Marko: "Alles völlig im Sinne des Gesetzes"

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Bleibt bei Red Bull Racing alles besser?

Der Dominator der letzten Formel-1-Saison ist für alle Experten auch heuer der große Gejagte der Königsklasse.

Bei den Testfahrten schockte man die Konkurrenz zuletzt in Barcelona, als man am vorletzen Tag nach beinahe 4.000 Test-Kilometern ein fast komplett neues Auto auf die Strecke schickte.

Motorsportkonsulent Dr. Helmut Marko ließ am Montag bei "Sport und Talk im Hangar-7" auf ServusTV mit Kampfansagen aufhorchen, die der Konkurrenz schlaflose Nächte bereiten dürften.

RB8-Geheimnis enthüllt

"Das, was wir in Barcelona gebracht haben, war eine zu 90 Prozent neue Karosserieführung", erklärte der Grazer mit einem verschmitzten Lächeln im Gesicht.

"Der Clou an der Sache ist, dass wir die Auspuffgase mittels einer Führung in der Karosserie zum Diffusor leiten. Damit gewinnen wir einen Teil des Abtriebs wieder, den wir durch das Verbot den 'blown Diffusor' verloren haben", verriet Marko vollmundig das Geheimrezept des neuen RB8.

Wie dieses System genau aussieht, dürfte nicht einmal die Konkurrenz wissen. Zu penibel wurde das Heck des Red Bull in Barcelona von den Mechanikern vor spionierenden Blicken und blitzenden Fotoapparaten geschützt.

"Das ist unsere Lüftung"

Die neue Auspuff-Konstruktion dürfte aber nicht die einzige Geheimwaffe sein. Über ein weiteres Detail des RB8 (über das kein Konkurrenz-Auto verfügt) wird seit Beginn der Tests gerätselt: Am Nasen-Höcker des RBR-Boliden befindet sich ein Lufteinlass.

"Das ist unsere Lüftung. Wir schauen ja auf unsere Fahrer und wollen, dass sie sich im Auto wohl fühlen", scherzte Marko bei "Sport und Talk" mit einem Augenzwinkern in Richtung der Konkurrenz.

Die Pit-Stop-Zeiten sollen im Rahmen der Tests auf neue Höchstweze gesteigert worden sein: "Wir haben geübt und unsere beste Zeit war 2,4 Sekunden."

Bluff bei den Testfahrten

Bis Melbourne wird sich beim F1-Primus zudem noch einiges tun. "Die Erkenntnisse von all den Tests werden jetzt verarbeitet und in Melbourne werden wir erneut mit wesentlich veränderten Teilen kommen."

Den Testzeiten der vergangenen Woche maß Marko keine besondere Bedeutung zu: "Wir sind mit einer gewissen Benzinmenge gefahren. Unserer Ansicht nach gab es nur wenige bis gar keine Teams, die mit so hohen Mengen gefahren sind. Und die Leute, die dort Bestzeiten gefahren sind, werden in Melbourne nicht mal in den Top-10 sein."

Der österreichische Rennstall hat also noch lange nicht alle Karten aufgedeckt. Wer soll Red Bull Racing da noch das Wasser reichen?

McLaren und Mercedes auf der Rechnung

Marko hat vor allem McLaren auf dem Zettel: "Ich würde die Hackordnung so sehen: Wir sind leicht vorne, mit McLaren dahinter. Mercedes kann man noch nicht genau beurteilen, die dürften aber nicht weit weg sein. Ferrari ist doch etwas abgeschlagen. Ich glaube nicht, dass sie derzeit in der Lage sind, auf das Podest zu fahren."

Mercedes könnte für den Grazer aber vor allem in den Qualifying zu einem ernsthaften Konkurrenten werden: "Mercedes hat stark aufgeholt! Denen ist ein gewiefter Schachzug gelungen: Mit der Betätigung des DRS (verstellbarer Heckflügel, Anm.) wird eine Art F-Duct-Funktion (führt zu höherer Geschwindigkeit auf Geraden, Anm.) aktiviert. Das ist DIE Innovation. Bis Melbourne können wir das leider nicht mehr nachbauen."

Grüßt die jährliche Technik-Debatte?

Neue Technik-Streitigkeiten scheinen jetzt schon vorprogrammiert. Vor allem, da das politische Schwergewicht Ferrari - auch nach eigenen Aussagen - den Anschluss an die Spitze zu verlieren droht.

Marko ist aber von der Legalität der "Wunderwaffe RB8" überzeugt. "Unsere Techniker schauen natürlich, wie sie das Reglement möglichst optimal zu unserem Nutzen auslegen können. Da kommt es immer wieder zu Diskussionen und Konfrontationen. Aber bis dato ist alles, was wir gebracht haben, völlig im Sinne des Gesetzes", ist sich der promovierte Jurist sicher.

Michael Höller

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