Renault will zurück

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Renault vor Rückkehr? Marko: "Es laufen Gespräche"

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"Das ist sehr schmerzvoll!"

So erklärte Red Bulls Motorsportdirektor Helmut Marko den "Schock", den man durch die anhaltenden Renault-Motorenprobleme beim WM-Auftakt der Formel 1 in Melbourne erlitten hat.

Dennoch agieren die Österreicher momentan enger denn je mit den Franzosen. Denn Renault erwägt die Rückkehr als Hersteller und hat auch ein Auge auf Toro Rosso geworfen.

Diesbezügliche Verhandlungen haben in Australien sowohl Teamchef Franz Tost als auch Marko bestätigt.

"Kann sein, dass Autos ganz in Gelb fahren"

"Es stimmt, dass wir mit Renault über eine andere Form der Kooperation bezüglich Toro Rosso sprechen. Es kann sein, dass die Autos komplett in Gelb fahren oder es kann auch überhaupt eine Übernahme durch Renault geben", sagte Marko in Melbourne gegenüber der APA - Austria Presse Agentur.

Renault hat als Hersteller große Erfolge gefeiert, so wurde etwa Fernando Alonso auf dieser Marke zwei Mal Weltmeister. Derzeit sind die Franzosen in der Formel 1 "nur" Motoren-Lieferant und mit dieser Rolle offenbar nicht mehr ganz glücklich.

Mit Red Bull Racing ist man von 2010 bis 2013 vier Mal in Folge Weltmeister geworden, die Überlegenheit ist aber nach dem Wechsel zu einem V6-Turbo-Hybridkonzept auf Mercedes übergegangen.

Die aktuellen Renault-Antriebsstränge hingegen schwächeln, obwohl man sich 2015 auf die beiden Mateschitz-Teams konzentriert und Red Bull Racing nun mehr Mitspracherecht hat.

Entwicklungen des Motors erst im Sommer

Der aktuelle WM-Start in Australien war trotz angeblicher Verbesserungen zunächst von großen Problemen gekennzeichnet. Der erste Motor von Daniel Ricciardo etwa ging schon nach wenigen Kilometern kaputt.

Verbesserungen sind derzeit offenbar aber gar nicht das Thema. "Wir müssen einmal das, was wir haben, zum Laufen bringen", sagte Marko vor dem Auftakt-Rennen in Australien zu den aktuellen Irritationen.

Laut dem Motorsport-Berater korrelieren die Prüfstand-Daten nicht mit jenen auf der Rennstrecke. Weiterentwicklungen würden wohl erst im Sommer möglich sein, fürchtet Marko.

Der französische Autohersteller will aber zumindest in der Formel 1 ohnehin wieder mehr und ist an Teams wie Toro Rosso interessiert. Wie schnell das gehen könnte? "Es laufen Gespräche", so Marko.

Verkauf an VW? "Keine Gespräche!"

Die Scuderia Toro Rosso, bei der 2015 mit Carlos Sainz (20) und Max Verstappen (17) zwei Riesen-Talente fahren, wäre zweifellos eine gute "Braut".

Das zweite Team von Red-Bull-Chef Dietrich Mateschitz ist schuldenfrei, der STR10 höchst gelungen. Im Sommer werden am Firmensitz in Faenza in Italien neue Gebäude fertig. "Toro Rosso wäre von den eventuell zu habenden Teams ganz sicher die beste Frau", ist auch Marko überzeugt.

Dass es selbst beim mehrfachen Weltmeisterteam Red Bull Racing drastische Änderungen geben könnte, war im Winter eines der heißesten Gerüchte gewesen.

Angeblich habe auch der VW-Konzern mit der Marke Audi ein Auge auf die Formel 1 und da auch auf Red Bulls Einserteam geworfen, hatte es geheißen.

Für Marko sind dies nur Gerüchte. "Es hat keine Gespräche gegeben und Ausverkauf haben wir auch keinen", wiederholte er, was schon Mateschitz dazu gesagt hatte.

Karten-Verkauf verläuft auch in Österreich schleppend

Das ändert aber nichts daran, dass man bei Red Bull seit längerem nicht nur mit den PS-schwachen Motoren kämpft.

"Die Formel 1 hat dringendenden Erneuerungsbedarf", sprach Marko aktuelle Problemfelder wie das Marketing und die neue, teure und komplexe Motorengeneration an.

Bei Red Bull ist man überzeugt, dass auch das Marketing in der Formel 1 nicht mehr zeitgemäß ist.

Die rückläufigen Zuschauerzahlen - besonders schlimm war es zuletzt ausgerechnet in Deutschland gewesen - seien ein starkes Zeichen dafür. Ausnahmen sind Rennen wie Australien, Singapur, Silverstone oder in Österreich, das 2014 bei der Rückkehr in den WM-Kalender ausverkauft war.

Für 2015 verläuft aber selbst in Österreich der Vorverkauf vorerst nur schleppend. Für Marko ist das u.a. wegen der drückenden Mercedes-Überlegenheit keine allzu große Überraschung.

Man werde aber umfangreiche Maßnahmen setzen und das Rennen am 21. Juni auf dem Red Bull Ring werde sicher wieder eines der bestbesuchten Rennen sein, versprach Marko.

Marko fordert günstige Biturbo-Motoren

An diesem Sonntag etwa wurde in Australien der Startschuss für die einmonatige Anmeldefrist für die Formula Unas gegeben. Zwei Mädchen waren deshalb als "Botschafterinnen" nach Melbourne gekommen. Im Vorjahr hatten sich tausend Kandidatinnen für die 50 Plätze beworben.

Auch für das erfolgreiche österreichische Formel-1-Team gilt vorrangig, dass der Millionen-Aufwand mit dem Werbeergebnis stimmig sein muss.

Auch Red Bull ist deshalb für eine Kostenreduzierung und schlägt günstigere Biturbo-Motoren, Einheits-Software oder die Abschaffung der Windkanäle vor.

Letzteres alleine würde laut Marko insgesamt 20 Millionen bringen. "Die Formel 1 muss das geilste, kräftigste und schnellste Paket sein", schwebt Marko vor.

Änderungen, die laut Marko bis längstens 2017 eintreten müssten. Das hat zwar nicht zwingend etwas mit eventuellen Ausstiegs-Überlegungen von Red Bull zu tun, man steht dem Thema aber offen gegenüber.

Marko: "Wenn für Red Bull die Relation zwischen den Kosten und dem Output nicht stimmt, ist nicht gesagt, dass wir ewig weitermachen."

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