Monaco: Nur ein Stopp?

Aufmacherbild
 

Ein-Stopp-Strategie in Monaco möglich?

Aufmacherbild
 

Das sechste Saisonrennen der Formel 1-WM 2012 kann am Pfingstsonntag (14 Uhr)  in Monaco einen Allzeit-Rekord und schon wieder einen neuen WM-Führenden bringen.

Das ist bezeichnend für den bisher so turbulenten Saisonverlauf. Gleichgeblieben ist eines: Der Glamour-Grand-Prix im Fürstentum an der Cote d'Azur ist jener, den alle Fahrer am liebsten gewinnen möchten.

Vor allem die neuen Pirelli-Reifen haben das erste Saisonviertel zu einem Roulette gemacht. Jenson Button (Australien), Fernando Alonso (Malaysia), Nico Rosberg (China), Sebastian Vettel (Bahrain) und zuletzt Pastor Maldonado (Barcelona) hießen die Sieger.

Kommt am Sonntag ein sechster neuer Gewinner hinzu, wäre das Rekord in der 63-jährigen Geschichte der Königsklasse.

Nicht alle Teams glücklich

Und die Chancen dafür stehen nicht schlecht. Mit Kalibern wie Lewis Hamilton, Kimi Räikkönen, Michael Schumacher oder Mark Webber stellt sich eine illustre Schar aus Ex-Weltmeistern und GP-Siegern an, um Jubiläums-Sieger des 70. Monaco-Grand-Prix zu werden.

Allerdings gehörten die Schlagzeilen zuletzt den Mittelständlern. Vor allem Williams mit Maldonado und Sauber mit Sergio Perez stellten die im Vorjahr durch die Red-Bull-Dominanz noch so einseitige Szene auf den Kopf.

Dass die Reifen speziell gefertigt wurden, um exakt diese neue Situation herbeizuführen, geht einigen arrivierten Teams bereits ziemlich auf den Nerv.

Pirelli verteidigt sich

Pirelli sei die Situation etwas entglitten, heißt es hinter vorgehaltener Hand, doch bei den Italienern wehrt man sich. "Wir machen das, worum man uns bittet", betonte Pirelli-Motorsportchef Paul Hembery.

So wurde angeregt, für den letzten Qualifikationsabschnitt zusätzliche Reifen zu produzieren. Zuletzt hatten immer wieder Teams auf die Teilnahme am Q3 und damit eine womöglich bessere Startposition verzichtet, um sich einen renntaktischen Vorteil zu sichern.

Damit sehen die Fans aber am Samstag einige Teams im Kampf um die Pole gar nicht mehr.

Pole Position halbe Miete

In den winkeligen Gassen des Fürstentums, wo Überholen fast unmöglich ist, ist die Startposition allerdings so wichtig wie nirgendwo sonst. In den vergangenen zehn Jahren fuhr der spätere Monaco-Sieger siebenmal aus der Pole Positon los, zuletzt geschah dass dreimal in Folge.

Im Vorjahr gelang dies Vettel, der mit den erstaunlich haltbaren Supersofts seine Führung bis ins Ziel verteidigte. Die weichste Gummimischung wird in Monaco erstmals in diesem Jahr aufgezogen. Es ist der einzige Reifen, der gegenüber dem Vorjahr fast unverändert blieb.

Zudem entfällt beim langsamsten und kürzesten Rennen des Jahres die starke aerodynamische Belastung für den Reifen, der hier über die besonders steil gestellten Flügel eher mechanischen Grip aufbaut.

Nur ein Boxenstopp?

Hembery kann sich deshalb sogar Einstopp-Strategen vorstellen. Damit könnte das "Reifen-Roulette" ausgerechnet im Spielerparadies an der Cote d'Azur zumindest kurzfristig zum Stehen kommen.

Das Weltmeister-Team Red Bull hat die vergangenen zwei Monaco-Auflagen gewonnen, man ist bei den Österreichern derzeit aber nach wie vor etwas "ratlos", wohin die jahrelange Dominanz verschwunden ist.

Zwar führt das Mateschitz-Team nach 5 von 20 Läufen in der Konstrukteurs-WM und liegt Doppel-Weltmeister Vettel zusammen mit Alonso mit je 61 Punkten in Front - wie schon in Barcelona stand man aber auch nach dem ersten Monaco-Training mehr vor Rätseln als vor Lösungen.

"Rennvorhersage unmöglich"

Monaco ist allerdings auch ein Fahrerkurs, die 78 Runden und tausend Kurven erfordern rund 4.000 Schaltvorgänge. Darauf setzt u.a. Hamilton. Der Brite hat in Monaco noch nie die Pole geschafft und liegt nur acht Zähler hinter dem Führungsduo, obwohl er in diesem Jahr noch nicht gewonnen hat.

Sein Sieg beim für viele wichtigsten Rennen des Jahres wäre der 16. Monaco-Triumph für McLaren und ein Rekord. Womöglich beeinflusst aber der einzig unbeeinflussbare Faktor den Rennausgang am meisten.

Ab Samstag ist mit Regenschauern zu rechnen, das wäre "Gift" für die sensiblen PS-Raketen und eine weitere Chance für Außenseiter. Barcelona-Sensationsmann Maldonado gilt zudem als Stadtkurs-Spezialist.

Maldonados "Mentor" Alex Wurz traut dem Venezolaner auch in Monaco einiges zu. "Schön, dass er zu den Mitfavoriten zählt. Es wird aber wieder auf die Tagesverfassung ankommen, Zehntel werden extrem viel ausmachen", ist der Österreicher überzeugt. "Eine Rennvorhersage ist, wie im Roulette, unmöglich."

Zum Seitenanfang»
Mehr zum Thema

LAOLA Meins - Tags folgen