Lauda: "Aus Mercedes-Sicht nicht richtig"

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Es war ein Rennen der Kontroversen, voller Spannung und Teamtaktiken - der Große Preis von Malaysia.

Teaminterne Uneinigkeit herrschte am Sonntag allerdings nicht nur bei den siegreichen "Bullen" (Eiszeit zwischen Webber und Vettel) - auch bei Mercedes gab es nach dem Rennen einiges zu besprechen.

Demnach war die Stimmung bei den stärksten Teams des Renntages nicht die beste, obwohl für Mercedes Platz drei und vier heraussprangen - was das beste Resultat (27 Punkte) seit dem Wiedereinstieg als Team in die Formel 1 (2010) bedeutete.

Stallorder befolgt

Doch das gute Ergebnis hatte einen faden Beigeschmack: Nico Rosberg forderte während des Rennens von seinem Team, ihn an Hamilton vorbeizulassen.

Teamchef Ross Brawn bat ihn stattdessen, eine Lücke auf Hamilton zu lassen und diesen nicht zu überholen, da "die Autos nach Hause gebracht" werden sollen und es "nichts zu gewinnen" gäbe.

Somit bekam der Deutsche während des Rennens klar und deutlich gesagt, seinen auf Platz drei fahrenden Kollegen Hamilton nicht zu überholen, um das gute Ergebnis abzusichern.

"Nicht richtig"

Nach dem GP äußerten Motorsportdirektor Toto Wolff und Aufsichtsratsmitglied Niki Lauda ihre sehr unterschiedlichen Ansichten über diese Anweisung.

Niki Lauda nahm wie immer kein Blatt vor den Mund:  "Bei uns war es der Fall, dass Lewis zu viel Sprit verbraucht hat. Ross [Brawn] hat ihm dann gesagt, er solle Sprit sparen, aber gleichzeitig Nico angewiesen, Lewis nicht zu attackieren. Warum das so war, können nur Toto oder Ross sagen. Das war aus Mercedes-Sicht nicht richtig."

"Hätte sie gegeneinander fahren lassen"

Toto Wolff hingegen erklärte: "Das waren Teamprinzipien. Aus Fahrersicht kann man das natürlich anders sehen. Aber wenn wir das verloren hätten, wären wir die Deppen gewesen. Wir sind doch einer Meinung, Niki?"

"Nein, sind wir nicht", konterte Lauda. "Ich hätte sie gegeneinander fahren lassen. Wir müssen nun mit Ross bereden, ob wir das jetzt immer so machen."

"Wenn beide Autos stranden, sieht es ganz unglücklich aus und das wollte Ross vermeiden. Aus Teamsicht war das alles okay", sagte wiederum Wolff.

Brawn in der Kritik

Interessant wird sein, was "Mastermind" Ross Brawn über die zukünftige Strategie denkt.

Wolff versuchte, zu vermitteln: "Wir dürfen uns das Rennen nicht schlecht reden. Zuallererst sind wir sehr happy. Das war der Call des Team Principals (Brawn, Anmerk.). Aus Fahrersicht kann man es natürlich anders sehen."

"Richtige Entscheidungen"

Brawns Aussagen klangen indes nicht so, als ob er seine Order bereute: "Dieses Wochenende stellt für unser Team einen weiteren Schritt auf dem richtigen Weg dar. Wir hatten heute ein gutes Auto und das Team hat die richtigen strategischen Entscheidungen getroffen“.

„Der Spritverbrauch war während des Rennens höher als erwartet. Deswegen mussten wir gegen Rennende einige Maßnahmen ergreifen, um sicherzustellen, dass beide Autos die Zielflagge sehen würden", erklärte er seine Taktik.

"Wir wiesen Lewis und Nico an, ihre Positionen zu halten und beide Fahrer haben das respektiert. Natürlich war das hart für Nico und ich verstehe seine Enttäuschung.“

Nicht glücklich auf dem Stockerl

Lewis Hamilton wirkte bei seinem 50. Podestplatz in der Formel 1 und dem ersten für Mercedes - ebenso wie Vettel und Webber – nicht gerade glücklich und entschuldigte sich bei seinem Freund und Teamkollegen.

"Es ist nicht das tollste Gefühl, hier oben zu stehen. Aber so ist der Rennsport und ich muss jetzt nach vorne schauen", sagte der ehemalige Weltmeister.

"Das Team hat einen tollen Job gemacht und es ist klasse, dass ich das Team auf dem Podium vertreten darf. Eigentlich sollte Nico an meiner Stelle stehen, denn er war heute etwas schneller", gab Hamilton nach dem Rennen zu.

Rosberg verständnisvoll

Rosberg hingegen, der sich mit Platz vier zufrieden geben musste, reagierte sehr professionell und stellte lieber heraus, dass es ein sehr gutes Ergebnis für sein leidgeprüftes Team sei.

"Es ist ein wichtiger Tag für uns, das ist sicher. Wir hatten eine schwierige Zeit in den letzten Jahren und auch in Melbourne. Also sind Platz drei und vier ein Meilenstein. Es war ein richtiger Aufwärtstrend, ein Hammergefühl."

Fair Play

Naturgemäß konnte er seine Enttäuschung nicht ganz verbergen, verkniff sich aber jeglichen bösen Kommentar. "Ich bin enttäuscht. Das Auto lief richtig gut, es war noch mehr Speed drin. Ich werde lieber Dritter als Vierter. Natürlich respektiere ich aber die Teamentscheidung. Es ist total verständlich, auf der anderen Seite hätte ich es auch so gemacht."

Dabei hoffte er, dass sich das Team in Zukunft ähnlich fair verhalten wird. "Ich habe heute Fair Play gemacht und hoffe, dass sich das Team daran erinnert", spielt er auf seinen Boxenfunk-Kommentar („Daran werdet ihr euch erinnern.“) während des Rennens an.

"Heute war es wichtig, das Risiko zu minimieren. Wenn es für uns besser läuft, ist ein Zweikampf drin", schloss Rosberg mit dem Rennen ab. "In ein paar Stunden wird es sicherlich ein positives Fazit geben."

Ohne Nachzudenken

Abseits des Konfliktes gibt es bei Mercedes noch eine weitere Sache zu besprechen: Lewis Hamilton leistete sich einen Fauxpas, der wohl so einigen Zuschauer und auch seine Freundin Nicole Scherzinger zum Schmunzeln brachte.

Rein aus alter Gewohnheit stoppte er bei seinem Ex-Team McLaren und nicht bei Mercedes.

„Ich habe einen auf Jenson (Button) gemacht, ihm ist das auch vor einigen Jahren passiert”, so Hamilton, der gar nicht genau wusste, was ihm da unterlaufen war.

"Ich bin jahrelang zu McLaren an die Box gefahren, heute habe ich es falsch gemacht. Ich entschuldige mich bei meinem Team", versuchte der 28-Jährige das Malheur, das ihn drei Sekunden kostete, zu erklären.

 

Henriette Werner

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