraum erfüllt

So ganz realisieren konnte der Deutsche seinen Sieg indes noch nicht.

„Damit erfüllt sich für mich ein Kindheitstraum: Es ist absolut fantastisch, in den Straßen, in denen ich aufgewachsen bin, ein Rennen mit einem Silberpfeil zu gewinnen. Ich kann es noch gar nicht richtig fassen und werde sicher einige Zeit benötigen, um es zu verarbeiten“, so der Monaco-Sieger.

Doppelsieg blieb Mercedes verwehrt

Lewis Hamilton blieb 30 Runden lang direkt hinter seinem Teamkollegen und wirkte als eine Art Puffer zwischen dem Mercedes-Boliden und dem Rest des Feldes.

Da er langsamer war als der hinter ihm liegende Sebastian Vettel, konnte er diesen ausbremsen, so dass Rosberg vorne einen kleinen Vorsprung herausfahren konnte.

Als das Safety Car nach Felipe Massas Crash auf die Strecke kam, holte Mercedes erst Rosberg und dann Hamilton an die Box. Dies nutzten die Red-Bull-Piloten Vettel und Webber, um an Hamilton vorbeizufahren.

Vettel gratuliert fair

Damit war das Rennen praktisch entschieden, der deutsche Doppelsieg geriet auch durch den Rennstopp nicht mehr in Gefahr, Hamilton kam auf Rang vier ins Ziel.

„Glückwunsch an Nico - er war hier das gesamte Wochenende über unglaublich gut und verdient diesen Sieg absolut. Ich erwischte leider nicht mein allerbestes Rennwochenende und wir haben heute nicht das Beste aus dieser Gelegenheit auf einen Doppelsieg herausgeholt. Als das Safety Car auf die Strecke fuhr, musste ich etwas Abstand halten, damit wir bei unserem doppelten Boxenstopp nicht aufgehalten würden. Leider war dieser Abstand zu groß und wir verloren zwei Plätze“, kommentierte Hamilton sein Rennen.

Weltmeister Vettel zollte seinem Landsmann nach dem Grand Prix Respekt: „Zuallererst möchte ich Nico gratulieren. Er hatte die Pace und ist mit den Reifen sehr gut zurechtgekommen. Nico hat verdient gewonnen".

Grauzone

Doch über die Freuden des Sieges legte sich ein dunkler Schatten. Kurz vor dem Rennen wurde bekannt, dass Mercedes in der vergangenen Woche auf Wunsch des umstrittenen Formel-1-Reifenherstellers Pirelli geheime Reifentests absolviert hatte.

"Es gibt die Möglichkeit für Pirelli, ein Team auszusuchen und Reifen zu testen. Diese Gelegenheit haben wir ergriffen. Es ging dabei aber um 2014er-Compounds. Wenn jemand protestiert, dann soll er das tun“, erklärte Motorsportchef Toto Wolff vor dem Rennen im "ORF".

Allerdings sind Testfahrten während der Saison verboten. Der Vertrag des Reifenherstellers mit der FIA erlaubt es ihm aber offenbar, Teams um Hilfe zu bitten und mit jedem Team einmal eine Testfahrt von bis zu 1000 Kilometern zu absolvieren.

"Nichts falsch gemacht"

Die Verantwortlichen bei Mercedes sowie Pirelli-Motorsportchef Paul Hembrey betonten, dass die Tests zu 90 Prozent mit den Reifen für das kommende Jahr durchgeführt wurden.

„Mercedes hat nichts falsch gemacht. Sie haben die FIA und alle anderen um Erlaubnis gefragt", sah Aufsichtsratschef Niki Lauda keinen Fehler bei seinem Team.

Auch andere Rennställe seien gefragt worden, Red Bull habe abgelehnt. Teamchef Helmut Marko äußerte sich nach dem Rennen gegenüber „Sky“ mit klaren Worten: „ Wir sind unglücklich über die drei Testtage. Wenn wir drei Tage testen, sind wir eine Sekunde schneller. Das muss geklärt werden. Der Test hat ganz sicher geholfen. Sie haben heute keinerlei Reifenprobleme gehabt.“

Protest

„Das ist eine Farce. Es gibt sportrechtliche Regelungen, die das Testen ganz klar verbieten. Wir erwarten eine Klarstellung, wie es in Zukunft weitergehen soll und dass der Wettbewerbsvorteil, den Mercedes dadurch bekommen hat, in irgendeiner Weise ausgeglichen wird“, fügte Marko hinzu.

Red Bull und Ferrari haben Protest gegen Mercedes eingelegt, auf den Rennstall könnte möglicherweise eine Strafe zukommen.

Nach einer dreistündigen Untersuchung stand am Sonntagabend zumindest fest, dass Rosberg seinen Sieg behalten wird und das Resultat offiziell ist.

Weitere Untersuchungen

Die Untersuchungen zum kontroversen Reifen-Test werden jedoch weitergehen.

„Nach der Anhörung und dem Sammeln von Informationen werden die Stewards ein Schreiben an die FIA senden, die diese Angelegenheit vor das FIA International Tribunal bringen könnte“, hieß es in einem offiziellen Statement.

Derweil gibt die FIA in einem Schreiben an, nicht ordnungsgemäß über die Tests informiert worden zu sein. Der Monaco-Grand-Prix wird demnach für Mercedes noch ein Nachspiel haben.

 

Henriette Werner

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