Am Ende einer F1-Saison heißt es Abschied nehmen

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Aus. Schluss. Finito.

Die Formel-1-Saison 2014 war nicht nur der Beginn einer neuen Motoren-Ära, an ihrem Ende stehen auch mehrere Abschiede an.

Diese sind durchaus prominent, noch nicht ganz sicher oder durchaus erwünscht.

Es betrifft vierfache Weltmeister, Nachzügler und tierähnliche Autoteile.

Ein Überblick über sichere und wahrscheinliche Abschiede in Abu Dhabi:

Vettel bedankt sich per Helm bei Red Bull Racing

VETTEL UND RED BULL RACING

Mit elf Jahren wurde Sebastian Vettel ins Förderprogramm von Red Bull aufgenommen, 2007 feierte er sein Formel-1-Debüt zwar für BMW-Sauber, danach verpflichtete ihn aber Toro Rosso. „Gebt dem Buben eine Chance. Setzt ihn rein, und wenn er nichts ist, können wir uns immer noch überlegen, was wir machen“, sagte einst Didi Mateschitz. Dieses Risiko sollte belohnt werden – 2008 feierte Vettel in Monza seinen ersten GP-Sieg mit dem Red-Bull-Nachwuchs-Team. Seit 2009 war er dann für Red Bull Racing im Einsatz – der Rest ist Geschichte, viermal konnte sich der Heppenheimer den Weltmeistertitel sichern, dazu feierte er 38 weitere Siege. Nur in der aktuellen Saison lief es gar nicht nach Wunsch, weshalb der 27-Jährige das Gefühl hatte, eine Veränderung zu brauchen. Mit dem Wechsel zu Ferrari erfüllte er sich einen Kindheitstraum. Doch bevor er ein neues Kapital aufschlagen kann, muss er das alte noch zu Ende schreiben. Der GP in Abu Dhabi ist der letzte, den Vettel im Red Bull bestreitet. „Es wird sicher merkwürdig werden und sehr emotional. Von Red Bull wegzugehen, ist wie zu Hause auszuziehen.“ Dennoch blickt er bereits optimistisch in die Zukunft: "Ich werde mein Team vermissen, bin aber zuversichtlich, dass ich in der Zukunft wieder bessere Jahre habe." Zuvor hofft er jedoch, Red Bull ein Abschiedsgeschenk bereiten zu können. „Ich habe sehr besondere Erinnerungen an Abu Dhabi, hier bin ich 2010 zum ersten Mal Weltmeister geworden in meinem Lieblingsauto, dem RB6. Dieses Wochenende werde ich nie vergessen. Das diesjährige Rennen wird ein weiterer großer Moment in meiner Karriere: mein letztes Rennen mit Red Bull", sagt Vettel, der zu Ehren seines Abschiedsrennens einen besonderen Helm trägt, mit dem er sich bei seinem Rennstall bedankt. "Ich werde das Wochenende mit dem Team genießen, und mit ein bisschen Glück schaffen wir es vielleicht ein letztes Mal aufs Podium."

ALONSO UND FERRARI

Fünf Jahre, 1186 Punkte, 44 Podestplatzierungen, 11 Siege. So lautet die Bilanz Fernando Alonsos bei Ferrari. Doch nun trennen sich die Wege des Spaniers und der Scuderia. Damit geht der zweifache Weltmeister beim finalen GP der Saison 2014 ein letztes Mal für Ferrari an den Start (und macht Platz für den vierfachen Weltmeister Vettel). „Ich werde an diesem Wochenende das gesamte Team mit ins Auto nehmen", twittert der Spanier, für den es  2010, 2012 und 2013 lediglich zum Vize-WM-Titel reichte. Auch er trägt einen speziell für sein Abschiedsrennen angefertigten Kopfschutz. "Auf der einen Seite des Helmes ist ein Bild von einem Boxenstopp aus dieser Saison. In der Mitte sieht man die italienische Flagge. Auf der anderen Seite sieht man Autogramme der Teammitglieder." Mit diesem Abschiedshelm will er seine Zuneigung zum Team beweisen, die trotz der Trennung andauern soll. "Das ist kein einfacher Tag, weil es nun klar ist, dass ich mein Ferrari-Abenteuer beende. Ich suchte nach einer neuen Motivation. Ich dachte schon 2013 an einen Wechsel, aber ich wollte die neue Saison abwarten. Leider war das neue Auto nicht der große Wurf. Also reifte in mir zum Sommer hin die Einsicht, dass ich gehen muss. Im September habe ich dem Team gesagt, dass ich aus meinem Vertrag vorzeitig raus möchte, der noch zwei Jahre lang gelaufen wäre", erklärt er seine Beweggründe. „Ich bin stolz auf meine drei zweiten WM-Ränge und auf die ganze Ferrari-Truppe. Leider hat es mit dem Titel nie geklappt. Das ist das Einzige, das ich bereue. Ich werde Ferrari immer lieben. Ab Sonntag bin ich kein Ferrari-Fahrer mehr, aber ich werde immer ein Ferrari-Fan sein.“

