"Ich kann's nicht glauben. Ich kann's nicht glauben"

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23 Mercedes-Pole-Positions in Serie sind genug.

Das dachte sich Ferrari-Pilot Sebastian Vettel eines schönen Samstags in Singapur. Der Deutsche durchbrach die Qualifying-Dominanz der Silberpfeile und bewies auf dem engen Stadtkurs sein außergewöhnliches Fahrvermögen.

"Ich kann's nicht glauben. Ich kann's nicht glauben", jubelte der vierfache Weltmeister über seine erste Pole seit Brasilien 2013.

Sein Rennstall hatte sogar noch länger darauf warten müssen: Seit 2012 in Hockenheim – und damit seit 61 Rennen - hatte kein Ferrari mehr auf der Pole gestanden.

Adrenalin pur

"Ich kann mich nicht daran erinnern, dass ich am Samstag schon mal so viel Adrenalin gespürt habe. Ich weiß, dass es erst Samstag ist und der Job erst morgen erledigt werden muss. Aber als ich gehört habe, dass wir es geschafft haben, war es ein toller Moment", war der 28-Jährige – mit drei Erfolgen Rekordsieger in Singapur – nach seiner fabelhaften Zeit von 1:43,885 Minuten ganz aus dem Häuschen.

Angesichts der Mercedes-Dominanz der vergangenen Monate kein Wunder. „Gestern dachte ich, dass sie bluffen", gestand Vettel in Anspielung auf die ungewöhnlich langsamen Zeiten der Silberpfeile auf dem Marina Bay Street Circuit im Freien Training am Freitag und Samstag.

"Ich dachte das auch noch heute Morgen, denn es gibt keinen Zweifel daran, dass sie im aktuellen Jahr das stärkste Paket haben. Sie haben ein sehr gutes Auto, einen sehr guten Antriebsstrang. Das wissen wir. Das sorgt für gewöhnlich dafür, dass sie weit vorne und schwer zu schlagen sind. Sie müssen ein paar Probleme damit haben, dass sie sich nicht richtig wohl fühlen. Das ist, glaube ich, die einzige Erklärung", versucht der Heppenheimer zu verstehen, wie es zu seiner Überraschungspole und der lediglich durchschnittlichen Leistung der Mercedes-Piloten – WM-Leader Lewis Hamilton wurde gerade einmal Fünfter, Nico Rosberg belegte Rang sechs - kommen konnte.

Kein Grip

"Wir haben einfach keinen Grip gefunden", so ein verblüffter Mercedes-Teamchef Toto Wolff. Vettel hingegen war von seinem „fantastischen Auto“ begeistert und wurde im Laufe des Qualifyings immer besser.

"Von dem Vorsprung bin ich überrascht", kam er aus dem Staunen gar nicht mehr heraus.

In der letzten Runde konnte er seine Bestzeit – die ebenso zur Pole gereicht hätte - sogar noch einmal verbessern und war letztendlich 1,415 Sekunden schneller als Hamilton.

"Wie die Faust aufs Auge"

"Es hat heute alles geklappt, am Ende bin ich eine fast perfekte Runde gefahren. Die Runde ist hier sehr lang und man kann schnell kleine Fehler einbauen. Aber die Runden haben heute gepasst wie die Faust aufs Auge", freut sich Vettel.

Teamkollege Kimi Räikkönen bestätigt auf Rang drei das starke Mannschaftsergebnis, das auch Ferrari-Teamchef Maurizio Arrivabene zu schätzen wusste.

"Wir sind wirklich stolz. Dafür arbeiten wir hart und es zahlt sich aus. Die Abstimmung war perfekt. Ich möchte daran erinnern, dass wir zwei perfekte Fahrer haben, die es umsetzen können", so der Italiener, der in dieser Saison bereits über Vettel-Siege in Malaysia und Ungarn jubeln durfte.

Auch Ricciardo hat gut lachen

Auf Rang zwei schob sich indes ein alter Bekannter: Red-Bull-Pilot Daniel Ricciardo – bis zur letzten Saison noch Vettels Teamkollege – überraschte mit seinem besten Qualifying-Ergebnis seit China 2014.

"Es ist schon witzig, dass ausgerechnet Seb und ich ganz vorne stehen“, konnte der Australier dem Quali-Ergebnis durchaus etwas abgewinnen.

"Dass kein Mercedes dabei ist, ist wohl für alle eine Überraschung. Wir dachten gestern noch, sie spielen nur“, ging auch er von einem Bluff der Silberpfeile aus.

Freie Fahrt bis zur 1. Kurve

Vettel startet also am Sonntag zum 46. Mal von der Pole. Angst davor, verlernt zu haben, wie es sich anfühlt, niemanden vor sich zu haben, hat er indes nicht.

"Es ist leichter, wenn du in der Aufwärmrunde niemanden vor dir hast. Da kannst du dein eigenes Ding durchziehen. Das ist nett. Es war ein hartes Stück Arbeit, aber jetzt haben wir freie Fahrt zur ersten Kurve."

Allerdings - siegessicher ist er absolut nicht, der Respekt vor den Silberpfeilen ist so groß wie eh und je: "Ich würde sie für morgen nicht abschreiben. Es ist nicht der einfachste Kurs, um zu überholen. Doch wenn man die Pace hat, kommt man vielleicht durch. Also erwarte ich, dass sie morgen stark sein werden."

 

Henriette Werner

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