28 Tage später

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So kommen die Teams zurück aus der Sommerpause

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Man kann es Lewis Hamilton ansehen: 28 Tage sind genug.

Die Formel 1 kehrt nach ihrer Sommerpause zurück und startet an diesem Wochenende in Spa in ihre entscheidende Phase.

Der Favorit ist nach wie vor der gleiche, nur welcher der beiden Mercedes-Piloten erwischt den besseren Start in einen heißen Herbst?

Und wie sieht es dahinter aus? Kommt Daniel Ricciardo dem Führungsduo noch nahe? Sorgt Williams weiter für Furore? Kann Ferrari doch noch ein Rennen gewinnen?

All das gilt es in den nächsten Monaten zu klären. Wie die Teams aus der Sommerpause kommen, lest ihr hier.

Allen schockierten Hamilton-Fans sei noch gesagt: Keine Angst, der Brite ist kein Freund des ungepflegten Rauschebarts. Er war es nur für einen Werbedreh.

MERCEDES: NÄHER AM LIMIT

Es ist kaum zu glauben. Seit über einem Monat hat Mercedes kein Formel-1-Rennen mehr gewonnen. Spaß beiseite - die Silbernen sind natürlich auch nach der Sommerpause der große Favorit. Im Verlauf der bisherigen Saison hat sich der Kampf zwischen Nico Rosberg und Lewis Hamilton aber verändert. Schuld daran ist die stärker werdende Konkurrenz, vor allem jene aus dem Hause Williams. "Wir haben unsere Herangehensweise bereits angepasst, als wir gesehen haben, wie nah Williams an uns herangekommen ist", erklärt Motorsportchef Toto Wolff bei "formula1.com". Bei einem klaren Vorsprung könne das Team mehr auf Temperaturen und Druck achten, wenn die Konkurrenz aber im Nacken sitzt, müssen beide Fahrer Vollgas geben. Das kann durchaus zu Spannungen führen, wie man sie bereits erlebt hat. Wolff glaubt aber nicht an ein Hass-Duell à la Senna versus Prost. "Nicht mit diesen beiden", so der Wiener. Statistisch lautet der Favorit in Spa Hamilton. Während der Brite auf der Ardennen-Achterbahn schon einmal gewann und zwei Mal Dritter wurde, schaffte es WM-Leader Rosberg noch nie auf das Podest.

RED BULL RACING: ROCHADEN UND VETTEL-KRITIK

Unterschiedlicher als beim Weltmeisterteam könnte die Ausgangslage beider Piloten kaum sein. Während Daniel Ricciardo zum Star mit Siegerqualitäten avancierte, tritt Vierfach-Champion Sebastian Vettel auf der Stelle. Der Heppenheimer musste viel Kritik einstecken - zu viel, wenn es nach Motorsportberater Helmut Marko geht. "Bei Vettel lag es zum größten Teil daran, dass es extreme Zuverlässigkeitsprobleme mit seinem Auto gab, und wenn es dann mal lief, hatte er Pech. Ein schlechterer Fahrer als zuvor war er jedenfalls nicht", sagt der 71-Jährige in der "Sport Bild". Für die zweite Saisonhälfte hat er große Erwartungen an seinen Schützling: "Sebastian kann wie kaum ein anderer seine Batterien neu aufladen. Es war extrem, wie er sich in den letzten Jahren gerade nach der Sommerpause steigern konnte." Das soll auch dem Team gelingen. Allerdings muss man ab 2015 auf den Großteil der Dienste von Adrian Newey verzichten. Das Superhirn bleibt zwar offiziell der Technische Verantwortliche, viele seiner Agenden werden dann aber von mehreren Personen übernommen. "Wir werden keinen Technikchef ernennen", erklärt Teamchef Christian Horner.

FERRARI: VERÄNDERTES AUSSEHEN

Der Kampf gegen das Versagen geht weiter. Noch hat die Scuderia acht Chancen, um die erste sieglose Saison seit 20 Jahren zu vermeiden. Nur wie? Personell versucht man zumindest einiges. Nach Teamchef Stefano Domenicali musste auch Motorenchef Luca Marmorini den Hut nehmen. Marco Mattiacci kündigt nun weitere Veränderungen an. "Ich weiß nicht, ob man die Veränderungen groß nennen kann, aber sie werden wichtig sein. Ich denke, dass Ferrari anders aussehen wird. Und die Geschichte wird zeigen, ob wir auch besser sein werden." Zuversicht klingt anders. Zumindest in punkto Kommunikation soll sich einiges tun. "Ich mag es nicht, wenn die Motorenleute in den ersten fünf Minuten mit mir über das Chassis reden. Und ich mag nicht, dass die Chassisleute über Motoren reden. Wir reden über das Auto", stellt der 43-Jährige klar. Hoffentlich wird nicht nur geredet, sondern auch gehandelt. Sonst werden Fernando Alonso und Kimi Räikkönen den vorderen Plätzen weiter hinterher fahren. Letzerer glaubt in dieser Saison nicht mehr an ein Wunder. Aber spätestens im nächsten Jahr will man wieder ganz vorne mitmischen.

