Vier neue Gesichter im Blitzlichtgewitter

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Die Formel-1-Saison 2015 steht vor der Tür und bringt einige neue Gesichter mit sich.

Am stärksten verändert sich Toro Rosso, die "Jungbullen" präsentieren mit dem erst 17-jährigen Niederländer Max Verstappen und dem 20-jährigen Spanier Carlos Sainz jr. gleich zwei neue Piloten.

Auch Sauber setzt auf eine neue Fahrerpaarung, mit Felipe Nasr kommt ein 22-jähriger Brasilianer zu seinem Formel-1-Debüt, der 24-jährige Marcus Ericsson ist ebenfalls neu bei den Schweizern, hat allerdings schon eine Saison im nun insolventen Catherham-Team auf dem Buckel.

Für Manor, den Nachfolger des Marussia-Teams, gehen der 23-jährige Brite Will Stevens und der ebenfalls 23-jährige Spanier Roberto Merhi an den Start. Stevens hat das letzte Rennen der Vorjahres-Saison für Catherham bestritten und ist somit kein "echter" Neuling, Merhi hingegen feiert sein Debüt in der Königsklasse.

Dieses könnte allerdings von kurzer Dauer sein, der Spanier ist auf Sponsorgelder angewiesen um sein Cockpit behalten zu können. Generell ist es schwierig zu beurteilen ob Manor die notwendigen Mittel hat um die komplette Saison 2015 zu bestreiten.

Vorstellung aller Debütanten

Max Verstappen - #33

Der erst 17-jährige Niederländer Max Verstappen wird beim Großen Preis von Australien in Melbourne zum jüngsten Formel-1-Fahrer aller Zeiten.

Die Chancen stehen gut, dass dies ein Rekord für die Ewigkeit wird, war seine Verpflichtung doch der Anlass dafür, die Anforderungen an die Piloten nach oben zu schrauben.

Künftig muss ein Fahrer zumindest 18 Jahre alt sein, diverse Erfolge in den Nachwuchsklassen nachweisen können und über einen nationalen Führerschein verfügen.

Max ist der Sohn von Jos Verstappen, der 1994 als Teamkollege von Michael Schumacher bei Benetton in Hockenheim einen spektakulären Feuerunfall in der Box hatte und Formel-1-Freunden damit in Erinnerung geblieben sein dürfte.

Max Verstappen fuhr bis 2013 Kart und wurde mehrfach Welt- und Europameister. 2014 wechselte er in die europäische Formel 3, die er auf Gesamtrang drei beendete.

Mit zehn Rennsiegen - mehr als Gesamtsieger Esteban Ocon - stellte er dabei seine Schnelligkeit unter Beweis, viele Ausfälle verhinderten aber ein besseres Abschneiden im Klassement.

Red-Bull-Motorsportberater Helmut Marko sieht in ihm einen künftigen Weltmeister und hat trotz des jungen Alters und der fehlenden Erfahrung im Formel-Sport keine Zweifel daran, dass der junge Niederländer wettbewerbsfähig sein wird.

"Ich bin nicht besorgt, weil ich der jüngste Fahrer aller Zeiten bin. Ich will Rekorde brechen. Alle Rekorde. Meiste Siege, meiste Titel - egal wie alt ich dann bin, ich will Weltmeister werden", erklärt Verstappen dem "Telegraph".

"Die Leute sagen ich wäre arrogant? Das ist ihre Meinung. Ich kümmere mich nicht darum." An seinem Selbstvertrauen sollte eine erfolgreiche Zeit in der Formel 1 also nicht scheitern.

Carlos Sainz jr. - #55

Der 20-jährige Carlos Sainz jr. ist der „Oldie“ im Team von Toro Rosso. Der Sohn des zweifachen Rallye-Weltmeisters Carlos Sainz ist seit Anfang 2010 bei Red Bull unter Vertrag.

Sein erster großer Erfolg im Formelsport war der Gewinn der Nordeuropäischen Formel Renault im Jahr 2011. Er setzte sich gegen seinen damaligen Teamkollegen durch – der hieß Daniil Kvyat und sitzt heuer im Red Bull.

Doch während der Russe sich in den Folgejahren stark präsentierte und Meisterschaften gewinnen konnte, tat sich der Spanier deutlich schwerer. Den richtigen Durchbruch schaffte er erst im letzten Jahr mit dem Gewinn der Formel Renault 3.5 Serie, der ihm zu seinem Toro-Rosso-Cockpit verhalf.

"Max, ich und das ganze restliche Team haben gut zusammengearbeitet um das bestmögliche Paket in Melbourne an den Start zu bringen. Von dort an werden wir natürlich versuchen uns zu schlagen - that's Racing. Wo wir genau stehen ist schwer zu sagen, wir wollen Sauber und Lotus schlagen, von McLaren und Force India hat man bei den Testfahrten zu wenig gesehen um sie einschätzen zu können", so Sainz gegenüber "crash.net".

