Erfolgreicher Neubeginn?

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Brennpunkte im Backofen von Sepang

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Der Große Preis von Malaysia verspricht mehr Spannung als der Saisonauftakt in Melbourne.

Und er bedarf auch wichtiger Vorausplanung: In der Nacht zum Sonntag findet nämlich die Umstellung auf die Sommerzeit statt, wer darauf vergisst oder die Uhr gar in die falsche Richtung dreht (die richtige Antwort lautet: nach vorne. Wir “verlieren“ also eine Stunde) verpasst den Start.

Wenn dann bereits Roberto Merhi im Manor das Feld anführt (analog zu Markus Winkelhock im Spyker, beim Großen Preis von Europa 2007), sind also nicht wir Schuld.

Was erwartet uns also im Backofen Sepang?

  • EINE ECHTE RENNSTRECKE

Im Grunde beginnt die Formel-1-Weltmeisterschaft in Sepang ein zweites Mal, da man die Erkenntnisse aus Australien nur bedingt auf andere Strecken umlegen kann.

Auf dem Stadkurs in Melbourne kämpfen die Fahrer mit der fehlenden Traktion, fehlende Motorleistung oder aerodynamische Problemen schlagen sich nicht so stark auf die Zeiten nieder wie auf anderen Kursen.

Ganz anders ist Sepang. Mit seinem tropischen Klima, den beiden langen Geraden und den schnellen Wechselkurven stellt der Kurs die Fahrer, die Motoren und das ganze Auto vor eine ganz andere Herausforderung.

Die Silberpfeile bleiben der große Favorit, doch dahinter könnte die Mercedes-Power Williams dabei helfen, den Ferrari-Piloten gefährlich zu werden. Ob die beiden Renault-befeuerten Red Bull Teams eine Chance haben, hängt wohl auch von den äußeren Bedingungen ab.

Spannend wird es auch für die wenig erfahrenen Piloten, auf die eine enorme körperliche Belastung wartet. Bei bis zu 40 Grad und einer wahnsinnig hohen Luftfeuchtigkeit raubt einem ein Rennen jede Menge Energie. Viele Fahrer sprechen vom härtesten Rennen des Jahres, bei dem auch die Fitness über den Rennausgang entscheidet. 

  • REGEN UND MEHR

Das Wetter könnte beim Großen Preis von Malaysia für zusätzliche Dramatik sorgen. Wenn der Himmel hier seine Schleusen öffnet, ist Chaos vorprogrammiert. Wenn es hier regnet, dann gewaltig.

Wie etwa 2012, als beim Sieg von Fernando Alonso das Rennen für über eine Stunde unterbrochen werden musste und man gerade noch unter der Vier-Stunden-Grenze blieb.

Da hier am späten Nachmittag gefahren wird, ist es auch keine Option eine Unwetterfront abzuwarten, da es danach zu dunkel wird. So wurde 2009 etwa nach 32 Runden abgebrochen. Da kein späterer Neustart mehr möglich war, wurde Jenson Button im Brawn-Mercedes zum Sieger erklärt.

Dabei gewinnt man heuer aber sogar eine Stunde, da nach dem letztjährigen Unfall von Jules Bianchi in Japan beschlossen wurde, keine Rennen mehr in der Dämmerung stattfinden zu lassen. Das Rennen startet nun um 15 Uhr Ortszeit.

2001 gab es im Regen von Sepang einen Sieg von Michael Schumacher, der vielen in Erinnerung geblieben sein dürfte, weil viele Fahrer anfangs auf Trockenreifen geblieben waren und es zu einem wahren Unfall-Spektakel gekommen war.

Die aktuelle Prognose von F1-Wetterdienst Ubimet:

Freitag: Unbeständig mit steigendem Schauer- und Gewitterrisiko am späten Nachmittag, vorraussichtlich erst nach beiden Trainings. Lufttemperatur: 34 Grad Celsius, Streckentemperatur: 60 Grad Celsius

Samstag: Schauer und Gewitter entwickeln sich früher. Wahrscheinlichkeit auf Regen zwischen 3. Training und Qualifying am höchsten. Lufttemperatur: 33 Grad Celsius

Sonntag: Anfangs sonnig, mit Fortdauer Schauer und Gewitter möglich. Lufttemperatur: 30 Grad Celsius

  • DIE RÜCKKEHRER

Ferrari-Pilot Fernando Alonso, der nach einem Testunfall in Australien nicht am Start stand, wird seine Saison in Sepang beginnen. Trotz Gehirnerschütterung nach seinem mysteriösem Crash fühlt er sich fit für seinen ersten Einsatz im McLaren. "Diese Strecke war immer einer meiner Favoriten", so der Spanier, der in Malaysia bereits dreimal gewinnen konnte - 2007 mit McLaren. Für sein Team gilt: Es kann nur besser werden. Immerhin ging Button in Australien als einziger Pilot, der ins Ziel kam, leer aus. Ersatzfahrer Magnussen schaffte es gar nicht erst zur Startlinie.

