Bruchpilot Hamilton in der Krise

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Unfälle, Strafen, Streit und Ausreden: Pisten-Rüpel Lewis Hamilton muss im Formel-1-Saison-Endspurt um die Reste seines Rufs als Supertalent kämpfen.

Der Weltmeister von 2008 gibt nach einer Serie von Dummheiten nur noch eine traurige Figur ab und sucht verzweifelt nach dem Weg zurück auf die Überholspur.

"Jedes Rennen, jedes Hindernis im Leben ist wichtig", philosophierte der McLaren-Pilot vor dem Großen Preis von Südkorea am Sonntag und beteuerte: "Ich komme immer zurück, versuche es immer aufs Neue und hoffe, dass es besser wird."

Konfrontation mit Massa

Zuletzt aber wurde es immer schlimmer. Seit seinem Sieg auf dem Nürburgring Ende Juli sammelte der 26-Jährige vor allem peinliche Einträge in der Pannenstatistik.

Tiefpunkt waren die Kollisionen mit Ferrari-Pilot Felipe Massa in Italien, Singapur und Japan, für die Hamilton Kopfschütteln erntete.

"Er hört nicht zu, er versteht es nicht, er lernt es nicht", wetterte der Brasilianer. "Ich war in den letzten Rennen öfter an der falschen Stelle", meinte Hamilton.

Vom "Wunderkind" zum Bruchpilot

Der Brite fühlt sich wie im falschen Film. Einst als Wunderkind gefeiert, dann als aufregender Überholkünstler verehrt - und nun als Bruchpilot verspottet.

Und dann fährt auch noch Teamkollege Jenson Button ins Rampenlicht.

Der coole Landsmann könnte der erste Stallrivale sein, der Hamilton seit seinem glanzvollen Formel-1-Debüt 2007 in einer Saison bezwingt.

Im Schatten Buttons

In den vergangenen fünf Rennen holte Button satte 101 Punkte, ist WM-Zweiter.

Hamilton verpasste dagegen fünfmal das Podium, fuhr nur 44 Zähler ein und rutschte auf Platz fünf der Gesamtwertung ab. "Ich fahre ganz offensichtlich nicht so gut wie er", sagte Hamilton.

Seinem Selbstbild aber entspricht das ganz sicher nicht. Wie sehr ihm die Situation zusetzt, ist Hamilton deutlich anzusehen. Mal wirkt er beleidigt, mal frustriert, mal aggressiv.

McLaren steht hinter Hamilton

"Er ist hart gegen sich selbst und tief enttäuscht", erklärte McLaren-Teammanager Jonathan Neale. Der britische Rennstall bemühte sich zuletzt immer wieder, seinem Krisenpiloten öffentlich den Rücken zu stärken.

"Lewis ist ein junger Mann. Er muss jetzt ruhig und diszipliniert bleiben. Er wird aus diesen Erfahrungen lernen", sagte Teamchef Martin Whitmarsh.

Falsch beraten?

Vater Anthony aber macht sich Sorgen, ob sein aus der Spur geratener Sohn die richtigen Ratschläge bekommt. Seit vergangenem Jahr verzichtet der Junior auf die Berater-Dienste des Papas und vertraut stattdessen dem Management der Beckhams.

Hamilton fehle damit aber die notwendige persönliche Beratung, befand sein Vater unlängst. Die Imagewerte des einst jüngsten Weltmeisters sind in jedem Fall in den Keller gegangen.

Mehrere Ursachen

"Es hat mehrere Ursachen. Meistens liegt es an mir", bekannte Hamilton in Yeongam.

Dann wendete er den Blick zu den neben ihm sitzenden Doppel-Weltmeistern Sebastian Vettel und Fernando Alonso.

"Ich will ihnen nacheifern. Also muss ich sie einholen", sagte er.

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