MCLAREN UND MERCEDES

Seit 1995 kommt die Antriebseinheit für McLaren aus dem Hause Mercedes. Nach 15 Formel-1-Saisonen schlägt diese Partnerschaft an diesem Wochenende ihr vorerst letztes Kapitel auf, um eine alte Erfolgsgeschichte mit Honda fortzusetzen. Es waren aufregende und turbulente Zeiten, die das Team in diesen Jahren durchlebte. Da waren die Erfolgsjahre von Mikka Häkkinen 1998 und 1999, 2003 verpasste Kimi Räikkönen den Titel um zwei Zähler sehr knapp. Nach einem Jahr ohne Sieg 2006 (dem ersten seit 1996) scheiterte das Duo Hamilton/Alonso mit einem Punkt an Kimi Räikkönen im Ferrari. Außerdem fliegt die Spionage-Affäre auf, das Team bekommt alle Konstrukteurs-Punkte aberkannt und muss 100 Millionen Doller Strafe zahlen. 2008 holt Hamilton in einem dramatischen Finale den letzten McLaren-WM-Titel. Mit Honda soll jetzt wieder alles besser werden. Über die Konkurrenzfähigkeit der neuen, alten Partnerschaft wird bislang nur gemutmaßt. Wirklich verheißungsvoll klangen die bisherigen Statusmeldungen nicht.

BUTTON UND MCLAREN?

Es ist die Ungewissheit, die an Jenson Button und seinen Anhängern nagt. Wie auch schon die Bekanntgabe von Vettel bei Ferrari zieht sich die Fahrer-Entscheidung bei McLaren wie ein Strudelteig. Keine einfache Situation und definitiv nicht nicht die feine englische Art. Es liegt aber wohl auch daran, dass mit Honda der neue japanische Motorenpartner ein gewichtiges Wort über das Fahrerduo 2015 mitreden darf. Button selbst bleibt, ganz Gentleman-like, gelassen, freut sich aber sehr über die vielen Meldungen seiner Kollegen und Fans. "Ich werde ganz emotional, wenn ich all die Unterstützung sehe, die ich von den Fans bekomme. Aber man muss die Entscheidung von McLaren akzeptieren. Es gibt immer Gründe dafür", meint der Routinier, ohne genauer darauf eingehen zu wollen.

Ein möglicher Grund trägt zumindest einen prominenten Namen: Fernando Alonso. Sollte der Spanier wieder in Woking anheuern, dürfte es für Button eng werden, auch wenn sich viele Ex-Fahrer wie zum Beispiel Johnny Herbert, für einen Verbleib des Weltmeisters von 2009 stark machen. "Alonso ist eine explosive Kraft. Das hat er bereits in seiner ersten McLaren-Zeit bewiesen. Und auf gewisse Weise auch bei Ferrari. Deshalb braucht McLaren die Erfahrung und die Reife eines Jenson Button", so der heutige Sky-F1-Experte. Allerdings hat der Rennstall mit Kevin Magnussen auch ein äußerst vielversprechendes Talent für die Zukunft in den eigenen Reihen. Ein Plan B für Button scheint sich indes mit der WEC immer mehr heraus zu kristallisieren. Dort würde sich unter anderem Mark Webber freuen, einen alten Freund zu begrüßen. Aus seiner Sympathie für die Langstrecken-WM macht Button keinen Hehl: "Ich will auch im kommenden Jahr Rennen fahren. Und wenn ich nicht in der Formel 1 bin, dann ist die WEC eine starke Meisterschaft." Die Königsklasse würde damit aber einen charismatischen Charakter verlieren.

SUTIL/GUTIERREZ UND SAUBER

Sauber hat es sich derzeit zur Aufgabe gemacht, es sich mit allen aktuellen Fahrern zu verscherzen: Nach der Verkündung von Marcus Ericsson (SWE) sowie Felipe Nasr (BRA) als Fahrerpaarung für die neue Saison, schauten nicht nur Adrian Sutil und Estebian Gutierrez dumm aus der Wäsche. Fünf Fahrern, die 2014 in einem Sauber-Boliden unterwegs waren, wurde gekündigt: Darunter neben den eben genannten Stammpiloten auch Freitagsfahrer Giedo Van der Garde, Testpilot Sergey Sirotkin und Simona de Silvestro. Sutil, der für die kommende Saison noch über einen Vertrag bei Sauber verfügt, ist zu recht sauer: "Dass Sauber jetzt zwei Fahrer verpflichtete, heisst noch lange nicht, dass sie auch fahren." Der Deutsche will - übrigens ebenso wie Van der Garde und De Silvestro - rechtliche Schritte einleiten. Gutierrez hingegen behauptet, die Trennung sei auf seinem eigenen Mist gewachsen: "Die Verhandlungen mit Sauber liefen nicht in die erhoffte Richtung, die ich mir für meine Karriere vorgestellt habe. Also habe ich beschlossen, diese Gespräche nicht weiterzuführen. Ich habe mich für den Wechsel entschieden und das Risiko. Ich hätte mich den Anforderungen fügen können, aber das Gefühl stimmte einfach nicht mehr", so der Mexikaner. Im letzten Rennen könnten Sutil und Gutierrez für eine Premiere - und damit für einen traurigen Schlusspunkt - sorgen: Diese Saison könnte als erste ohne Meisterschaftspunkte in die Geschichte des Rennstalls eingehen...

