F1-Formcheck: Die Top-Teams vor dem Saisonstart

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Noch zwei Wochen sind es bis zum ersten Formel-1-Grand-Prix des Jahres, bei dem alle Teams endlich "die Hosen runterlassen" werden, wie es Weltmeister Sebastian Vettel formulierte.

Einen ersten Eindruck über die Form der Rennställe, die um die Weltmeisterschaft mitfahren wollen, lieferten vor dem Saisonauftakt am 17. März in Australien die drei Test-Events in Jerez und Barcelona.

LAOLA1 hat die wichtigsten Erkenntnisse aus den zwölf Testtagen zusammengefasst:

 

Red Bull:

Der Titelverteidiger beider WM-Titel (Fahrer- und Konstrukteurswertung) wies eine durchwachsene Test-Bilanz auf. Sebastian Vettel konnte in keinem Testrennen eine Bestzeit aufstellen, am letzten Tag in Barcelona belegte er nur Rang acht. Berechnet man die durchschnittliche Zeitplatzierung (nach dem Mittelwert) seiner sechs Testtage, lag der Deutsche auf Rang vier - hinter Kimi Räikkönen, Lewis Hamilton und Jenson Button.

"Das war hier noch Schattenboxen. Wir haben viel probiert und es gibt noch viel zu tun", relativierte der Weltmeister die Testergebnisse. Sein Teamkollege Mark Webber, der in Barcelona einmal die schnellste Tagesrunde fuhr, kann seine Vorfreude auf die neue Saison kaum verbergen. "Wir haben viel gelernt, aber jetzt ist es Zeit, endlich Rennen zu fahren", erklärte der Australier nach den letzten Testfahrten in Barcelona.

Red Bull testete zudem eine Form des "passiven" Drag Reduction Systems (DRS) am Heckflügel, das aerodynamische Element soll die Geschwindkeit auf schnellen Strecken erhöhen. Nur Mercedes, Lotus und Sauber haben die schwierige DRS-Technik ebenfalls ausprobiert.

 

Ferrari:

Bei Ferrari ist man mit dem Entwicklungsstand zufrieden - ganz anders als im letzten Jahr, als der Windkanal völlig andere Daten als die Streckenergebnisse aufwies. "Im vergangenen Jahr haben wir ein paar grundlegende Fehler gemacht, aus denen wir gelernt haben", so Technikchef Pat Fry. "Ich denke, der Test lief für uns ganz gut."

Im Wochenranking von Barcelona belegt die Scuderia Rang zwei, Vizeweltmeister Fernando Alonso fuhr in Barcelona ebenfalls die zweitschnellste Runde, während er Jerez aufgrund einer Rippenverletzung ausließ. Zurück im Cockpit des F138, ließ Alonso eine Kampfansage folgen: "Mit diesem Auto kann ich um die WM kämpfen."

In der Tat scheint der Bolide schnell und standfest zu sein: In Jerez fuhr Massa Bestzeit, nur bei Testfahrer Pedro de la Rosa machte das Auto Probleme und fing plötzlich an zu rauchen.

 

McLaren:

Mit schwankenden Leistungen macht McLaren auf sich aufmerksam: Jenson Button erweckte sowohl in Barcelona (Platz zwei und drei) als auch in Jerez (Bestzeit) zeitweise einen recht guten Eindruck. Allerdings plagten ihn Probleme mit dem Benzindruck, in Jerez blieb er einmal liegen und kam in Barcelona auch mal auf Rang sieben an. Der Brite äußerte sich zurückhaltend über seinen Boliden: "Ich glaube, dass wir aus dem Auto viel mehr rausholen können, als wir es im Moment tun."

Teamkollege Sergio Perez schaffte in Barcelona einmal die Bestzeit und genießt nach eigenen Angaben jede Minute mit dem Team. "Es gab in der ganzen Boxengasse niemanden, der keine Probleme bei diesen Testfahrten hatte und jeder würde gerne noch ein bisschen besser vorbereitet in Melbourne ankommen", glaubt der Mexikaner noch an Chancengleichheit.

Bei McLaren bleiben somit vor dem Saisonstart viele Fragen offen, aber Perez betont, man habe "das Maximum" aus den Testfahrten herausgeholt.

 

Mercedes:

Unter der neuen Austro-Leitung von Toto Wolff und Niki Lauda wirkt der Rennstall generalüberholt.

Lewis Hamilton erzielte am Samstag in Barcelona die Tages- und Streckenbestzeit - so schnell wie er fuhr zuvor noch niemand zuvor in Montmelo. Danach jedoch schon, seine Zeit hatte nur einen Tag Bestand. Ausgerechnet Teamkollege Nico Rosberg unterbot die Bestzeit seines Teamkollegen am letzten Testtag noch einmal und überraschte die Konkurrenz. In Jerez hatte der Deutsche ebenfalls einerseits einmal die schnellste Runde absolviert, fiel jedoch andererseits auch einmal aufgrund von Elektronik-Problemen aus.

Nach dem schlechten Start in Jerez insgesamt ein überzeugendes Ergebnis der Silberpfeile. Allerdings darf man nicht vergessen, dass Mercedes auch vor der Saison 2012 bei den Testfahrten überzeugte, in der Saison jedoch - bis auf Rosbergs ersten Grand-Prix-Sieg - enttäuschte.

 

 Lotus:

Kimi Räikkönen hatte in Barcelona Pech, einen Tag lang musste er wegen einer Magenverstimmung im Hotel bleiben und am letzten Tag konnte er aufgrund von Getriebeproblemen nur eingeschränkt testen, dennoch erreichte er noch Platz fünf. In Jerez gelang dem Ex-Weltmeister zum Abschluss die Tagesbestzeit.

Romain Grosjean sorgte wie so oft für Aufregung, am zweiten von vier Tagen der abschließenden Tests in Montmelo fuhr er Bestzeit, nachdem er zuvor am Vormittag noch auf der Strecke liegen blieb und für einen vorzeitigen Abbruch sorgte.

Wie Red Bull probierte auch Lotus beim ersten Barcelona-Test ein Motormapping, welches bei Vollgas den Drehmoment wegregelt und im Schleppbetrieb den Diffusor anbläst, aus - allerdings wurde dieses danach von der FIA verboten.

Henriette Werner

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