Hamilton: "Wir sind Freunde, bla bla bla"

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Bei Mercedes herrscht derzeit alles - nur keine Ruhe.

Nach dem verhängnisvollen Zusammenstoß zwischen Lewis Hamilton und Nico Rosberg beim Grand Prix von Belgien in Spa samt einiger spannungs- und emotionsgeladener Aussagen danach versuchen die Silberpfeile nun, wieder eine Ordnung im Rennstall herzustellen.

Doch das ist gar nicht so einfach.

Erste Maßnahmen lassen erahnen, wie ernst die Lage beim heuer überlegenen Konstrukteur ist. Vor allem die Wortspenden von Hamilton, der seine Sicht der Dinge beim Fahrer-Debriefing vor versammelter Journalistenschar öffentlich machte, sorgen offensichtlich für Unmut bei seinem Arbeitgeber.

Keine Vertrags-Gespräche mit Hamilton und anderen Fahrern

Die Gespräche mit dem 29-Jährigen über eine vorzeitige Verlängerung seines bis Ende 2015 laufenden Vertrages wurden nun bis auf Weiteres ausgesetzt. Darauf haben sich Fahrer und Team einvernehmlich geeinigt.

Prinzipiell scheinen beide Parteien an einer Fortsetzung der Zusammenarbeit interessiert zu sein, bevor die teaminternen Probleme aber nicht geklärt seien und der Fokus wieder ganz klar auf dem Titelkampf liege, gäbe es zu diesem Thema keinen Redebedarf.

Gleichzeitig einigte man sich darauf, dass weder Mercedes mit einem anderen Fahrer, noch Hamilton mit einem anderen Team sprechen wird. Kurz gesagt: Man drückt die Pause-Taste.

Wolff: "Deshalb vertrauen wir uns gegenseitig"

"Zu diesem Zeitpunkt sind die Dinge sehr intensiv und man muss sich auf die Saison konzentrieren. Aber eine Sache ist sicher: Wir werden mit niemandem sprechen, bevor wir keine klare Situation haben, wie wir mit Lewis weiterarbeiten werden", hält Motorsportchef Toto Wolff fest.

Der Wiener legt viel Wert darauf, dass sich beide Seiten fair verhalten: "Das ist, was wir vereinbart haben. Dass wir kein Interesse daran haben, jedwede Gespräche mit irgendeinem anderen Fahrer abzuhalten und Lewis keine Gespräche mit irgendeinem anderen Team führt. Deshalb vertrauen wir uns gegenseitig."

Vertrauen ist ein gutes Stichwort. In der Beziehung Hamilton-Rosberg scheint nämlich der letzte Funken davon erloschen zu sein.

Hamilton über Verhältnis zu Rosberg: "Jetzt ist das anders"

Wie man es zuletzt von ihm gewohnt war, wählt der Brite gegenüber dem Boulevardblatt "Sun" deftige Worte: "Ich weiß nicht, wie ich das nächste Rennen angehen soll. Wenn du auf der Rennstrecke bist, musst du darauf vertrauen können, dass Leute ihr Gehirn benutzen und Dinge nicht absichtlich machen." 

Auch die Zeit der Freundschaftsbekundungen ist vorbei. Nach dem Quali-Manöver von Rosberg in Monaco, als der Deutsche eine Gelbphase auslöste und damit Hamilton um eine schnelle Runde brachte, postete der Social-Media-affine Lewis ein Foto der beiden aus früheren Tagen und schrieb: "Wir haben miteinander gesprochen. Wir sind cool und immer noch Freunde."

Heute klingt das völlig anders. "Das wird aufgebauscht. Wir sind Freunde, bla bla bla. Früher hatten wir unglaublich viel Spaß, damals in der Kartzeit. Jetzt ist das anders", sagt Hamilton.

So deutet alles auf einen heißen Herbst hin - mit Beginn in Monza ab 5. September.

Erste Aussprache soll am Freitag folgen

Wird es dort auch eine Rache des WM-Zweiten geben? "Was auch immer passiert, bei mir ist das Team an erster Stelle. Ich werde nichts in meine eigenen Hände nehmen", gibt sich Hamilton ganz friedlich.

Wie glaubwürdig das ist, werden wir sehen. Der psychologische Vorteil liegt auf jeden Fall bei Rosberg. Er hat ja auch im Juli seinen Vertrag um mehrere Jahre verlängert.

Ob das Team in den Zwist auf der Strecke Einfluss nehmen wird, ist indes offen. Am Freitag soll es im Werk in Brackley zu einer ersten - und vermutlich nicht letzten - Aussprache kommen.

Davor hat Mercedes sogar seine Fans via "Twitter" gefragt, wie die Strategie aussehen soll. Wenig verwunderlich fiel der Anteil jener Anhänger, die sich eine Stallorder wünschen, gering aus. Es waren acht Prozent.

 

 

Andreas Terler

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