Feier-Frust vs. Titel-Lust

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Gelassenheit bei Hamilton & Feier-Unlust bei Rosberg

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Erst der Konstrukteurstitel beim Großen Preis von Sotschi, eine Woche darauf der DTM-Titel von Pascal Wehrlein – eine Feier jagt bei Mercedes zur Zeit die nächste.

Am kommenden Wochenende beim Großen Preis der USA hat Nico Rosberg jedoch keine Lust, eine erneute Pokalfeier über sich ergehen zu lassen.

Würde dies doch bedeuten, dass Teamkollege Lewis Hamilton seinen dritten Weltmeister-Titel bereits in Austin fixiert hätte.

Kein Aufstecken

Das will der Deutsche "auf jeden Fall" vermeiden – dafür muss er jedoch auf dem Circuit of the Americas vor seinem Teamkollegen ins Ziel kommen.

"Ich habe schon in Sotschi versucht zu gewinnen, aber das ging voll in die Hose. Jetzt muss es wieder gelingen“, gibt sich der Wiesbadener kämpferisch. Immerhin: Rein rechnerisch hat auch er noch immer eine kleine Chance auf den Titel.

"Ich denke überhaupt nicht an den Vizetitel, weil ich um den Titel kämpfe. Im Moment ist es noch eine realistische Option, zu gewinnen. Der Abstand auf Lewis ist groß, aber es ist rechnerisch noch möglich, deswegen gebe ich weiter Vollgas."

Bis zum bitteren Ende

Doch selbst wenn Rosberg, der in dieser Saison drei Erfolge einfahren konnte, alle vier noch ausstehenden Rennen für sich entscheidet, müsste Hamilton noch immer patzen, damit es für den WM-Titel reicht.

"Der Titel für mich in weite Ferne gerückt", gibt der Deutsche auch zu, will aber "bis zuletzt Vollgas geben. Es gehört nicht zu meiner Art, aufzugeben oder klein beizugeben."

Dies schätzt auch Mercedes-Motorsport-Chef Toto Wolff an ihm: "Bei Nico spielte Pech in diesem Jahr eine große Rolle und er hat nun einen sehr steilen Berg zu erklimmen. Aber er ist ein Kämpfer und wir haben oft gesehen, wie er bis zum bitteren Ende gekämpft hat."

Doppel-Sieg in Gefahr

Realistisch betrachtet wird es für den 30-Jährigen jedoch eher im Duell mit Landsmann Sebastian Vettel um Rang zwei gehen, denn vor dem 16. Saison-Rennen beträgt Hamiltons Vorsprung auf den zweitplatzierten Ferrari-Piloten bereits 66 Punkte. Rosberg liegt aufgrund seines Ausfalls in Sotschi erst dahinter auf Rang drei, sein Rückstand beträgt gar 73 Zähler.

Der dritte Titel für den Briten ist somit fix, sobald Hamilton in Austin gewinnt und Vettel nicht Zweiter wird (Hamilton muss neun Zähler mehr holen als Vettel sowie zwei mehr als sein Teamkollege).

Vorsichtiger Hamilton übt mit Hund

Für den aktuellen Weltmeister spricht zudem, dass er bei vier Starts den Großen Preis der USA dreimal für sich entscheiden konnte. Dennoch stapelt er ungewöhnlich tief. "Ich weiß aus Erfahrung, dass in unserem Sport nichts erledigt ist, bis es wirklich soweit ist. Aus diesem Grund werde ich an diesem Wochenende nichts als selbstverständlich ansehen. Ich gehe dieses Rennen genauso an wie alle anderen in diesem Jahr auch."

Druck, den Titel bereits in den USA einzufahren, macht er sich nicht. "Mir bleiben vier Rennen, um die Weltmeisterschaft abzusichern und es zählt nur, dass mir das bis zur Zieldurchfahrt in Abu Dhabi gelingt. Ich bin heiß darauf, auf die Strecke zu fahren, mein Bestes zu geben."

Bis dahin übt er fleißig in den eigenen vier Wänden. Via "Instagram" zeigt Hamilton, dass er auch zu Hause seine Runden dreht. Eine Art Segway ohne Lenker dient ihm als fahrbarer Untersatz, sein Hund Roscoe hechelt hinterher.

Vom F1-Weltmeister zum Modezar?

Der Weltmeister scheint trotz WM-Kampf noch Kapazitäten frei zu haben. Medienberichten zufolge überlegt der 30-Jährige derzeit, sein eigenes Modelabel zu gründen.

"Ich liebe es, neue Styles und Kreationen zu sehen. Ich hoffe, mit jemandem zusammenarbeiten zu können. Vielleicht mit einigen großartigen Nachwuchsdesignern aus Großbritannien", ist der, der sich gerne in Mode-Metropolen sehen lässt, von dieser Welt fasziniert.

"Fashion Weeks machen einfach total viel Spaß. Man trifft die Designer und kriegt einen echten Einblick in ihre Arbeit", schwärmt er.

"Nicht unser Standard"

Bei Mercedes hadert man derweil nach dem Defekt bei Rosberg ausgerechnet mit der Zuverlässigkeit.

"Wir als Team müssen absolut sicherstellen, dass unsere Fahrer alles zur Verfügung haben, damit am Ende ein Silberpfeil ganz oben steht", fordert Toto Wolff in Austin, wo man im Vorjahr einen Doppelsieg einfahren konnte, einen Erfolg ein.

"Zwei Ausfälle in den vergangenen drei Rennen entsprechen nicht unserem Standard und wir müssen gewährleisten, dass jedes noch so kleine Detail stimmt, um ihnen diese Möglichkeit zu geben."

Läuft alles nach Plan, wird Rosberg wohl nicht um das dritte Feier-Wochenende in Folge herumkommen.

 

Henriette Werner

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