WILLIAMS: VIEL LOB UND HOFFNUNG

Bei Williams besteht kaum ein Grund für Veränderung. Oft war man hinter Mercedes die zweite Kraft, auch wenn die Konstrukteurs-Wertung mit Platz vier etwas Anderes sagt. "Wir kommen ihnen näher, was für uns wirklich ermutigend ist, bei all unseren Bemühungen", sagt Rob Smedley bei "ESPN F1". Gerade die nächsten beiden Rennen scheinen wie gemacht für weitere Erfolge, kommt es doch in Spa und Monza besonders auf die Höchstgeschwindigkeit an. "Diese Strecken sollten uns liegen. Wir müssen das nutzen und uns in eine gute Position bringen", so Smedley, der die Qualitäten beider Piloten besonders lobt. "Es ist enorm wichtig, dass wir zwei Fahrer haben, die das Team über ihre eigenen Bedürfnisse stellen und Felipe und Valtteri machen genau das." Ein Top-Ergebnis in Belgien wäre durchaus von historischer Bedeutung. Seit 2002 stand nämlich kein Williams-Pilot mehr am Spa-Podest.

FORCE INDIA: EIN STARKER KUNDE

Wie Williams profitieren auch die Inder von der gut funktionierenden Mercedes-Power-Unit in dieser Saison - wenn auch nicht in dem Ausmaß wie der Rennstall aus Grove. Besonders stolz ist man aber darauf, derzeit von McLaren zu liegen - auch wenn es nur ein Punkt ist. "Sie haben mehr Ressourcen, einen besseren Windkanal, einen besseren Simulator - und so weiter", meint Betriebsdirektor Otmar Szafnauer gegenüber "Formula1.com". Dass man dennoch vor McLaren liegt, begründet der Rumäne mit der frühen Entscheidung im Vorjahr, sich auf 2014 zu konzentrieren. "Hätten wir später angefangen, wären wir nicht in der Lage gewesen, herumzuexperimentieren, um herauszufinden, in welche Richtung wir gehen mussten", so Szafnauer. Das Ziel lautet, noch in die Nähe von Konstrukteurs-Platz vier zu kommen. Darauf fehlen derzeit aber 37 Zähler.

MCLAREN: ZEITEN DES UMBRUCHS

Leicht hat man es derzeit nicht bei McLaren. Parallel zur aktuellen Saison ist die Umstellung auf die neuen Motoren von Honda ab dem kommenden Jahr bereits voll im Gange. Personell wird sich ebenfalls einiges tun. "Es wird dauern und ein paar Egos verletzen, denn wir müssen ein Buch schließen und ein anderes aufschlagen. Wir wollen wieder so erfolgreich wie früher sein, denn McLaren hat ein sehr erfolgreiches Erbe", meint Teamchef Eric Boullier bei "Autosport". Heuer hat man zumindest phasenweise den Anschluss an die Spitze gefunden. Man wird sehen, wie sehr die laufende Umstrukturierung die Performance beeinflussen wird. "Ich rechne damit, dass das Team nächstes Jahr viel stärker sein wird", sagt Boullier, der für die kommenden Rennen eher verhalten optimistisch ist. "In Spa und Monza fahren alle Teams mit einem speziellen Downforce-Paket, also werden wir nicht vor Singapur ein klareres Bild von unseren Fortschritten erhalten", erklärt der 40-Jährige.

TORO ROSSO: VERGNE AUF BEWERBUNGS-TOURNEE

Viel Schwung hat das F1-Transferkarussell noch nicht aufgenommen, doch ein Pilot hat schon am Schleudersitz Platz genommen. Jean-Eric Vergne muss das Team durch die Verpflichtung von Max Verstappen am Ende des Jahres verlassen. Es ist ein Neustart für den Franzosen, der jetzt alles herausholen muss, um auch im nächsten Jahr noch in der Königsklasse fahren zu dürfen. Er selbst glaubt fest daran. "Ich arbeite bereits auf 2015 hin. Ich will in der Formel 1 noch einiges zeigen", meint Vergne, der in Spa auf wechselhafte Bedingungen hofft. "Regen an einem Ende der Strecke, trockene Fahrbahn am anderen Ende - diese Herausforderung mag ich", sagt der 24-Jährige. Auch Teamkollege Daniil Kvyat mag den wilden Ritt in Belgien. Im Vorjahr hat er einen der beiden GP3-Läufe gewonnen. "Es ist ganz klar eine meiner Lieblingsstrecken", sagt der Russe.

LOTUS: NEUE TEILE, NEUES GLÜCK?

