F1-Teamcheck: Die Top-Teams

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In wenigen Tagen heulen die Formel-1-Motoren in Melbourne wieder auf!

Die Zeit der Täuschungs- und Ablenkungsmanöver bei den Testfahrten ist dann vorbei. Spätestens im Qualifying am Samstag werden alle Karten aufgedeckt.

Welche Teams haben die besten Aussichten auf ein gutes Ergebnis beim Australien-GP? Und welche Rennställe sind schon zu Saisonbeginn nur auf Schadensbegrenzung aus?

LAOLA1 nimmt vor F1-Saisonstart alle 12 Formel-1-Teams unter die Lupe.

Im ersten Teil checkten wir die Nachzügler Williams, Caterham, HRT und Marussia.

Teil zwei behandelte die Mittelständler Lotus, Force India, Sauber und Toro Rosso.

Zum Abschluss: Die Top-Teams Red Bull, McLaren, Ferrari und Mercedes.

RED BULL RACING

Auto:

Am vorletzten Test-Tag schockte man alle Gegner, als man nach beinahe 4.000 Test-Kilometern einen fast komplett neuen RB8 auf die Strecke schickte. "Das, was wir in Barcelona gebracht haben, war eine zu 90 Prozent neue Karosserieführung", erklärte Motorsport-Konsultent Dr. Helmut Marko.

Das Auto dürfte erneut das Nonplusultra der Formel 1 sein. "Der Clou an der Sache ist, dass wir die Auspuffgase mittels einer Führung in der Karosserie zum Diffusor leiten. Damit gewinnen wir einen Teil des Abtriebs wieder, den wir durch das Verbot des 'blown Diffusor' verloren haben", so Marko weiter.

Mit 4.304 Test-Kilometern geht der Rennstall aber mit weit weniger als McLaren und Ferrari in die neue Saison. Zudem gab es immer wieder technische Probleme (z.B. mit dem Getriebe in Barcelona). Vom Speed her sollte der Weg zum Titel aber erneut nur über Red Bull Racing führen.

Fahrer:

Das Weltmeister-Team änderte nichts an der Team-Zusammensetzung. Sebastian Vettel und Mark Webber gehen damit in ihre vierte gemeinsame Saison. Neuer Backup ist der bei Toro Rosso vor die Tür gesetzte Sebastien Buemi. Der Schweizer bleibt damit, gemeinsam mit den beiden Toro-Rosso-Piloten, im Rennen um die Webber-Nachfolge. Der Vertrag des Australiers läuft mit Saisonende aus, ein Rücktritt ist nicht ausgeschlossen.

Umfeld:

Mit der Ruhe von zwei WM-Doubles in Folge strotzt man nur so vor Selbstvertrauen. "Ich denke, wir sind als Team in allen Bereichen noch ein wenig stärker geworden", erklärte Teamchef Christian Horner. Grund zu personellen Veränderungen in der Chefetage gab es ohnehin keinen.

McLAREN

Auto:

Der MP4-27 unterscheidet sich schon rein optisch vom Gros der Konkurrenz: Aufgrund einer anderen aerodynamischen Basis konnte man auf die unansehnliche Höcker-Nase verzichten und hat die Wertung "schönstes Auto des Jahres" in den Augen vieler damit bereits gewonnen.

Dass der neue McLaren schnell und zuverlässig ist, stellte man bei den Testfahrten unter Beweis. Insgesamt bestritten die Piloten 4.886 Kilometer und landeten damit hinter Williams und Ferrari auf Rang drei. Ähnlich wie Red Bull konnte man am vorletzten Tag der Barcelona-Tests ein umfangreiches Paket an Neuerungen ans Auto bringen.

Fahrer:

Das britische Team bleibt auch 2012 fest in britischer Hand. Die beiden Ex-Weltmeister Jenson Button und Lewis Hamilton bilden erneut das Fahrer-Duo bei McLaren. Besonderes Augenmerk (nicht nur der britischen Yellow Press) wird wohl erneut auf Hamilton liegen, der aber Besserung versprochen hat: "Ich werde Opfer darbringen, etwa, wenn mich jemand vor einem Rennwochenende oder dem Saisonstart fragt, ob ich mit ihm ausgehen will, werde ich zu Hause bleiben und am nächsten Tag trainieren."

Geschäftsführer Jonathan Neale hält jedenfalls zu seinem Schützling: "Er ist kein Marketingobjekt und genau das macht ihn für viele Leute so anziehend. Er ist aus einem etwas anderen Holz geschnitzt und jeder freut sich über leidenschaftliche Sportler."

