Abschied von einer legendären Stätte?

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Sehen die Fans am Sonntag das letzte Rennen auf einer der legendärsten Strecken der Formel 1?

Glaubt man dem Säbelrasseln diverser rheinland-pfälzischer Regionalpolitiker, könnte der Nüburgring aus dem Rennkalender der Formel 1 verschwinden.

"Keine Formel 1 um jeden Preis", gab Wirtschaftsministerin Eveline Lemke von den Grünen schon vor dem GP-Wochenende die Kampfparole aus.

"Wir können die Formel 1 nicht um jeden Preis halten", betonte auch Jörg Lindner von der Nürburgring GmbH.

Der Hintergrund: Für 2013 muss mit Bernie Ecclestone ein neuer Vertrag ausverhandelt werden. Der soll aber geringere Gebühren umfassen, damit das Land Rheinland-Pfalz keine Steuermillionen zuschießen muss um das Defizit auszugleichen.

Ob sich Ecclestone, der im Regelfall bei neuen Verträgen die Gebühren anhebt, darauf einlässt ist äußerst unsicher.

Nicht nur für Fans im deutschsprachigen Raum wäre die Streichung des Nürburgrings ein herber Verlust. Denn die Strecke hat eine lange Tradition in der Königsklasse.

LAOLA1 blickt zurück auf die F1-Tradition am Nürburgring:

 

Das Rennen 2011 ist der 39. Auftritt der Formel 1 auf der Strecke. 22 Mal wurde auf der über 22 Kilometer langen Nordschleife gefahren, 17 Mal auf diversen Variationen des verkürzten GP-Kurses. Nur in Spa (44), Silverstone (45), Monte Carlo (58) und Monza (61) gastierte die Formel 1 noch häufiger als in de Eifel.

 

Der Nürburgring ist die einzige Strecke der Welt, die drei verschieden Grand Prix beheimatete. 25 Mal wurde der "Grand prix von Deutschland" ausgetragen, zwölf mal der "Grand Prix von Europa". 1997 und 1998 lief das Rennen unter der Bezeichnung "Grand Prix von Luxemburg".

 

So oft wie das GP-Prädikat wechselte auch die Position des Rennens im Kalender. Der früheste Zeitpunkt eines F1-Rennens am Nürburgring war der 7. Mai (2006), der späteste GP fand an einem 7. Oktober (1984 als vorletztrs Saisonlauf) statt.

 

Rekordsieger auf dem Traditionskurs ist Michael Schumacher mit fünf Siegen (1995, 2000, '01, '04 und '06). Auf der Nordschleife teilen sich Juan Manuel Fangio (1954-'57) und Jackie Stewart (1968, '71 und '73) den Rekord.

 

Lange fuhr die F1 auf der Nordschleife

Apropos Stewart: Dessen Rennstall landete am Nürburging 1999 durch Johnny Herbert seinen einzigen Sieg in der 49 Rennen umfassenden Team-Geschichte.

 

Die österreichische Hymne erklang erst einmal bei der Siegerehrung: Für Red Bull Racing als Winning Constructor bei Mark Webbers Sieg 2009. Österreichische Piloten konnten am Nürburgring nie gewinnen. Als bestes Resultat stehen dritte Plätze durch Jochen Rindt (1966 und '68) und Niki Lauda (1975) zu Buche. Lauda konnte aber immerhin zwei Mal (1974 und '75).

 

Niki Lauda erlitt auf dem letzten F1-Wochenende auf der Nordschleife am 1. August seinen folgenschweren Feuer-Unfall. Das Formel-1-Aus des 22 Kilometer langen Kurses war damals bereits besiegelt.

 

Fünf F1-Piloten überlebten ihre Unfälle in der "Grünen Hölle" nicht: Onofre Marimon († 31. Juli 1954), Peter Collins († 3. August 1958), Carel Godin de Beaufort († 2. August 1964), John Taylor († 8. September 1966 an Spätfolgen) und Gerhard Mitter († 1. August 1969). Mit fünf Todesfällen auf der Strecke hält der Nürburgring damit vor Monza und Silverstone (je 3) den traurigen Rekord. Alle Rennen der Geschichte zusammengenommen ließen bereits 76 Menschen am Nürburgring ihr Leben - der letzte erst 2010: Leo Löwenstein in einem Rennen zur deutschen Langstrecken-Meisterschaft.

 

Das schnellste Nürburgring-Rennen aller Zeiten lief 2001, als Michael Schumacher mit einem Schnitt von 204,143 km/h den GP in weniger als eineinhalb Stunden absolvierte.

Michael Höller

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