Felipe Nasr - #12

Der 22-Jährige Felipe Nasr freut sich auf seine erste Saison als Einsatzfahrer in der Formel 1 bei Sauber. Der Brasilianer war bereits im letzten Jahr für Williams tätig, schnupperte aber nur bei einigen wenigen Freitagstrainings etwas F1-Luft.

Dafür, dass er diese jetzt in vollen Zügen einatmen darf, sorgen einerseits gute Leistungen aus dem Nachwuchsbereich, andererseits aber auch der große, gutgefüllte Jutesack mit aufgedrucktem Dollar-Zeichen, den er dem Schweizer Rennstall als Gastgeschenk überreicht hat. Die „Banco do Brasil“, ein langjähriger Förderer Nasrs, dominiert nun das Design des Autos, das in den Sponsorfarben Blau und Gelb gehalten ist.

Seine größten Erfolge sind der Gewinn der Europäischen Formel BMW (2009) und der britischen Formel 3 (2011), in der GP2 – der „Vorstufe“ der Formel 1 – errang er 2013 den vierten Gesamtrang, 2014 wurde er Dritter. Seine Teamkollegen hatte er in nahezu allen Klassen im Griff, darunter finden sich auch bekannte Namen wie Kevin Magnussen (McLaren) oder Jolyon Palmer (Lotus-Testfahrer).

"Vettel, Massa, Räikkönen - viele große Fahrer haben bei Sauber begonnen. Ich will in dieser Saison von Rennen zu Rennen schauen, Erfahrung sammeln, mich verbessern und Sauber zurück in die Punkteränge führen", so ein vor Vorfreude strotzender Nasr gegenüber "formula1.com".

Roberto Merhi - #45

Der 23-jährige aus Castellón ist seit 2001 im Motorsport aktiv. Seine größten Erfolge sind die beiden Meistertitel in der Formel-3-Euroserie und Formel-3-Trophäe 2011.

Er entschied sich danach den Formelsport den Rücken zu kehren und fuhr 2012 und 2013 in der DTM.

Dort konnte er einmal aufs Podium fahren, fiel aber des Öfteren durch harte und undurchdachte Aktionen auf. Sein Vertrag wurde daraufhin nicht verlängert.

Im letzten Jahr belegte er Gesamtrang drei in der Formel Renault 3.5 (hinter Gesamtsieger Carlos Sainz jr. und dem Franzosen Pierre Gasly). Zeitgleich war er als Testfahrer für Catherham tätig und nahm an drei freien Trainings für den mittlerweile insolventen Rennstall teil.

In Australien wird er nun für Manor an den Start gehen, braucht aber Sponsorgelder um sich seinen Verbleib im Team zu sichern. Zudem lauert Justin King, der Sohn des Interims-Teamchefs von Manor, auf ein Cockpit.

"Davon habe ich lange geträumt. Endlich kann ich einen ganzen Grand Prix fahren, nicht nur ein freies Training. Wir haben nicht die Mittel die nötig sind um mit den anderen zu kämpfen, aber wir werden unser Bestes geben", so Merhi.

Will Stevens - #46

Der 23-jährige Brite Will Stevens ist kein "echter" Neuling, verdient sich aber trotzdem eine Vorstellung, da er bei seinem bisher einzigen Rennen kaum aufgefallen ist.

Beim Comeback des nun insolventen Catherham-Rennstalls beim letztjährigen Saisonfinale in Abu Dhabi holte Stevens Platz 17.

Zuvor war er als Testfahrer beim Vorgänger seines jetzigen Manor-Teams, Marussia, tätig.

Der Brite konnte bisher keine Nachwuchsklasse für sich entscheiden, in den letzten drei Jahren war er in der Formel Renault 3.5 unterwegs und holte die Gesamtränge zwölf, vier und sechs.

Gegen den Vorwurf nur als Pay-Fahrer in die Formel 1 gekommen zu sein wehrt sich Stevens, jeder Fahrer in der Königsklasse habe einen mehr oder weniger potenten Sponsor hinter sich stehen.

"Die Leute reden immer von den Fahrern, die viel Geld mitbringen, aber jeder in der Formel 1 weiß, wie es läuft. Praktisch jeder Pilot hat einen finanziellen Unterstützer oder großen Sponsor hinter sich. Das ist kein Geheimnis. Alle machen dasselbe. Es kämpfen so viele Leute um die freien Plätze, also müssen die Teams wirklich an die Fahrer glauben, die sie auswählen", so Stevens zum "Motorsport-Magazin". 


Alexander Neuper

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