VERGNE UND TORO ROSSO?

Auch Toro Rosso lässt sich bei der Fahrerwahl ausgiebig Zeit. Nach dem Aufstieg von Daniil Kvyat zu Red Bull Racing ist immer noch ein Platz neben Youngster Max Verstappen frei. Kandidaten gibt es mehrere. Die heißeste Aktie derzeit ist Carlos Sainz jr. Der Spanier hat heuer als jüngster Fahrer der Geschichte die Formel Renault 3.5 für sich entschieden und macht sich große Hoffnungen auf den Platz beim Red-Bull-Juniorteam. Laut spanischen Medien hängen die Chancen des 20-Jährigen stark vom Verbleib der spanischen Erdöl-Firma Cespa ab. Im Rahmen des Rennens in Abu Dhabi sollen diesbezüglich Gespräche geführt werden. Als weitere Kandidaten geistern die Namen Pierre Gasly (Formel-Renault-Vizemeister) und Alex Lynn (GP3-Vizechampion) herum. In Abu Dhabi wird jedenfalls Sainz für Red Bull testen. Danach soll eine Entscheidung fallen. Jean-Eric Vergne war sich zuletzt sehr sicher, auch 2015 in der Formel 1 zu fahren. Noch muss er aber etwas Geduld haben.

MARUSSIA UND CATERHAM?

Der Abschied von der diesjährigen F1-Saison könnte gleichzeitig auch den Abschied zweier Teams bedeuten. Beziehungsweise gibt es von Marussia keinen persönlichen Abschied, obwohl das Team bis zuletzt alles versucht hat, um überraschenderweise doch noch in Abu Dhabi antreten zu können. Und auch, wenn der frühere Sportdirektor Graeme Lowdon beteuert, "es gibt verschiedene potenzielle Investoren, und natürlich lautet eine ihrer ersten Fragen, wie die Pläne für 2015 aussehen. Wir müssen also sicherstellen, dass die Arbeit am nächstjährigen Auto so schnell als möglich weitergeht. Schreibt Marussia noch nicht ab!", ist es doch stark anzuzweifeln, ob wir Marussia wiedersehen.

Der zweite insolvente Rennstall, Caterham, hat laut Insolvenzverwalter Finbarr O’Connell noch drei Wochen, um einen Käufer zu finden und damit die Teilnahme an der Formel-1-Saison 2015 sicher zu stellen. Zwar konnte ein Start in Abu Dhabi durch Crowdfunding ermöglicht werden, doch die Zeit drängt, da der neue Bolide entwickelt werden müsste. "Als Caterham Sports Limited Insolvenz anmeldete, wurde die Arbeit am nächstjährigen Auto eingestellt. Von Seiten des Technikerstabs weiß ich aber, dass wir im nächsten Jahr fahren werden, sofern sich in den nächsten drei Wochen ein Käufer findet", so O‘Conell, der auf das Prinzip Hoffnung setzt. Allerdings raten wir, sich vorsichtshalber auch schon mal von Caterham Abschied zu nehmen.

HÄSSLICHE NASEN UND DOPPELTE PUNKTE

Nicht jeder Abschied muss automatisch schwer fallen. Es gibt da zwei Dinge, die wohl niemand vermissen wird. Zum einen die doppelten Punkte im letzten Rennen. Keiner mag die künstlich erzeugte Spannung und deshalb wird sie wohl nach "Abu Double 2014" auch wieder abgeschafft. "Ich denke, dass selbst Bernie die Idee nicht mehr so gut findet, deshalb werden wir beim nächsten Mal darüber sprechen", meinte Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff zuletzt. Der Zampano selbst will das so nicht sagen, er deutet aber etwas an: "Ich weiß noch nicht, was wir nächstes Jahr machen werden", so der 83-Jährige. Völlige Überzeugung hört sich anders an.

 

Die Tierliebhaber unter den Formel-1-Frontpartie-Freunden werden enttäsucht sein. Der sogenannte "Ameisenbär-Look", wie er bei McLaren oder Force India zu sehen war, wird 2015 ebenfalls der Vergangenheit angehören. Es wird ein neues technisches Reglement geben, dass die Nasen wieder ansehnlicher macht. Sie werden tiefer und breiter, außerdem soll der Übergang in das Chassis wieder harmonischer verlaufen. Das Team Lotus, das mit seiner 2014er-Version - um in der Fauna zu bleiben - den Vogel abgeschossen hat, präsentierte in Austin schon eine zukünftige Variante (siehe Twitter-Bild oben). Von den Ingenieuren verlangt dies natürlich zusätzliche Arbeit was die Perfektionierung der Aerodynamik betrifft.  "Beim ersten Windkanalversuch haben wir 20 Prozent Abtrieb verloren. Jetzt sind wir schon wieder zurück bei den alten Werten", meint Force-India-Technikchef Andy Green bei "auto-motor-und-sport.de".

 

Andreas Terler / Henriette Werner

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