Ist Red Bull Racing ein schlechter Verlierer?

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In der Saison 2014 hatte das erfolgsverwöhnte Red-Bull-Racing-Team eine ziemliche Abreibung von Mercedes bekommen, heuer sollte alles besser werden.

Doch bereits der Saison-Auftakt in Australien zeigte, dass es sogar noch wesentlich schlimmer als im Vorjahr kommen könnte.

Von der im Winter angekündigten "engen Zusammenarbeit" mit Motoren-Partner Renault war auf der Renn-Strecke nichts zu sehen, dafür wurden die Franzosen von Helmut Marko und Christian Horner mehrfach öffentlich gescholten.

Die Aggregate hätten nicht die versprochene Leistungssteigerung von rund 50 PS, sondern würden sich noch auf Vorjahresniveau bewegen, die Haltbarkeit, die auch im letzten Jahr schon zu Problemen geführt hatte, habe nochmals nachgelassen und die Fahrbarkeit des Motors sei verheerend.

Der erste Beweis dafür wurde bereits im freien Training geliefert, der Motor in Daniel Ricciardos Boliden hielt gerade einmal 50 Kilometer – "eine Katastrophe" laut Helmut Marko, muss man doch in der Saison 2015 mit nur vier Motoren sein Auslangen finden.

Christian Horner forderte nach dem Rennen die FIA auf, bei den Motoren einzugreifen, um die Wettbewerbsfähigkeit innerhalb der Formel 1 zu sichern und eine weitere von Mercedes dominierte Saison zu verhindern.

Das führt uns zur LAOLA1-Frage der Woche: Sind die Bullen schlechte Verlierer?

Gewinnt derzeit weder Rennen noch Beliebtheitspreise

Don't hate the player - hate the game

Ein Kommentar von Alexander Neuper

Die Sorge um die Ausgeglichenheit in der Formel 1 kauft man Red Bull Racing nicht ab, denn diese hat sie während ihrer vier dominanten Jahre ebenfalls nicht interessiert.

Natürlich geht es um ihre eigene Haut und in dieser Situation nutzt jedes Team alle Möglichkeiten, die es zur Verfügung hat.

Immer, wenn ein Formel-1-Team etwas gefunden hat, was einen massiven Performance-Vorteil verspricht, reagiert die gesammelte Konkurrenz auf die gleichen zwei Arten: Sie kopiert die Technologie oder sie sorgt dafür, dass sie verboten wird.

Red Bull steht derzeit vor dem Problem, dass das eingefrorene Motoren-Reglement nur eine festgeschriebene Anzahl an Änderungen erlaubt. Dies verhindert, dass Renault den Rückstand auf Spitzenreiter Mercedes aufholen kann.

Die Bullen wissen schon jetzt, dass diese Saison für sie gelaufen ist und ohne Regeländerung wird es wohl auch 2016 nicht anders aussehen.

Ein Wechsel des Motoren-Partners käme wohl nur dann in Frage, wenn sich die Volkswagen-AG, sei es mit VW oder mit Audi, entschließt, in der Formel 1 anzutreten. Man darf bezweifeln, dass Mercedes oder Ferrari einen direkten Gegner mit Triebwerken ausstatten würden, der bekanntlich die besten Autos im Fahrerfeld baut.

Doch am Beispiel von Honda ist recht gut zu erkennen, wie schwer und teuer es ist, unter dem aktuellen Reglement einen konkurrenzfähigen Motor zu entwickeln.

Wenn Horner und Marko, die dafür keine Sympathie-Preise gewinnen werden, in jedes Mikrophon, das ihnen entgegen gehalten wird, jammern und Regeländerungen fordern, machen sie dies nicht, weil sie schlechte Verlierer sind, sondern weil sie Politik betreiben.

Ein Big-Player, der seine Unzufriedenheit vor einem Millionenpublikum kundtut, schadet der Marke "Formel 1" und mindert deren Werbewert.

Damit setzt man nicht nur die Entscheidungsträger der FIA unter Druck, sondern auch die Entscheidungsträger von Mercedes, die in Stuttgart darüber entscheiden, ob sich ihr hunderte Millionen Euro teures F1-Engagement wirtschaftlich bezahlt macht.

Auch Verlieren gehört zum Sport

Nur noch im Jammern weltmeisterlich

Ein Kommentar von Christoph Nister

Red Bull Racing ist Weltmeister. Nicht in der Fahrer- oder Konstrukteurswertung, sondern im Jammern. In dieser Sonder-Kategorie sind die "Bullen" der Konkurrenz ähnlich weit voraus wie früher auf der Strecke.

"Der Motor ist unfahrbar", schimpfte Teamchef Christian Horner, "bevor Renault die Probleme nicht versteht, kann man nichts machen."

"„So kann es nicht weitergehen", ergänzte Motorsport-Berater Helmut Marko.

Der Schuldige an der schwachen Performance beim Saisonauftakt in Melbourne war schnell ausgemacht. Von der "engeren Zusammenarbeit" mit dem Motoren-Lieferanten war nichts zu sehen. Stattdessen wurden die Franzosen medial vernichtet und zum alleinigen Sündenbock erklärt.

Selbst die starke Leistung von Konkurrent Sauber redeten die Team-Bosse mies. "Ich glaube nicht, dass sie zwischen dem Vorjahr und dem aktuellen Auto so viel beim Chassis gefunden haben", unkte Horner. Die klar zu erkennenden Fortschritte seien einzig dem starken Ferrari-Motor zu verdanken.

Red Bull Racing präsentiert sich als derart schlechter Verlierer, dass es geradezu peinlich ist. Anstatt geschlossen als Team aufzutreten, wie es Schlusslicht McLaren-Honda vorlebt (Magnussen: "Wir werden daraus lernen und bleiben positiv gestimmt"), sucht man nach Ausflüchten, um eigene Fehler zu kaschieren.

Selbst im Bereich der Aerodynamik, jahrelang RBR-Domäne, ist kein Vorsprung mehr zu erkennen. "Es geht um die Formel 1, die in dieser Form vom Reglement gekillt wird. Es stellt sich die Frage, ob man überhaupt weitermacht", thematisierte Marko sogar einen Rückzug aus der Königsklasse.

Toto Wolff ist schon nach dem ersten Rennen genervt. "Ich kann ihnen nur empfehlen, sich verdammt noch mal zusammenzureißen und ihre Probleme selbst zu lösen."

Dem Mercedes-Boss ist beizupflichten, die Verantwortlichen sollten sich darauf besinnen, was sie jahrelang auszeichnete: Härter arbeiten als die Konkurrenz und Leistung für sich sprechen zu lassen. Dann klappt's beim Jammer-Weltmeister auch wieder auf der Rennstrecke.

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