Krönung eines Unterschätzten

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Maldonado: Paydriver-Image endgültig abgestreift

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Wer vor dem GP-Wochenende in Barcelona auf einen Sieg von Pastor Maldonado gewettet hätte, hätte viel Geld damit verdienen können.

Am Sonntag Nachmittag war es aber Gewissheit: Der 27-Jährige ist der 104. Pilot in der Formel-1-Geschichte, der einen Siegerpokal mit nach Hause nehmen darf.

Ein völlig verdienter erster Platz, der nicht durch Zufall zustande kam, sondern aus der Kombination eines tollen Qualifyings, eines fehlerfreien Rennens und einer goldrichtigen Strategie.

Sein Sieg war der wohl größte und zugleich verdienteste Underdog-Erfolg seit Sebastian Vettel 2008 in Monza in einem Toro Rosso seinen ersten Triumph einfuhr.

Den Stempel abgelegt

"Wir haben seit letztem Jahr so hart gearbeitet, um Rennen für Rennen besser zu werden. Jetzt sind wir endlich hier", meinte der erste venezolanische GP-Sieger bei der offiziellen Pressekonferenz nach dem Rennen.

Bei seinem F1-Einstieg war Maldonado noch als "Paydriver" verschrien, hatte er doch im Winter 2010/11 den um zwei Jahre jüngeren Nico Hülkenberg ersetzt, der noch dazu wenige Wochen zuvor mit einer Sensations-Pole in Sao Paulo für das einzige Williams-Glanzlicht in einer schwachen Saison gesorgt hatte.

Dass man Maldonado mit diesem Stempel Unrecht tat, hätte eigentlich schon damals ein Blick in seinen motorsportlichen Lebenslauf zeigen müssen.

Erster GP2-Sieg in Monaco

Immerhin kam er als amtierender GP2-Champion in die Königsklasse - so wie die mit weit höherem Ansehen in die F1 gestarteten Nico Rosberg oder Lewis Hamilton. In seiner Meister-Saison ließ er unter anderem Sergio Perez, Romain Grosjean oder Charles Pic hinter sich.

2003 wagte er den Sprung in die europäischen Junior-Serien, gewann in seinem zweiten Jahr die italienische Formel Renault 2.0. 2005 folgten erste F1-Testfahrten für Minardi, 2006 der Sprung in die "World Series by Renault" (Gesamt-Dritter) und im Jahr darauf der Aufstieg in die GP2.

In dieser verdiente er sich vier Jahre lang seine Sporen. Schon am dritten Rennwochenende konnte er dort auftrumpfen: Ausgerechnet im F1-Mekka Monte Carlo holte er sich seinen ersten GP2-Sieg.

Stärke durch Härte

Neun weitere Triumphe sollten bis Ende 2010 folgen. Alleine in der Meister-Saison blieb er sechs Hauptrennen (die GP2 fährt an jedem Rennwochenende ein Hauptrennen und einen Sprint, der weniger Punkte gibt) in Folge ungeschlagen.

Allerdings machte er sich auch immer wieder Feinde auf der Strecke durch seine ungestüme Art. So duellierte er sich etwa 2008 in Spa-Francorchamps mit seinem damaligen Teamkollegen Andreas Zuber an der Grenze der sportlichen Fairness.

Im selben Jahr räumte er Kamui Kobayashi in der letzten Runde des Regenrennens in Silverstone ab. Auch mit Schwarzen Flaggen (etwa am Hungaroring 2010) machte er in der Nachwuchsserie Bekanntschaft.

Kein Millimeter wird hergeschenkt

In der Formel 1 unterstrich er sein Heißsporn-Image. Etwa in Spa-Francorchamps, als er sich mit Lewis Hamilton sowohl im Qualifying, als auch im Rennen anlegte.

Dass er seine Positionen gerne hart verteidigt, zeigte sich auch am Start in Barcelona. Dort ließ er dem vorbeiziehenden Fernando Alonso die vorgeschriebene Wagenbreite Platz, aber auch keinen Millimeter mehr.

Nichtsdestotrotz wäre sein F1-Aufstieg im Winter 2010/11 ohne finazielle Unterstützung durch sein Heimatland wohl nicht so einfach geglückt.

Geld aus Venezuela

Gefördert wird er von der venezolanischen Regierung unter Hugo Chavez. Der Schriftzug „Venezuela“ prangte im Vorjahr von Anzügen und Boliden. Mit PDVSA ist der staatliche Ölkonzern auch heuer wieder prominent auf dem Heckflügel und der Motorabdeckung vertreten.

Insider sprechen von bis zu 30 Millionen US-Dollar pro Jahr, die dank Maldonado ins Williams-Budget fließen.

Auf diese Unterstützugn vergaß er nach seinem ersten Sieg freilich nicht: "Ich bin sehr stolz und freue mich auch für mein Land. Das ist ein sehr wichtiger Sieg für uns. Ich habe in der Heimat viele Fans, die hinter mir stehen und die Formel 1 beobachten und jetzt gewinne ich tatsächlich."

Williams-Unserie beendet

Viel wichtiger war der Sieg aber für seinen Rennstall. "Junge, Junge - wir haben diesen Sieg so nötig gebraucht, wie man sich das nur vorstellen kann", sagte ein sichtlich erleichterter Teamchef Frank Williams der BBC.

Für Williams geht damit die längste Durststrecke der Team-Geschichte zu Ende: Seit Juan-Pablo Montoyas Triumph in Sao Paulo 2004 vergingen exakt 130 Rennen, in denen der Sieg stets an andere Rennställe ging.

Ob sich Williams und Maldonado nun an Erfolge gewöhnen können? "Wir müssen aber so weitermachen und schnellstmöglich weiterentwickeln, denn in dieser Meisterschaft wird die Konstanz das Wichtigste sein."

Immerhin geht es nun nach Monte Carlo. Maldonado konnte dort in der GP2 zwei Siege und zwei zweite Plätze einfahren. Die Strecke liegt ihm. Und wer kann in der verrückten F1-Saison schon voraussagen, was passieren wird.

Michael Höller

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