Bahrain-GP: Heftig umstritten, politisch brisant

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Der "Arabische Frühling" hat im vergangenen Jahr auch Bahrain erfasst. Allerdings wurde der Protest gegen den sunnitischen König Hamad Bin Issa al-Khalifa blutig niedergeschlagen.

Der Konflikt dauert bis heute an. Obwohl die Bevölkerung des Golf-Königreichs mehrheitlich (knapp 70 Prozent) schiitisch ist, wird das Land seit Jahrhunderten von einer sunnitischen Dynastie beherrscht. Die Schiiten klagen über vielfältige Benachteiligungen im Alltag.

Immer wieder kommt es zu Protesten, Verletzen und vereinzelt auch zu Toten. Dennoch soll am Sonntag in der Wüste bei Sakhir die Formel 1 fahren. Von Menschenrechtlern hagelt es heftige Kritik, von reiner Geldmache ist die Rede.

Aufruf zum Formel-1-Boykott

Human Rights Watch verurteilte die Entscheidung des Automobilsport-Weltverbandes (FIA); Reporter ohne Grenzen (RSF) startete aufgrund der anhaltenden Menschenrechtsverletzungen in Bahrain eine Kampagne zum Boykott des Grand Prix.

Im vergangenen Jahr war das Rennen wegen der heftigen politischen Unruhen, bei denen Dutzende Menschen starben, abgesagt worden. Doch heuer lehnte FIA eine Rennabsage energisch ab.

Bernie Ecclestone verteidigte die Entscheidung, Politik und Sport dürften nicht miteinander vermischt werden. Doppel-Weltmeister Sebastian Vettel kommentierte die Situation in Bahrain gelassen: "Ich sehe kein besonders großes Sicherheitsrisiko. Wir haben schon Leute dort, die aufbauen. Die Strecke liegt im Niemandsland, deshalb ist man dort relativ sicher."

Teil des Geschäfts

Für die einzelnen Teams würde eine Nicht-Teilnahme erhebliche finanzielle Einbußen bedeuten. Der Geschäftsführer des Bahrain International Circuit versuchte ebenfalls, die Öffentlichkeit zu beruhigen.

"Ich denke, es wird nichts Dramatisches passieren", sagte Zayed Al Zayani. "Ich habe keinen Zweifel, dass die Formel 1 kein Angriffsziel ist, weder die Teams noch die Medien."

Der Präsident des Bahrainischen Zentrums für Menschenrechte hatte die geplante Durchführung dagegen auf das Schärfste kritisiert. "Dieses Rennen ist eine Schande", sagte Nabil Rajab der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung".

"Die Formel 1 steht damit für einen Sport, der Diktatoren und repressive Regime unterstützt", so Rajab. Es könne auch am Grand-Prix-Wochenende Demonstrationen geben, "aber die Protestbewegung wird nicht gezielt Leute angehen, die hier zur Formel 1 sind. Da wird nichts passieren", sagte er.

Wöchentlich Todesfälle

Am Sonntag demonstrierten bereits Hunderte von Menschen im Golfstaat gegen die Regierung, nachdem die schiitische Opposition zu einem verstärkten Protest anlässlich des Grand Prix aufgerufen hatte.

In einer Erklärung kündigte die wichtigste schiitische Oppositionsbewegung, Al-Wefaq (Al-Wefak), eine "Woche der Konfrontation und Herausforderung" bis zum Grand Prix an, den man allerdings nicht direkt stören wollte.

Die Jugendgruppe der "Revolution vom 14. Februar" rief jedoch zu "drei Tage des Zorns" von Freitag bis Sonntag auf, um die Abhaltung des Rennens zu behindern.

Erst am Wochenende war bei Protesten von Schiiten ein Jugendlicher laut Opposition angeschossen und schwer verletzt worden. Es habe noch weitere Verletzte gegeben, als Sicherheitskräfte nahe der Hauptstadt Manama mit Schüssen und Tränengas gegen die Demonstranten vorgingen.

Gewalt herrscht seit einem Jahr

Die Demonstranten sollten laut Augenzeugen daran gehindert werden, am Begräbnis eines getöteten Jugendlichen teilzunehmen. Er war erschossen worden, als er in einem Dorf eine Kundgebung der Opposition filmte.

Mitte Februar 2011 hatten die Proteste gegen das Herrscherhaus begonnen. Einen Monat später wurden sie mit Hilfe saudi-arabischer Truppen niedergeschlagen, Dutzende Menschen starben.

Nach Angaben von Amnesty International wurden 2.500 Menschen willkürlich festgenommen. 180 Protestteilnehmer wurden in fragwürdigen Schnellverfahren zum Tod oder zu langen Gefängnisstrafen verurteilt.

Politische Machtinteressen

Begonnen hatten die Proteste in Bahrain mit der Forderung nach einer Umwandlung des Staates in eine konstitutionelle Monarchie. Das würde bedeuteten: An die Stelle des aktuellen Systems, in dem König Hamad die Regierung ernennt und alle wichtigen Entscheidungen trifft, träte eine Regierung, die von der Parlamentsmehrheit gebildet wird.

Der König hätte dann, ähnlich wie in europäischen Monarchien, vor allem repräsentative Aufgaben. Das würde jedoch für das Herrscherhaus einen enormen Machtverlust bedeuten, was nicht nur die Familie Al-Khalifa ablehnt, sondern auch die anderen arabischen Golfherrscher nicht wollen.

Besonders das benachbarte Königreich Saudi-Arabien befürchtete, dass der Funken der Rebellion von Bahrain auf die Schiiten in der saudischen Ost-Provinz überspringen könnte. Dort liegen die größten bekannten Öl-Vorkommen der Welt.

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