Ferrari droht mit F1-Ausstieg

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Ferrari-Boss droht wieder einmal mit Rückzug

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Sportlich läuft es bei Ferrari nicht nach Wunsch. Auf dem politischen Parkett lässt die Scuderia nun aber wieder einmal mit einer Ausstiegs-Drohung aufhorchen.

Beim "Ferrari Mondiali", dem traditionellen Saisonabschluss-Event in Mugello, rasselte Präsident Luca di Montezemolo mit dem Säbel.

"Die Formel 1 ist immer noch unser Leben, aber ohne Ferrari gibt es keine Formel 1 - genau so, wie Ferrari ohne die Formel 1 anders wäre", tönte der Italiener.

Er fügte hinzu: "Es gibt präzise Bedingungen, wenn wir mit unserer Arbeit fortfahren sollen."

Politischer Poker beginnt

Hintergrund dieser klaren Worte ist das "Concorde Agreement" (quasi Verfassung der Formel 1), das mit Ende der nächsten Saison ausläuft und demnächst neu verhandelt werden soll.

Dabei geht es nicht nur um die Verteilung der finanziellen Einnahmen, vielmehr wünscht sich Ferrari auch eine Adaption des Reglements nach den eigenen Wünschen.

"Wir fahren nicht nur der Publicity wegen Rennen, sondern vor allem wegen der Forschungsmöglichkeiten für alle Bereiche unserer Straßenwagen-Produktion", erklärt Montezemolo.

"Bauen Autos, keine Flugzeuge"

"Ich finde nicht so gut, dass 90 Prozent der Performance rein von der Aerodynamik abhängig sind. Wir bauen Autos, keine Helikopter, Raketen oder Flugzeuge", so der Italiener in Mugello.

Seit der letzten Regel-Revolution im Winter 2008/09 haben andere Teams auf der Strecke die Hosen an. Zuerst dominierte Brawn, seit fast zweieinhalb Jahren heißt der Primus Red Bull Racing. Und selbst Erzrivale McLaren war in den letzten drei Jahren erfolgreicher.

Nur sieben Mal erklang seit Saisonstart 2009 die italienische Hymne für Ferrari als "Winning Constructor" bei einer Siegerehrung.

Testverbot ein Dorn im Auge

Doch nicht nur mehr Freiheiten im Bereich der Technik wünscht sich der Ferrari-Boss: "Ein weiterer negativer Punkt ist, dass unser Sport der einzige Sport ist, in dem man nicht testen oder trainieren darf."

"Natürlich dürfen wir nicht zu den Exzessen von vor ein paar Jahren zurückkehren, aber wir sollten auch nicht in einer Position sein, dass wir den jungen Fahrern der Ferrari-Akademie keine Testmöglichkeiten anbieten können."

Daneben hätte Montezemolo gerne auch eine Rückkehr der "Kunden-Autos", also der Möglichkeit, fertige Chassis-Elemente an kleinere Teams liefern zu dürfen. Zumindest in diesem Punkt könnte Ferrari mit Red Bull (will wieder mit Toro Rosso kooperieren) und McLaren (könnte Kunden-Autos an Marussia und/oder Force India verkaufen) zwei gewichtige Verbündete im politischen Duell mit Bernie Ecclestone haben.

Bis ein neues "Concorde Agreement" unter Dach und Fach ist, droht der Formel 1 ein heißer Tanz an den Verhandlungstischen.

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