Im Melbourne-Qualifying ging Valtteri Bottas noch an den Start, doch Startplatz sechs musste der Williams-Pilot teuer bezahlen: Eine Rückenverletzung machte dem Finnen einen Strich durch die Rechnung, die Ärzte erteilten ihm ein Startverbot. Nun ist der 25-Jährige, dem in der vergangenen Saison mit sechs Podestplätzen der Durchburch gelang, umso heißer auf das Rennen in Malaysia. "Nach einem guten Saisonstart geht es nun nach Malaysia, wo wir in einer Position sein sollten, aus der wir mit beiden Autos viele Punkte gewinnen sollten", so Chefingenieur Rob Smedley. "Wir haben an allen Bereichen unserer Performance gearbeitet, um Rückstände aufzuholen, die wir in Australien noch hatten."

  • EIN ANFANG

Hurra, sie fahren doch! Es wird tatsächlich etwas mit dem Manor-Team. Nachdem Bernie Ecclestone dem Marussia-Nachfolger schon die Rute ins Fenster gestellt hat, antwortet Teamchef John Booth auf die Frage, ob man die Autos doch endlich auf der Strecke sehen wird: "Ja, 100 Prozent sicher". Woher diese Zuversicht? "Wir haben in Australien einige Fortschritte gemacht und die meisten Software-Pannen waren am Sonntagnachmittag behoben, weil wir keine Zeit verschwendet haben", so Booth. Der Aufbau des Autos habe gut geklappt, daher wolle man pünktlich zum ersten Training auf die Strecke gehen. Getestet hat man das neue Auto kaum bis gar nicht, somit kann das Ziel nur lauten, irgendwie innerhalb der 107-Prozent-Regel in Q1 zu bleiben.

  • EIN NEUANFANG

Nach dem Verbal-Gefecht zwischen Red Bull Racing und Renault will man auf der Strecke einen Schritt vorwärts machen. Renault-Sports-F1-Chef Cyril Abiteboul fordert erneut "Teamwork" ein: "Wir müssen zusammenarbeiten und die Probleme dadurch besser verstehen. Wir müssen beides ansehen. Die Power Unit und das Chassis." Einsatzleiter Remi Taffin schlägt versöhnlichere Töne an. Malaysia sei eine gute Gelegenheit für einen Neustart, meinte der Franzose und verspricht: "Unsere Designabteilung hat nonstop an Gegenmaßnahmen gearbeitet, um das zu verbessern, was in Melbourne nicht gepasst hat." Mal sehen, wie es nach dem Wochenende um die kriselnde Ehe bestellt ist...

  • KAMPF UM PLATZ 3

Platz eins und zwei scheinen von Lewis Hamilton und Nico Rosberg gepachtet zu sein. Nichtsdestotrotz tobt dahinter der Kampf um den dritten Platz auf dem Podium. In Australien hat Neo-Ferrari-Pilot Sebastian Vettel alles richtig gemacht, belehrte seine Kritiker eines Besseren und überraschte mit einem Podestplatz. Jedoch warnt Teamchef Maurizio Arrivabene vor übertriebener Euphorie: "Was wir wirklich wert sind, das wird sich erst in Malaysia zeigen. Das wird der wahre Test für Ferrari". Immerhin ist dann auch der wohl größte Konkurrent, Williams, wieder vollzählig am Start und auch McLaren-Honda will mit Hilfe von Fernando Alonso wieder voll angreifen. Red-Bull-Pilot Daniel Ricciardo hofft ob seiner überzeugenden Leistungen aus dem Vorjahr (3 Siege, 8 Podestplätze), auch darauf, ein Wörtchen mitreden zu können.

Ferrari-Nachwuchstalent Raffaele Marciello

  • SAUBERE SCHLAGZEILEN

Nach dem Hick-Hack um den Vertrag mit Giedo van der Garde legte Sauber den besten Saisonauftakt in der Geschichte des Schweizer Rennstalls hin.

Besonders beeindruckend war dabei der Neuling Felipe Nasr, der mit seinem fünften Platz zeigte, dass er wohl doch mehr als nur ein Pay-Driver ist.

Bei Sauber gibt man sich optimistisch, dass man diese Leistung in Sepang bestätigen kann. "Ich bin zuversichtlich, dass das Layout der Strecke unserem Auto gut liegt. Positiv ist die hohe Endgeschwindigkeit des C34 auf den Geraden, in den schnellen Kurven wäre aber mehr Abtrieb hilfreich", so Nasr.

Körperlich sollten beide Fahrer für das Abenteuer gerüstet sein, der Schwede Marcus Ericsson legte zur Vorbereitung sogar einen Zwischenstopp in Thailand ein, um bei tropischen Verhältnissen zu trainieren.

Insider freuen sich auch auf den Auftritt von Testfahrer Raffaele Marciello. Der 20-Jährige, der aus dem Ferrari-Nachwuchsprogramm stammt und als schnellster Fahrer der GP2 gilt, wird im ersten freien Training das Auto von Felipe Nasr übernehmen.

  • MEHR AUTOS IM ZIEL?

Der Australien-GP 2015 sorgte für einen traurigen Minusrekord. Seit 1958 haben nicht mehr so wenige Boliden ein Auftaktsrennen bestritten wie heuer: 15 Autos standen am Start, nur elf davon haben das Ziel erreicht. "Einfach schade, wenn nur 15 oder 16 Autos starten", bedauert auch Ex-F1-Pilot Nelson Piquet Jr. die geringe Anzahl der Konkurrenten. Mit Bottas und beiden Manors wächst das Starterfeld (theoretisch) wieder auf 20 Autos an. Nur: Wie viele kommen durch?

Unsere Tipps:

10 - Andreas Terler

11 - Alexander Neuper

14 - Henriette Werner

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