Wenn einer gewinnt und alle verlieren

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Die unsaubere Geschichte geht weiter. Giedo van der Garde wird von der australischen Justiz auch im kurzfristig angesetzten Berufungsprozess rechtgegeben, sein Vertrag mit Sauber für die Saison 2015 ist damit gültig.

Dennoch sieht es weiterhin nicht danach aus, dass der 29-Jährige im Sauber Platz nehmen darf, denn auch Felipe Nasr und Marcus Ericsson haben gültige Verträge mit den Schweizern.

Wenn man es ganz genau nimmt, steht mit Adrian Sutil sogar noch ein vierter Fahrer unter Vertrag, der bisher aber keine rechtlichen Schritte eingeleitet hat.

Finanzielle Probleme als Auslöser

Der Grund für die Neuverpflichtungen beim Schweizer Rennstall am Ende der letzten Saison sind die schiefliegenden Finanzen. Nachdem im katastrophalen letzten Jahr keine Punkte eingefahren wurden, rutschte Sauber bei der Ausschüttung der Preisgelder deutlich ab, dadurch entstand ein großer Fehlbetrag im Budget.

Die Sponsoren von Felipe Nasr, der rund 17 Millionen Euro mitbringen soll, und Marcus Ericsson, seine Mitgift wird auf 14 Millionen Euro geschätzt, sollen bereit gewesen sein, große Teile dieser Beträge bereits im Vorfeld zu überweisen und den Fortbestand des Unternehmens somit zu sichern.

Weitere Streitigkeiten drohen

F1-Neuling Felipe Nasr hat nicht vor sein Cockpit zu räumen

Die Anwälte dieser beiden haben bereits klargestellt, dass ihre Mandanten nicht auf ihr Cockpit verzichten werden. Würde einer der beiden dazu gezwungen werden, droht Sauber damit der nächste kostspielige Rechtsstreit.

Auch zwei rein formelle Probleme stehen van der Garde im Wege: Einerseits hat man bereits die Frist versäumt, in der die Fahrer für das Rennen genannt werden müssen, andererseits fehlt ihm die für ein Antreten in der Formel 1 verpflichtende Superlizenz der FIA.

Fehlende Superlizenz

Diese muss jedes Jahr neu beantragt werden, der Fahrer benötigt dabei aber die Unterstützung des Teams. Zuerst muss ein Fahrer sich bei der nationalen Sportbehörde um eine A-Lizenz bemühen, das Team beantragt damit dann die Superlizenz bei der FIA.

Dieser Prozess nimmt im Normalfall zwei Wochen in Anspruch, kann im Falle eines erzwungenen Fahrerwechsels aber auch bis 48 Stunden vor der technischen Abnahme für das jeweilige Rennen erfolgen – was im Falle von van der Garde ebenfalls nicht mehr möglich ist.

Genehmigt ihm die FIA keine Ausnahme, ist definitiv kein Start in Australien möglich, die Schuld hierfür liegt aber erneut bei Sauber. Rennleiter Charlie Whiting wollte am Donnerstag jedoch nicht ausschließen, dass der Niederländer starten darf.

Kaltenborn wegen Rufschädigung angeklagt

Kaltenborn droht ein privater Rechtsstreit

Den Schweizern wird generell vorgeworfen auf Zeit zu spielen, van der Gardes Anwälte betonen aber, dass sie dafür sorgen werden, dass die gerichtlichen Anordnungen jedenfalls umgesetzt werden.

Für Freitagmorgen (10:30 Uhr Ortszeit) ist nun eine weitere Verhandlung angesetzt, bei der die Schweizer eine Liste abliefern müssen, auf der das gesamte Equipment, das nach Australien mitgebracht wurde, verzeichnet ist.

Zusätzlich bringen van der Gardes Anwälte eine Klage wegen Rufschädigung gegen Teamchefin Monisha Kaltenborn ein, die ihn am Mittwoch in einer Aussendung erneut als „Sicherheitsgefahr“ bezeichnet hatte, obwohl das Gericht diesen Vorwurf bereits als unzulässig abgewiesen hatte.

Auch Routinier Jenson Button findet deutliche Worte gegen diese Wortwahl der Österreicherin: "Mit dem Thema Sicherheit spielt man nicht. Wenn er fährt, ist das keine Sicherheitsfrage. Es ist unfair, das gegen ihn zu verwenden."

Beobachter gehen daher davon aus, dass eine Beschlagnahmung des Equipments oder gar eine Verhaftung von Monisha Kaltenborn im Raum stehen. Würde es dazu kommen, wäre das der Super-Gau für die Schweizer, die bei einem Nicht-Antreten ihren Fahrern, Sponsoren und der FIA gegenüber rechtsbrüchig werden würden.

Keine Lösung in Sicht

Was am Wochenende wirklich passiert, ob sich das Szenario vor dem nächsten Rennen wiederholt und wie sich Sauber überhaupt aus diesem Schlamassel befreien will, kann derzeit niemand beantworten.

Im Falle eines finanziellen Kollapses könnten die Übernahme-Gerüchte aus dem Vorjahr schnell wieder aktuell werden, der kanadische Milliardär Lawrence Stroll soll damals interessiert gewesen sein.

Unterstützung findet van der Garde unterdessen im Fahrerlager, seine Kollegen finden es richtig, dass er sich zur Wehr setzt und einfordert was ihm vertraglich zusteht. Es komme viel zu oft vor, dass Teams vertragsbrüchig werden oder Fahrer jahrelang auf ihr Geld warten müssten.

"Traurig, enttäuschend. Ein riesiges Chaos", formuliert es Nico Hülkenberg, der 2013 für Sauber gefahren ist und sich auch nicht überrascht von den Vorgängen zeigt.

Als großen Leidtragenden sehen die Piloten den Sport, der sich, wie Williams-Fahrer Felipe Massa betont, ohnehin nicht in seiner besten Verfassung befindet.

Die allgemeine Krisensituation in der Königsklasse lässt Hülkenberg aber nicht als Ausrede für die Handlungen des Rennstalls gelten: "Man kann die Situation des Sports nicht als Entschuldigung nutzen, um so zu handeln und solche Sachen zu machen. Das ist glaube ich kein Geschäftsgebaren."

 

Alexander Neuper

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