Die Hoffnung stirbt zuletzt. Zumindest bei Lotus. Nach mageren acht Pünktchen soll eine Menge an neuen Teilen in Spa den erhofften Umschwung bringen. Im Fokus stehen Vorder- und Heckflügel-Entwicklungen sowie kleinere Modifikationen um die Vorderseite des Chassis. Die kommenden Tage werden zeigen, was die neuen Teile dem krisengeschüttelten Rennstall bringen können. Besonders Romain Grosjean wäre ein Erfolgserlebnis zu vergönnen, erlebte er nach einer starken zweiten Saisonhälfte 2013 heuer bislang ein rabenschwarzes Jahr. Noch ist nicht sicher, wo der Franzose in Zukunft fahren wird. Er will mit seiner Entscheidung warten, "solange Optionen offen sind". Heißt konkret: Solang der Motoren-Deal mit Mercedes nicht vertraglich fix ist, wird er keine Unterschrift in Enstone leisten.

MARUSSIA: BIANCHI WILL MEHR UND FARCE UM CHILTON

Der kleine Sieger der bisherigen F1-Saison heißt Marussia. Durch Jules Bianchis Leistung in Monaco steuert das Team derzeit auf Konstrukteurs-Platz neun zu - was eine Sensation wäre. Kann der Franzose seine Leistungen bestätigen, steigt er im nächsten Jahr vielleicht schon in ein anderes Cockpit. Am naheliegendsten wäre natürlich ein Aufstieg zu Ferrari, wird er doch vom Team aus Maranello gefördert. Die Scuderia dementiert aber Trennungs-Gerüchte um Fernando Alonso und Kimi Räikkönen. "Ich möchte an einem Ort sein, wo ich um Punkte kämpfen kann. Es kann auch hier sein, denn wenn einige Leute in das Team investieren, können wir einen besseren Job machen und schneller sein", stellt er klar. Möglicherweise könnte ihn ein Zwischenschritt auch zu Sauber führen. Die Entscheidung liegt bei Ferrari. "Es ist in ihrem Interesse, mich an einen besseren Ort zu bringen", sagt Bianchi. Nachdem das Team am Donnerstag bekanntgab, dass Max Chilton aufgrund von Vertragsproblemen pausiert und Testpilot Alexander Rossi fährt, ist am Freitag wieder alles anders. Ab dem zweiten Training am Nachmittag wird doch der Brite am Steuer sitzen und den Rest des Wochenendes bestreiten. Laut Chiltons Agentur verhandle Marussia mit mehreren neuen Investoren. Hier scheint es nun schneller zu einer Einigung gekommen zu sein, als erwartet.

SAUBER: SCHLECHTE VORZEICHEN

2014 war bislang aus Sauber-Sicht alles außer zufriedenstellend. Dass sich das Blatt ausgerechnet in Spa wendet, wäre im Hinblick auf die Ergebnisse in den vergangenen Jahren eine Sensation. Schon seit vier Jahren warten die Schweizer in Belgien auf Zählbares. Immerhin verpasste Adrian Sutil im letzten Rennen vor der Sommerpause den ersten Saisonpunkt um weniger als eine Sekunde. Selbst kann der Gräfelinger durchaus auf gute Leistungen zurückblicken. "In der Vergangenheit habe ich auf dieser Strecke oft gute Ergebnisse erzielt und entsprechend viele schöne Erinnerungen an die Strecke", erzählt der 31-Jährige. Esteban Gutierrez hingegen hat weder in der GP2, noch in der Formel 1 belgische Punkte erobern können. Vielleicht kann ja ein wenig Regen die Sauber-Piloten endlich wieder in die Top-Ten spülen.

CATERHAM: EIN ALTER DEBÜTANT UND EINE NEUE NASE

Von Ruhe war bei Caterham in der Sommerpause keine Rede. Es hat sich einiges getan beim Nachzügler - allen voran am Fahrersektor. Kamui Kobayashi wurde kurzerhand aussortiert. Für vorerst ein Rennen steigt nun der dreifache Le-Mans-Champion Andre Lotterer ins Cockpit. Während sich der Deutsche auf eine seiner Lieblingsstrecken freut, zeigt sich der Japaner sehr enttäuscht darüber, nicht in Belgien fahren zu dürfen. Ob der 27-Jährige in Monza wieder Runden drehen darf, ist noch offen. Für diesen kurzfristigen Fahrer-Tausch hagelt es heftige Kritik vom ehemaligen Technik-Chef bei Caterham, Mike Gascoyne. "Es ist eine Schande, dass Kamui nicht in Spa fahren darf. Er war die einzige Hoffnung auf Platz zehn in der Konstrukteurs-WM. Die Entscheidung ist einfach nur typisch für das neue Management", schimpft der Brite via "Twitter". Weniger Kritik gibt es vielleicht für die neue Nase des Boliden, die man in Spa einsetzen will. Sie soll Teil eines Innovationspakets sein, mit dem man noch einmal durchstarten will. Wir sind gespannt...

 

Andreas Terler

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