Formel 1 bekommt Wut zu spüren

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Wütende Proteste gegen Bahrain-GP

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Die Formel 1 hat kurz vor dem umstrittenen Bahrain-Rennen die Wut der Protestbewegung des Landes zu spüren bekommen.

Vier Mechaniker des Force-India-Teams gehörten auf ihrem Rückweg von der Strecke mit ihrem Leihauto zu den auf der Autobahn gestoppten Fahrzeugen, weil in Sichtweite ein Molotow-Cocktail explodiert war.

Verletzt wurde niemand, ein Mitarbeiter des Teams trat aber aus Sorge um seine Sicherheit nach dem Vorfall vorzeitig die Heimreise an.

Der Zorn der Regime-Kritiker über das Festhalten der Formel 1 an ihrem Bahrain-Gastspiel ist ungebrochen.

Proteste nehmen kein Ende

"Wir protestieren, um der Formel 1 unseren Ärger zu zeigen, dass sie das Rennen hier veranstalten", sagte Menschenrechtler Nabeel Rajab vom "Bahrainischen Zentrum für Menschenrechte" der britischen Zeitung "Daily Telegraph".

Am Mittwochabend protestierten Hunderte in den schiitischen Dörfern am Rande der Hauptstadt Manama, die Behörden haben die Sicherheitsvorkehrungen verschärft.

Die Gegner des Königshauses in Bahrain fürchten, das Rennen werde zu politischen Zwecken instrumentalisiert.

"Die Formel 1 repräsentiere diese Diktatoren"

"Die Leute meinen, die Formel 1 repräsentiere diese Diktatoren", erklärte Rajab. Am Mittwochabend hatten Demonstranten in Manama gegen eine Ausstellung anlässlich des Rennens protestiert, Sicherheitskräfte waren vehement eingeschritten.

"Wir können keine völlige Sicherheit garantieren. Ich wäre ein Narr, so etwas zu sagen", erklärte Bahrains britischer Polizei-Berater John Yates dem "Guardian".

Für Reporter ohne Grenzen ist Bahrain einer der gefährlichsten Orte für Journalisten weltweit. Lokale Online-Aktivisten, Journalisten und vor allem Fotografen würden bei Demonstrationen systematisch bedroht und angegriffen.

König von Bahrain, ein Feind der Pressefreiheit

"Viele wurden festgenommen und von Militärgerichten zu Haftstrafen verurteilt. In Gefängnissen ist Folter weit verbreitet", urteilte Reporter ohne Grenzen in einem Offenen Brief. Der König von Bahrain zähle zu den Feinden der Pressefreiheit.

Rund um den Bahrain International Circuit war indes am Donnerstag nichts von der gespannten Lage zu spüren. Den Weg zur Strecke säumten Werbeplakate für den Grand Prix mit fröhlichen Motiven. Die Polizei hielt sich deutlich im Hintergrund.

Als Fürsprecher schickten die Organisatoren einen einst führenden Oppositionellen ins Medienzentrum, der den internationalen Journalisten versicherte, die Mehrheit der Bahrainis sei "glücklich" über die Rückkehr der Formel 1.

 Zweifel an "toleranten Gesellschaft"

"Der Auftritt der Formel 1 wird die Stimmung ändern. Die Formel 1 ist nicht der Grund für die Proteste", sagte Jasim Husain. Der Ökonom war bis zu den blutigen Unruhen im Vorjahr Repräsentant der stärksten Oppositionsgruppe im Golfstaat, danach war er von seinem Amt zurückgetreten.

"Natürlich gibt es Proteste. Die gab es vorher und die wird es auch nach dem Rennen geben", gab Husain zu, betonte aber: "Wir sind eine tolerante Gesellschaft."

Genau dies bezweifeln Menschenrechtsgruppen wie Amnesty International, die von Folter und schwerer Gewalt gegen die Protestbewegung berichten.

"Ich vertraue der FIA!"

Die Organisation "Reporter ohne Grenzen" protestierte mit einer Petition "gegen die Verfolgung regimekritischer Journalisten" in Bahrain.

Im Fahrerlager fanden diese Stimmen indes kaum Widerhall. "Ich vertraue der FIA, dass sie alle Informationen hat. Also müssen wir ihrer Einschätzung vertrauen", sagte McLaren-Pilot Jenson Button.

Und sein deutscher Kollege Nico Hülkenberg ließ wissen: "Allzu viel darum kümmern können wir uns nicht. Und etwas ändern können wir sowieso nicht."

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