„Kann nicht glauben, dass das schon wieder passiert“

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Es war ein kurzer Auftritt.

Lewis Hamilton musste seinen Mercedes im Qualifying zum Großen Preis von Ungarn bereits in Runde eins abstellen.

"Jungs, ich habe Feuer gefangen", funkte der 29-Jährige an sein Team, das den Briten sofort aufforderte, das Auto abzustellen. Leichter gesagt als getan.

"Ich kann es nicht anhalten“, sagte Hamilton, ehe er den qualmenden Boliden nach einigen Minuten in der Boxeneinfahrt zum Stehen brachte.

"Das hat nichts mit Pech zu tun“

Für den WM-Zweiten war es der Schlusspunkt des nächsten katastrophalen Qualifyings.

"Ich kann nicht glauben, dass das schon wieder passiert“, sagte ein sichtlich geknickter Hamilton. "Ich denke, das hat nichts mehr mit Pech zu tun - das ist etwas anderes.“

Ähnlich sah es auch der ehemalige Formel-1-Pilot David Coulthard. "Lewis macht nichts falsch. Das liegt einfach an den Renngöttern.“

In diesem Fall waren es weniger die Renngötter, sondern vielmehr ein Benzinleck, das den Ausfall verursachte. Die Folgen: Motor und Getriebe mussten getauscht werden. Start aus der Boxengasse.

Qualifying-Pechsträhne

Der Weltmeister von 2008 wurde in letzter Zeit nicht vom Glück verfolgt. Bereits zum vierten Mal in Folge hatte er im Qualifying mit Problemen zu kämpfen.

Schon das Zeittraining beim Grand Prix von Österreich auf dem Red-Bull-Ring verlief nicht nach Wunsch. Im ersten Anlauf überfuhr Hamilton die Streckenbegrenzung, woraufhin die Rundenzeit gestrichen wurde. Den zweiten Run musste der Brite beenden, nachdem das Heck seines Mercedes ausbrach. Alles in allem kam er nicht über Startplatz neun hinaus.

Auch das Qualifying für Hamiltons Heim-Grand-Prix in Silverstone war alles andere als ideal. Dem 29-Jährigen unterlief auf regennasser Strecke ein Fehler, woraufhin er seine letzte Runde abbrechen und die Pole Position Nico Rosberg überlassen musste.  

Bereits in Runde eins endete für den Briten das Zeittraining für den Großen Preis von Deutschland. Hamilton landete in der Mauer, nachdem eine Bremsscheibe am Auto explodierte. Zudem musste das Team das Getriebe am Boliden auswechseln – Startplatz 20.

"Er hätte die Pole geholt“

Nun muss Hamilton das Feld wieder von ganz hinten in Angriff nehmen.

"Er war klar der schnellste Mann. Er hätte die Pole geholt und das Rennen gewonnen“, versicherte Niki Lauda.

Für den Rennsieg bedarf es nun einer Aufholjagd - es wäre nicht Hamiltons erste. Trotz der Qualifying-Probleme beendete der Mercedes-Pilot die letzten drei Rennen auf dem Podest.

Auf dem Red-Bull-Ring landete der 29-Jährige auf Platz zwei, in Silverstone stand der Brite am Ende sogar ganz oben und in Hockenheim schaffte er den Sprung von Startplatz 20 auf Rang drei.

Podestplatz "unrealistisch“

Auf dem Hungaroring wird sich die Aufholjagd wohl schwieriger gestalten.

"Das ist keine Strecke, auf der man gut nach vorne fahren kann. Es ist sehr unwahrscheinlich, dass ich von ganz hinten bis aufs Podest fahre. Ich kann von Glück reden, wenn ich unter die ersten Zehn fahren kann“, gab sich Hamilton realistisch.

Mercedes-Motorsport-Chef Toto Wolff hatte die Hoffnung auf einen Spitzenplatz dennoch nicht aufgegeben. "Ich würde Lewis alles zutrauen, auch ein Podium. Er wird sicher eine gute Leistung bringen. Vielleicht erleben wir ja die nächste Lewis-Hamilton-Show."

Der Unglücks-Rabe selbst machte ebenfalls gute Miene zum bösen Spiel. "Ich muss jetzt einfach versuchen, das im Rennen in etwas Positives umzuwandeln. Es muss einfach besser laufen.“

"Lewis ist sensibel“

Insgeheim wirkte Hamilton beim Verlassen der Strecke unmittelbar nach dem Qualifying aber geknickt. Der Brite sagte alle geplanten Medientermine ab – bezeichnend für seine derzeitige Gemütslage. "Lewis ist unheimlich sensibel“, merkte Toto Wolff an.

Die Situation in der Weltmeisterschaft trägt nicht unbedingt zur Verbesserung von Hamiltons Stimmung bei. Vor dem Rennen in Ungarn beträgt der Rückstand auf seinen Teamkollegen Nico Rosberg, der erneut von der Pole startet, 14 Punkte.

"Ich werde wahrscheinlich mit mehr als 20 Punkten Rückstand auf Nico von hier abreisen, aber noch sind einige Rennen zu fahren. Ich weiß nicht, was ich sonst noch sagen soll, außer, dass ich mein Bestes geben werde“, sagte Hamilton.

Das Beste geben, Plätze gut machen und die WM damit offen halten – das wäre sowohl Hamilton als auch der Formel 1 zu wünschen.

 

Daniela Kulovits

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