„Er hat gesagt, dass er es absichtlich gemacht hat“

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Alles begann mit einer Aussprache.

Am Donnerstag sollten bei Mercedes jene Unklarheiten aus dem Weg geschafft werden, die es in der Sommerpause nach dem Rennen in Ungarn gab.

Am Hungaroring widersetzte sich Lewis Hamilton der Aufforderung seines Renningenieurs und ließ Nico Rosberg, der auf einer anderen Strategie unterwegs war, nicht vorbei. Hamilton wurde Dritter, Rosberg Vierter.

Beide wollten nicht viele Worte über dieses klärende Gespräch verlieren, wurden aber natürlich dazu in der Fahrer-Pressekonferenz vor dem Wochenende in den Ardennen befragt.

Der WM-Leader war um Beschwichtigung bemüht, man merkte ihm aber an, dass ihn die Sache nicht kalt ließ.

Emotionen gehen hoch

„Natürlich habe ich einige Dinge aus dem Rennen mitgenommen und werde künftig dementsprechend handeln. Es gab ein paar Turbulenzen in den Medien. Da wäre es wenig sinnvoll, wenn ich das weiter anheizen würde. Es ist besser, wenn dieses Thema mal abkühlt“, ließ der Wiesbadener wissen.

Das Gegenteil ist nun der Fall.

Rosberg hat nicht nur gewisse Dinge mitgenommen, er scheint sich in Belgien einfach revanchiert und damit den „Krieg der Sterne“ erst so richtig entfacht zu haben.

Schon unmittelbar nach dem Grand Prix war absehbar, dass Rosberg Ärger ins Haus steht. „Es war ein nicht akzeptables Rennen von Nico. Es kann nicht sein, dass unsere Fahrer schon in der zweiten Runde zusammenkrachen“, fehlten Motorsportchef Toto Wolff vor Wut fast die Worte.

Rosberg wollte etwas beweisen

Auch dem Vorstandsvorsitzenden Niki Lauda stand die schlechte Laune ins Gesicht geschrieben. „Lewis ist vorne und Nico ist ihm hinten reingefahren. Er hätte vom Gas gehen und ihm die Kurve überlassen müssen. Ganz einfach!  Es war der Fehler von Nico, das hat mit Lewis überhaupt nichts zu tun“, fauchte der Wiener.

Die Schuldfrage war aufseiten des Teams also schnell geklärt. Nach den ersten Statements gab es bei Mercedes ein Meeting, das aber erst so richtig für Zündstoff sorgen sollte.

„Er hat im Wesentlichen gesagt, dass er es absichtlich gemacht hat und er es hätte vermeiden können. Er sagte auch, dass er es gemacht hat, um mir etwas zu beweisen“, sagte Hamilton.

Andere Anwesende würden diese Aussage auch bestätigen können. „Ihr müsst mir nicht glauben, ihr könnt aber auch Toto, Paddy und all die anderen fragen, die sauer auf ihn sind“, so der 29-Jährige, der seinen Ohren nicht trauen konnte.

"Weitere Meetings werden nötig sein"

„Ich war baff, als ich seine Aussagen hörte. Aber er muss selbst erklären, was er damit genau meinte. Zunächst hat er auch noch gemeint, es wäre mein Fehler gewesen“, konnte Hamilton seinen Teamkollegen, der die Vorfälle in Ungarn offensichtlich noch nicht verdaut hatte, nicht verstehen.

Rosberg gab sein Statement zur Krisensitzung via „Facebook“ ab. „Ich bedaure, dass wir uns berührt haben, aber ich sehe es als Rennunfall, so wie es auch die Stewards getan haben. Wir haben uns dann schnell zusammengesetzt, aber es werden einige weitere Meetings nötig sein, um solche Rennen wie heute zu vermeiden“, schrieb er an seine Fans.

Mit anderen Worten: Die Lage ist ernst. Und Mercedes gefordert. Zuvor hatte Rosberg in einer ersten Emotion auch noch jene Fans kritisiert, die ihn bei der Siegerehrung gnadenlos ausgebuht hatten.

Wolff zieht Teamorder in Betracht

„Das sind britische Fans, deshalb verstehe ich, warum sie buhen. Aber sie sollten sich vorbereiten, bevor sie sich so eine Meinung bilden. Zum Beispiel, indem sie das Regulativ lesen und die Verhaltensregeln zwischen den Fahrern verstehen“, meinte der vierfache Saisonsieger und machte sich damit wohl kaum Freunde.

Keine Freunde, sondern einen guten Rat kann nun die Teamführung gebrauchen. Besonders die Qualitäten von Toto Wolff sind jetzt gefragt, nachdem das Worst-Case-Szenario eingetreten ist.

Die Fahrer frei gegeneinander fahren zu lassen, war wohl die falsche Entscheidung. „Wir müssen sicherstellen, dass wir alle innerhalb der Grenzen bleiben, die wir am Anfang der Saison gesetzt haben. Jetzt ist vielleicht der Zeitpunkt gekommen, an dem man sein Verhalten ändert“, kündigt der 42-Jährige Konsequenzen an.

Wie diese aussehen werden, ist noch nicht bekannt. Im Endeffekt scheint es aber nur auf eine Form der Teamorder hinauslaufen zu können. „Das wäre für alle von uns enttäuschend, aber wir müssen die Situation in den Griff bekommen“, sagt Wolff.

Fortsetzung folgt…

 

Andreas Terler

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