Keine Ruhe nach Mercedes-Urteil in Sicht

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Die Hoffnungen von Mercedes, dass sich mit dem Urteil vom Freitag die Reifentest-Affäre erledigt hat, bekommen schon den ersten Dämpfer.

Ausgerechnet Ferrari, selbst schon zu Testzwecken unterwegs, legt gehörig nach. Auch im Land der Scuderia herrscht Unverständnis.

"Wir haben gelernt, dass selbst wenn man schuldig ist - und in diesem Fall ist das ein unbestreitbarer und verifizierter Fakt -, einen Weg gibt, sich so gut wie möglich durchzuwurschteln", schrieb der für seine bissigen Kolumnen berüchtigte, sogenannte Pferdeflüsterer - angelehnt an das Cavalo Rampante, das springende Pferd im Ferrari-Wappen.

Es mache einen etwas perplex zu sehen, wie die schuldige Partei praktisch ungeschoren davonkomme, nachdem man sich einen "unfairen sportlichen Vorteil" verschafft habe.

"Witz-Urteil" und "lächerliche Strafe"

Die unabhängigen Richter hatten in der Tat Verstöße gegen den Test-Paragrafen 22 des Sport-Regelwerks und 151 des Internationalen Sport-Codes festgestellt.

Das Internationale Tribunal rechnete dem deutschen Rennstall in seinem Urteil am Freitag aber an, dass er in guter Absicht gehandelt habe.

Nachdem sich die Silberpfeile auch zweimal vorab bei Formel-1-Rennleiter Charlie Whiting über die Rechtmäßigkeit informiert hatten, wurden sie lediglich verwarnt und vom nächsten Nachwuchsfahrer-Test im kommenden Monat verbannt.

"Ein Witz-Urteil", befand die italienische "La Gazzetta dello Sport" (Samstag). "Mercedes ist schuldig gesprochen - die Strafe aber ist lächerlich", meinte "Corriere dello Sport".

Wolff: "Urteil angemessen"

Das findet Mercedes nicht. "Das Internationale Tribunal hat seine Aufgabe erfüllt, eine faire und transparente Anhörung abzuhalten. Das Urteil ist meines Erachtens angemessen, das Gericht ist ja weitestgehend dem Vorschlag unseres Anwalts gefolgt", sagte der österreichische Motorsportchef des deutschen Autobauers, Toto Wolff, in einem dpa-Interview.

In solchen juristischen Auseinandersetzungen gebe es "ja kein Schwarz oder Weiß. Es ging um die Auslegung sportrechtlicher Regularien in Fällen der Kommunikation und Transparenz".

Die FIA selbst hatte in der siebenstündigen Verhandlung in Paris festgestellt, Mercedes nie eine offizielle Erlaubnis für die Testfahrten vom 15. bis 17. Mai auf dem Circuit de Catalunya gegeben zu haben.

Ferrari drehte ebenfalls Extra-Runden

Kein Grünes Licht, dafür aber nur die Gelbe Karte. So sehen es manche Rivalen. Auch der österreichisch-englische Rennstall Red Bull. Der Teamchef des Weltmeister-Bolliden, Christian Horner, sprach ebenfalls bereits von einem milden Urteil.

Der Pferdeflüsterer von Ferrari fragte spöttisch: "Und was wäre, wenn der ganze Vorfall nach dem Young-Driver-Test stattgefunden hätte. Was wäre dann die Bestrafung gewesen? Wäre ihnen dann verboten worden, Ende des Jahres am Dinner teilzunehmen?"

Dass Ferrari selbst auch schon in diesem - wie auch im vergangenen Jahr - Extrarunden drehte, ließ der "Horse Whisperer" nicht unerwähnt.

Er wies aber daraufhin, dass die Scuderia mit einem 2011er Modell gefahren sei, Mercedes mit dem aktuellen Rennwagen. Und das ist verboten.

Wenn man mit einem mindestens zwei Jahre alten Auto fahre, könne man fahren, wo man wolle, mit jedem Fahrer, so angezogen wie man wolle, meinte der Ferrari-Kolumnist auf der Homepage des Rennstalls in Anspielung auf die neutralen schwarzen Helme, die Nico Rosberg und Lewis Hamilton bei den insgesamt 1.000 Kilometern getragen hatten.

Keine Ruhe in Sicht

Klar ist: Die Hoffnung von Mercedes auf Ruhe in dem Reifenstreit dürfte weiter kaum erfüllt werden.

Schon am kommenden Wochenende kommt es zum Wiedersehen aller Beteiligten beim Großen Preis von Großbritannien - nicht weit weg von der Formel-1-Schmiede der Silberpfeile in Brackley.

Eine Woche später steht das Heimrennen für das deutsche Team an. "Wir wollen jetzt noch härter an der Performance arbeiten und uns auf Silverstone und den Nürburgring vorbereiten", sagte Wolff und setzte darauf, dass der Rennstall gestärkt aus der schwierigen Zeit hervorgeht.

Wohl nicht nur, um die sportlichen Attacken der Konkurrenten abwehren zu können.

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