"Wir sind nicht gestresst"

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Kann Vettel Hamilton in China erneut fordern?

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Vielleicht hat Weltmeister Lewis Hamilton recht, wenn er sagt, dass die Bedeutung des Sieges von Sebastian Vettel in Malaysia überbewertet wird.

"Es liefen einige Dinge falsch, aber das ist kein großes Desaster. Man muss bedenken, dass es ein schwieriges Wochenende für uns war und wir wurden noch immer Zweiter und Dritter", erachtet der Brite den kleinen Rückschlag als wenig dramatisch.

Vielleicht handelt es sich aber auch nicht um Überbewertung, sondern schlicht und einfach um Erleichterung bei all jenen, die sich ob der Dominanz der Silberpfeile bereits vor erneuter anhaltender Langweile in der Formel 1 fürchteten.

Wichtig für den Sport

Sicher ist zumindest eines: Vettels Coup hat der Königsklasse gut getan.

"Ich war überrascht, wie viele andere auch. Ich dachte, Mercedes gewinnt jedes einzelne Rennen in diesem Jahr. Der Sport hat es gebraucht, dass irgendein Team den Anschluss schafft", bringt es Jenson Button auf den Punkt.

Er führt aus: "Es braucht mehr Wettbewerb an der Spitze, mehr als zwei Teamkollegen, die sich bekämpfen. Ich hoffe, der Kampf zwischen Ferrari und Mercedes geht so weiter."

Hamilton Rekordhalter in China

Mercedes selbst reagierte vor dem China-GP prompt mit einem Update - die Silberpfeile haben ihre Frontflügel stark überarbeitet - auf die unerwartet starke Konkurrenz.

Abgesehen davon liegt der Shanghai International Circuit dem amtierenden Weltmeister, hält er dort doch gleich mehrere Rekorde: Drei Siege, vier Poles, sechs Podiumsplätze und 141 Führungsrunden sind einsame Spitze.

Auch im Vorjahr holte Hamilton in Shanghai sowohl den Sieg, als auch die Pole vor seinem Teamkollegen Nico Rosberg. Vettel hingegen wurde hinter Vorgänger und Ex-Ferrari-Pilot Fernando Alonso und Ex-Red-Bull-Racing-Teamkollege Daniel Ricciardo nur Fünfter.

Die unendliche Geschichte

Hamilton, dessen Vertrag mit den Silberpfeilen Ende des Jahres ausläuft, lässt sich von seiner noch ungeklärten Zukunft eigenen Angaben zufolge nicht ablenken.

"Es ist das erste Mal, dass ich selbst verhandle, und man ahnt gar nicht, wie oft ich die rund 80 Seiten lesen musste. Es gibt so viel zu lesen, und das Ganze ist im Anwaltsjargon verfasst", so der 30-Jährige, der den Vertrag wohl so schnell nicht unterschreiben wird, sondern in China erst einmal sportlich zurückschlagen will.

Kein Druck

"Wir sind überhaupt nicht gestresst und werden einfach umso stärker zurückkommen", erklärt der Brite, der sich über die neue Konkurrenz freut und Ferrari durchaus als Bedrohung im Titelkampf ansieht. "In den letzten Jahren hatte Ferrari immer Probleme damit, seine Reifen auf Temperatur zu bekommen, doch das haben sie im letzten Jahr ganz gut gelöst."

Allerdings glaubt er auch, dass ihm das Wetter in die Karten spielen wird: "Das ist ein Rennen, bei dem es viel kühler ist als beim letzten."

Hamilton ist auf jeden Fall bereit für den Wettkampf: "Ich denke, es wird sehr interessant, ich freue mich auf das Rennen. Ferrari hatte eine beeindruckende Pace im letzten Rennen, hoffentlich bekommen die Fans ein Battle zwischen Sebastian und mir zu sehen."

Rosberg will um Sieg mitmischen

Doch es gibt jemanden, der etwas gegen dieses Duell haben könnte: Hamiltons Teamkollege Nico Rosberg.

