Hamilton mit Willen und Instinkt zum Monza-Momentum

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Vor dem Rennwochenende in Italien musste sich Nico Rosberg einiges anhören – zu sehr sorgte der teaminterne Crash mit Lewis Hamilton in Spa noch für Aufregung.

Er ließ sich aber nichts anmerken.

Ausführlich beantwortete der WM-Leader alle Fragen, während sich sein noch immer sauer wirkender Rivale wortkarg und ausweichend gab.

Hochspannung dann am Sonntag vor der ersten Schikane. Beide wollten vorne sein. Rosberg gelang es schließlich, weil Hamilton ein ungewöhnliches Problem hatte.

Probleme beim Start

"Wenn du stoppst, suchst du deinen Schleifpunkt, wählst einen Gang und beschleunigst ein bisschen. Dann lässt du die Kupplung los und erwischt einen perfekten Start – aber das hat nicht funktioniert", erklärte der Brite seinen miserablen Start, bei dem er aber nur auf Platz vier zurückfiel.

Sein deutscher Teamkollege konnte sich sofort mit ein paar Sekunden Vorsprung absetzen. Doch dann passierte ihm ein Fehler gleich zwei Mal an der selben Stelle am Ende der Start-und-Ziel-Gerade.

Statt durch die Schikane ging es aufgrund von Verbremsern geradeaus. "Das ist eigentlich nicht Nico-like", war Teamchef Toto Wolff erstaunt.

Rosberg zeigt Nerven

Auftauchenden Gerüchten, wonach die Crew den Deutschen dazu angehalten habe, sich zu verbremsen, um einen kleinen Ausgleich für die Aktion in Spa zu schaffen, schiebt der Wiener aber den Riegel vor.

Es gehe um die WM und Rosberg habe vorallem unter massivem Druck von Hamilton gestanden, meinte Wolff.

Der Titelfight, er ist längst zur Kopfsache geworden. Gelang es Rosberg bis zum Sonntag sehr gut, mit der Anspannung fertig zu werden, brachte ein wild entschlossener Hamilton den Deutschen aus dem Konzept.

Zuletzt wurde Rosbergs Ruhe noch als möglicher Trumpf im Duell um die Weltmeisterschaft ausgemacht. In Monza hielt Hamilton mit der vollen Portion Willen dagegen. Und mit Instinkt.

Rennfahrer-Instinkt entscheidend

Denn wäre es nach seinem Renningenieur Peter Bonnington gegangen, hätte sich Hamilton zurückfallen lassen und gegen Ende des Rennens seine Chance suchen sollen.

"Aus Erfahrung weiß ich, dass das nicht der Weg nach vorne ist, daher wählte ich einen anderen Weg. Während des vorherigen Stints fiel mir auf, dass es auf alten Reifen schwierig war, Nico zu folgen. Also wusste ich, dass ich die beste Chance zu Beginn des zweiten Stints sein würde - und ich habe sie ergriffen", setzte der Fahrer seinen Willen durch. Und wurde belohnt.

"Lewis kam sehr schnell von hinten, also musste ich die Pace erhöhen und habe einfach einen Fehler gemacht. Das ist natürlich sehr enttäuschend", musste Rosberg, der nun noch 22 Punkte Vorsprung auf seinen Teamkollegen hat, einräumen. Das ist zwar weniger als ein Sieg, aber immer noch ganz okay, findet der Wiesbadener.

Lauda sieht keinen psychologischen Rückschlag

"Es gibt bestimmt Schlimmeres. Ich habe sieben Punkte auf Lewis verloren, mit dieser Erkenntnis gehe ich aus dem Rennen", schloss er sein Resümee ab.

Dass er durch die für ihn ungewöhnlichen Fehler einen psychologischen Rückschlag erlitten habe, glaubt Niki Lauda nicht. "Man gewinnt die WM auch wenn man das eine oder andere Mal Zweiter wird", machte sich der Motorsportberater von Mercedes keine Sorgen um Rosberg.

Die Zeit der zweiten Plätze soll für Hamilton wiederum vorbei sein. Mit seinem Sieg in Monza hoffte er, das entscheidende Momentum nun auf seine Seite gebracht zu haben.

"Ich will mit der gleichen Einstellung in die restlichen Rennen gehen wie an diesem Wochenende. Es geht einfach darum, jedes der restlichen Rennen zu gewinnen", ist seine vorgegebene Marschrichtung unmissverständlich.

 

Andreas Terler

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