Nico Rosberg hadert: "Das war verrückt"

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Der Technik-Teufel ist anscheinend ein Freund der Spannung.

22 Zähler lag Nico Rosberg vor dem Grand Prix von Singapur in der Fahrer-WM in Führung. Danach liegt er drei Punkte hinter Lewis Hamilton.

Während der Brite seinen siebenten Saisonerfolg zelebrierte, schied der Wiesbadener aufgrund eines Defekts aus.

Ein gebrochenes Kabel in der Steuereinheit war schuld daran, dass der Deutsche nur die Gänge durchschalten konnte. Alle anderen Kontakte zwischen der Technik und dem Lenkrad fielen aus.

Das Drama begann schon am Weg in die Startaufstellung, als Rosberg die Probleme am Lenkrad feststellte. Als die Aufwärmrunde dann ohne ihn stattfand, blieb ihm nur der Start aus der Box.

Plötzlich ging nichts mehr

„Bevor ich ins Auto gestiegen bin, haben sie es fünfmal angelassen und alle Checks gemacht – da war noch alles okay. Als ich dann ins Auto steige, funktioniert es nicht mehr. Das war verrückt“, konnte sich Rosberg sein Pech nicht erklären.

Nach 13 Runden wollte das Team mit einem unplanmäßigen Boxenstopp den Fehler beheben. Zu diesem Zeitpunkt hatte Rosberg schon grobe Probleme mit der Bremsbalance und die Schaltwippen übersprangen bei Betätigung einen Gang.

„Ich hatte keinen Pitlimiter und konnte nicht einmal auf neutral schalten. Sie wollten mich aufbocken, ich gebe Gas und sie lassen mich wieder runter. Wir haben dann entschieden, dass es zu gefährlich war“, schilderte Rosberg das vorzeitige Ende seines Rennens.

Wolff hat Angst vor grauen Haaren

Mercedes nahm die Schuld umgehend auf sich. „Es tut mir unglaublich leid, dass wir Nico kein besseres Auto geben konnten“, entschuldigte sich Teamchef Toto Wolff und wusste im ersten Moment auch nicht genau, warum wieder einmal ein technisches Gebrechen vorlag.

„Das Kabel war noch nicht am Ende seiner Laufzeit, hätte also noch nicht gewechselt werden müssen. Wir betreiben einen riesigen Aufwand bei der Qualitätskontrolle, aber in letzter Zeit häufen sich solche ärgerlichen Fehler“, so der Wiener, der schon ahnt, welche Auswirkungen der knappe WM-Stand auf die kommenden Rennen haben wird: „Mir werden wohl wieder mehr graue Haare wachsen“.

Die bekam am Sonntag zwischenzeitlich auch Hamilton. Eine Safety-Car-Phase durchkreuzte die Strategiepläne des Weltmeisters von 2008, nach seinem Stopp fiel er kurz hinter Sebastian Vettel, kam dann aber mit frischen Reifen schnell wieder am Weltmeister vorbei.

Hamilton hört auf das Team

Als ihn die Crew trotz mehrmaliger Nachfragen nicht an die Box holen wollte, machte sich Nervosität breit. „Ich sah schon ungewöhnliche Linien auf meinen Pneus, hatte mehr durchdrehende Räder als üblich. Ich dachte wirklich: Meine Reifen sind hinüber“, schilderte Hamilton, der letztlich auf das Team hörte.

Und er tat gut daran. Vettel hatte gegen den überlegenen Mercedes keine Chance.

Bei all der Freude über seinen Sieg gab sich Hamilton auch als Teamplayer. „Es ist kein perfektes Ergebnis, denn Nico kam ja nicht ins Ziel. Und wir streben immer an, beide Autos über die Distanz zu bringen und dann einen Doppelsieg einzufahren“, sagte der 29-Jährige.

„Jetzt geht es ans Eingemachte“

Er weiß aber ganz genau: Hatte er nach dem Sieg in Monza schon das Momentum auf seiner Seite, ist jetzt auch die WM-Führung sein. „Die zusätzlichen Punkte helfen natürlich immens. Und das ist ein gutes Gefühl“, gab er zu.

Im Kampf um den Titel besitzt Hamilton einen vermeintlichen Vorteil. Er weiß im Gegensatz zu Rosberg, wie es ist, Weltmeister zu werden. "In gewisser Weise fühlt es sich so an, als würde ich wieder um meinen ersten WM-Titel kämpfen. Wahrscheinlich liegt das daran, dass es schon so lange her ist", will er sich selbst nicht in der Favoritenrolle sehen.

Für die entscheidenden Rennen sieht er sich jedenfalls gerüstet: "Jetzt geht es ans Eingemachte. Aber das mag ich. Mein Vater hat mir schon zu Kartzeiten gesagt: Lass deine Leistung auf der Strecke für dich sprechen. Genau das habe ich vor."

 

Andreas Terler

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