Den Gerüchten, nach denen es nun eine Stallorder bei den Silbernen geben soll, um Ferrari weiter hinter sich zu lassen, widerspricht der Deutsche vehement. "Das ist absolut nicht der Fall. Es bleibt alles beim Alten", so der 29-Jährige, der heuer noch nicht um den Sieg mitfahren konnte. Sowohl in Australien, als auch in Malaysia verlor er gegen seinen englischen Stallrivalen. Auch Vettel hatte er zuletzt nichts entgegenzusetzen.

"Konstruktive Rivalität"

Dennoch bleibt Rosberg optimistisch: "Wir werden wieder einen engen Kampf sehen, die Rivalität zwischen Hamilton und mir geht weiter. Natürlich müssen wir auch ein Auge auf die Konkurrenz, vor allem auf Ferrari, haben, doch das ändert nicht viel. Unsere Rivalität war immer konstruktiv, auch wenn es einige schwierige Momente gegeben hat, wir pushen uns gegenseitig und bringen das Team weiter."

"Die Strecke in Shanghai hat mir schon immer gut gelegen. Dort habe ich 2012 meine erste Pole und meinen ersten Sieg geholt", fügt der Deutsche, der seinen "nicht perfekten Start" in sein sechstes Jahr bei Mercedes "an diesem Wochenende umkehren" will, hinzu.

Am Boden geblieben

Ferrari-Pilot Sebastian Vettel hebt indes nach seinem Sieg nicht etwa ab, sondern spielt seine Siegeschancen vor dem China-GP hinunter. Aufgrund der angesagten kühleren Temperaturen werde Mercedes wohl wieder die Pace setzen, stimmt er seinem Konkurrenten zu.

"Unser Ziel ist es weiterhin, uns hinter Mercedes als Nummer zwei zu etablieren und vor Williams und Red Bull zu bleiben."

Dabei soll die Lücke zu Mercedes kleiner und die zu den Teams dahinter naturgemäß größer werden. Dem vierfachen Weltmeister ist klar, dass bei seinem Sieg in Malaysia einige Faktoren zusammenspielten, so dass die Sensation möglich wurde. "Ich denke, dass einige Umstände zusammenkamen, die wir zu unseren Gunsten nutzen konnten. Dies kann in China schon wieder ganz anderes aussehen. Wir werden noch einige Hochs und Tiefs erleben, wobei wir uns natürlich mehr Höhepunkte wünschen."

Ferrari schraubt Ziele nicht hoch

Zwei Siege gab Arrivabene als Saisonziel aus. "Daran soll sich vorerst auch nichts ändern", stimmt Ferrari-Teamchef Maurizio Arrivabene seinem Schützling zu.

Doch Vettel weiß, wie es sich anfühlt, in Shanghai zu siegen. Wiederholt der Heppenheimer seinen Triumph von 2009, wäre dies ein historischer Erfolg, da er die 41 Siege von Ayrton Senna egalisieren würde. "Das war mir gar nicht klar. Ich kenne noch die 91 Siege von Michael Schumacher, aber die sind natürlich meilenweit entfernt. Mit Senna gleichzuziehen, ist für jeden Piloten eine Ehre, auch für mich. Gleichzeitig gebe ich nicht zu viel auf Statistika. Nicht etwa, weil ich die Rennhistorie nicht ehren würde, ganz im Gegenteil. Ich finde nur: die Vergleiche sind in vielen Belangen unfair. Früher gab es viel weniger Rennen als heute, also haben wir heute auch mehr Chancen zu gewinnen."

Emotionaler Vettel

"Wir wollen unsere guten Leistungen bestätigen, aber Mercedes ist noch immer in der besseren Ausgangsposition, also sollten wir mit den Füßen auf dem Boden bleiben", mahnt der Deutsche vor dem dritten Grand Prix der Saison zu Realismus.

Allerdings hat der 27-Jährige nun Blut geleckt und weiß, wie sich ein Triumph mit der Scuderia anfühlt.

"Wenn du einen Sieg für Ferrari einfährst, hissen sie am Eingang eine Flagge, die für den Rest des Jahres oben bleibt. Wir werden versuchen, dass bald eine weitere dort hochgezogen wird", sagt er. "Nach dem Sieg nach Maranello zu kommen und alle zu sehen, war etwas ganz Besonderes. Sie haben lange keinen Erfolg mehr gefeiert, es war sehr schön für uns alle, dieses Gefühl wieder zu verspüren."

Henriette Werner

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