Umfeld:

McLaren angelte sich Ex-Williams-Technikchef Sam Michael als neuen Sportdirektor. Der Rest der Teamführung rund um Chef Martin Whitmarsh blieb gleich. Die Erwartungshaltung ist groß, die meisten Experten sehen McLaren als ersten Herausforderer Red Bull Racings. Allerdings läuft man Gefahr, allmählich zur "ewigen Nummer zwei" zu verkommen: Hamiltons Fahrer-Titel 2008 ist nach wie vor die einzige Weltmeisterschaft, die man in diesem Jahrhundert gewinnen konnte.

SCUDERIA FERRARI

Auto:

Ist der F2012 ein Rohrkrepierer? In Maranello schrillten nach den Testfahrten alle Alarmglocken! "Das Auto wechselt ständig zwischen guter und schlechter Balance. Es gibt eine Menge Dinge, an denen wir arbeiten müssen. Bei den ersten Rennen werden wir Probleme haben", erklärte Technikchef Pat Fry nach dem letzten Test.

Zuletzt drückte Ferrari in Barcelona aber aufs Tempo und absolvierte mit 467 Runden in vier Tagen mehr als jedes andere Team. Insgesamt spulte man im Februar und März 4.994 Test-Kilometer ab. Dennoch gibt es einige Baustellen, vor allem der Reifenverschleiß macht Sorgen. Fernando Alonso rechnet zu Saisonbeginn jedenfalls nicht mit Podestplätzen.

MERCEDES GP

Auto:

Die ersten Testfahrten in Jerez ließ man zugunsten einer längeren Entwicklungszeit sausen. Umso fleißiger war man dafür in Barcelona, wo man 3.886 Kilometer abspulte. Von den Zeiten war Mercedes dabei, aber nie ganz vorne. Man kann aber nur spekulieren, mit welchen Spritmengen und Reifen die Deutschen unterwegs waren.

Von der Bauweise her zeichnet sich der F1 W03 durch die dünnste Nase aller Fahrzeuge der aktuellen Generation aus. Ohne den markanten Höcker kommt auch Mercedes nicht aus. Zudem soll es eine Geheimwaffe geben: Die Piloten können durch das Aktivieren des DRS gleichzeitig eine Art F-Duct (sorgt für höhere Endgeschwindigkeit auf den Geraden) aktivieren. Das würde vor allem im Qualifying Vorteile bringen.

Fahrer:

Michael Schumacher und Nico Rosberg bleiben das Mercedes-Duo. Vor allem Schumachers Performance könnte permanent auf dem Prüfstand stehen, sein Vertrag läuft mit Saisonende aus.

Umfeld:

Für die dritte Saison als reinrassiges Werksteam rüstete man in der zweiten Reihe gehörig auf: Von Ferrari angelte man sich Aldo Costa als "Engineering Director", Geoff Willis (2007-09 technischer Direktor bei Red Bull) stieß als "Technology Director" zu den Silberpfeilen. Am Kommandostand bildet weiter das Duo Ross Brawn/Norbert Haug die taktische Doppelspitze.

Ein Aufschließen zu den Top-Teams bis hin zum ersten GP-Sieg als Werks-Rennstall ist bitter nötig. So sehr auch die aktuelle Konzern-Spitze hinter dem Engagement steht, so sehr lehnt der Betriebsrat das kostspielige Projekt ab. 2010 war man immerhin mit dem Vorsatz gestartet, binnen drei Jahren um den WM-Titel mitzufahren. Das wäre spätestens heuer...

Michael Höller

Fahrer:

Fernando Alonso und Felipe Massa gehen in ihre dritte gemeinsame Saison. Es könnte ihre letzte als Ferrari-Duo sein, denn Massa muss sich nach seinem katastrophalen Jahr 2011 (kein einziger Podestplatz) beweisen. Sein Vertrag läuft mit Saisonende aus. Bleiben Top-Resultate aus, wird wohl bald über Nachfolge-Kandidaten spekuliert werden.

Umfeld:

Die erfolgsverwöhnte Scuderia ist seit 2008 ohne WM-Titel (damals Konstrukteurs-WM). Ob der mächtige Ferrari-Boss Luca di Montezemolo Teamchef Stefano Domenicali ein viertes Jahr in Folge ohne Titel durchgehen lassen würde? "Ich will wissen, warum wir uns in dieser Lage befinden, und noch viel wichtiger ist es mir, dass wir schnell die notwendigen Änderungen herbeiführen", polterte Montezemolo nach den Tests. Die Situation in Maranello birgt jedenfalls einigen Zündstoff. Ein ruhiger Arbeitsplatz sieht wohl anders aus.

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