Die Geschichte dreier Sieger

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Der Grand Prix von Ungarn 2014 - ein Nachmittag der Taktik, des Kampfes und der ganz großen Emotionen.

Am Samstag wurde am Hungaroring noch im Geheimen darüber diskutiert, wie man die Show in der Formel 1 verbessern kann. Am Sonntag gaben 22 Herren und elf Teams die beste Antwort.

Wetterkapriolen, spektakuläre Unfälle (ohne gesundheitliche Folgen), knallhartes Racing und lauter strahlende Gesichter am Podium sorgten für den spektakulärsten Grand Prix dieses Jahres.

Daniel Ricciardo, Fernando Alonso und Lewis Hamilton werden ihn bestimmt nicht vergessen. Aus den unterschiedlichsten Gründen.

RICCIARDOS RENNEN: Vom Fast-Aus zum Triumph

Beinahe wäre der Australier in diesem Rennen voller Highlights zur Randnotiz geworden. Zwischendurch war nämlich nicht nur das Podium, sondern auch ein Punkterang weit entfernt. "Ich hatte eine Schrecksekunde in der Mitte des Rennens. Ein paar Runden lang hatten wir ein paar Probleme und es fehlte uns an Leistung, daher musste ich ein bisschen wild an den Knöpfen spielen", erklärte der 25-Jährige nach seinem zweiten Sieg.

Überhaupt war das Rennen des Strahlemanns wie eine Berg- und Talfahrt. Profitierte er von der ersten Safety-Car-Phase, warf ihn die zweite wieder um ein paar Positionen nach hinten. Strategisch lag die Red-Bull-Crew am Ende aber goldrichtig. Ricciardo hatte im Kampf um den Sieg die frischesten Gummis am Auto - und damit die besten Argumente in den Duellen mit Alonso und Hamilton.

"Die letzten Runden hatte ich wirklich viel Spaß und die Duelle mit Lewis und Fernando waren einfach der Wahnsinn", schilderte Ricciardo, der beim entscheidenden Manöver gegen Alonso nicht viel Zeit zum Überlegen hatte: "Ich wusste, dass ich schnell was unternehmen musste, denn wir waren bereits in den letzten drei Runden. DRS war die einzige Chance, und die habe ich zum Glück genutzt."

Für die Sommerpause hat sich der Red-Bull-Pilot nun vor allem eines vorgenommen: Ausgelassen feiern. "Heute Nacht werde ich bestimmt feiern, aber ich denke eher, dass die Party ein paar Tage andauern wird. Danach werde ich natürlich meine Pause genießen und dann will ich auch auf die starke erste Saisonhälfte natürlich aufbauen", kündigte der Sensations-Sieger an.

ALONSOS RENNEN: Kampf bis zum Umfallen

"Es gibt keine Worte für dieses Rennen", funkte Ingenieur Andrea Stella nach dem Zieleinlauf von Alonso ins Auto des Asturiers. Der heroische Kampf des zweifachen Weltmeisters mit einem alles andere als leicht zu fahrenden Auto wäre beinahe mit dem Sieg belohnt worden, am Ende fühlte sich aber auch Platz zwei wie ein großer Triumph an - schließlich handelte es sich um sein bestes Saisonergebnis.

"Es war ein hartes Wochenende und generell eine harte Saison. Wir haben heute etwas riskiert und versucht, uns den Sieg zu holen. Wir brauchen so verrückte Rennen, um erfolgreich zu sein", schätzte ein glücklicher Alonso das Ergebnis realistisch ein. Doch ihm war anzusehen, dass einiges an Druck, der in den letzten Wochen bei der Scuderia immer größer zu werden schien, von ihm abfiel.

Auch der Routinier war lange nicht auf Podiumskurs. "Beim ersten Safety-Car war ich in der letzten Kurve und habe daher die Boxeneinfahrt verpasst. Dadurch haben mich Ricciardo und Massa überholt", so der 32-Jährige. Doch weil die Dienste von Bernd Mayländer noch ein zweites Mal benötigt wurden, bekam Alonso seine Chance. "Beim letzten Safety-Car sah ich, dass Ricciardo und Massa in die Box gingen. Wir sind draußen geblieben, weil wir die Möglichkeit sahen, das Rennen anzuführen und von der Spitze zu kontrollieren", erklärte er die entscheidende Phase seines Rennens.

Der Plan ging auf. Das sah auch ein stolzer Teamchef Marco Mattiacci, dem die Euphorie ins Gesicht geschrieben stand. "Es war Glücksspiel, aber es hat sich ausgezahlt. Wir hätten Erster sein können und wir wurden letztlich Zweiter. Das zeigt, dass wir Eier haben." Selbst Niki Lauda, der zuletzt den Ferrari noch als "Scheißauto" bezeichnet hatte, zog seine Kappe vor der Leistung der Scuderia. "Alonso und Ferrari haben heute gezeigt, was sie können. Wenn man mich direkt fragt, dann war Ferrari heute besser als Mercedes", meinte der Wiener.

HAMILTONS RENNEN: "Ich bin für mich gefahren, nicht für Nico"

Richtig zufrieden ist Hamilton nur, wenn er ganz oben am Podium steht. Aber auch über einen dritten Platz kann der 29-Jährige strahlen, weil er, wie schon in Deutschland, vom Ende des Feldes ins Rennen ging.

Dabei sah sein Rennen zu Beginn wie die Fortsetzung eines bösen Alptraums aus. Gleich in Runde eins drehte sich der Mercedes von der Strecke. "Die Bremsen waren sehr, sehr kalt, blockierten und ich verlor das Auto. Anschließend konnte ich aber Schadensbegrenzung betreiben", so Hamilton. Und diese Schadensbegrenzung verlief mehr als spektakulär.

"Sich durch das Feld zu kämpfen, ist eines der besten Gefühle, die man überhaupt erleben kann. Ganz besonders, wenn man ein Auto hat, mit dem man es schaffen kann", genoss der Brite seine Fahrt. Zwischendurch wurde es aber unangenehm. Als Nico Rosberg in der Mitte des Rennens mit schnelleren Soft-Pneus auf seinen WM-Rivalen auflief, kam es zu mehreren spannungsgeladenen Funksprüchen.

Hamilton bekam gesagt, dass er seinen Teamkollegen doch vorbeilassen sollte. Doch der Weltmeister von 2008 kam dieser Aufforderung nicht nach. Während Rosberg nach dem Rennen nicht viele Worte über die Aktion verlieren wollte, nahm sich Hamilton kein Blatt vor den Mund: "Ich war sehr schockiert, dass mich das Team darum gebeten hat. Er kam nicht nah genug heran, um zu überholen, also bleibe ich doch nicht stehen und verliere Zeit auf Ricciardo und Alonso. Das war schon seltsam", meinte er kopfschüttelnd, um am Ende klarzustellen: "Letztendlich bin ich für mich selbst gefahren und nicht für ihn." Der WM-Entscheidung kann so eine Mentalität nur gut tun.

 

Andreas Terler

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