„Teams geben zu viel Geld aus“

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„Müssen dem Publikum das geben, was es sehen will“

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Sinkende Zuschauerzahlen, Chaos um den Deutschland-GP, der mysteriöse Unfall von Fernando Alonso, Teams in Finanznot – die Formel 1 kommt nicht aus den Negativ-Schlagzeilen, noch bevor die neue Saison überhaupt begonnen hat.

Von einer Krise der Königsklasse will Big-Boss Bernie Ecclestone aber nichts wissen, wie er im Interview mit der „Welt am Sonntag“ preisgibt.

„Die Formel 1 hat schon sehr oft Situationen erlebt, wie wir sie jetzt haben. Ob man eine solche Lage dann Krise oder Problem nennt, weiß ich nicht. Überall auf der Welt geraten große Firmen und Konzerne ab und an in Schwierigkeiten. Auch die Formel 1 ist nicht immun gegen solche Irritationen“, sagt der 84-Jährige.

Gleichzeitig rechnet der Brite gnadenlos mit der Arbeitsweise der Teams und den technischen Neuerungen ab.

„Sie geben Geld aus, das sie nicht besitzen“

Der Chef-Vermarkter sieht vor allem die finanziellen Schwierigkeiten, die die Königsklasse zurzeit beschäftigen wie selten zuvor, als zentrales Problem.

„Die Teams geben grundsätzlich zu viel Geld aus, sie hören schon seit Jahren nicht auf die Warnung von mir oder von Max Mosley. Wenn sie nur mit den Mitteln arbeiten würden, die sie tatsächlich haben, wäre alles in Ordnung. Stattdessen gaben und geben sie immer Geld aus, das sie nicht besitzen. Das ist das wahre Problem.“

Ecclestone holt sogleich zum Rundumschlag gegen Techniker und Ingenieure aus und macht sie für die Misere verantwortlich.

„Es sind die Techniker und Ingenieure, denen man eigentlich die Vorwürfe machen müsste. Sie sind es, die den Teamchefs einreden, dass technische Neuerungen und Entwicklungen nötig sind, um konkurrenzfähig zu sein oder bestenfalls sogar schneller als der Rest. So geht das seit Jahren.“

„Ein Stück weit unsere Schuld“

Auch die kreativen Köpfe der Teams bekommen ihr Fett weg. „Die Designer machen, was sie wollen und kommen damit durch.“

Der 84-Jährige äußert sich aber auch ungewohnt selbstkritisch zur derzeit zerfahrenen Situation. „Es ist auch ein Stück weit unsere Schuld, das muss ich zugeben.“

Die Art und Weise, wie Entscheidungen getroffen werden, sei wenig zufriedenstellend. "Da sitzen wir dann und reden stundenlang, ohne etwas beschlossen zu haben", gibt er Einsicht in die Arbeitsweise der Formel 1.

"Wir haben mehr Komitees, Arbeitsgruppen, Meetings oder Ausschüsse als Menschen, die etwas von der Sache verstehen", lässt der Brite kein gutes Haar an den Entscheidungsträgern. „Wir sagen ihnen, was wir wollen und sie denken sich Lösungen auf allerhöchster Ebene aus. Wir müssen uns stattdessen fragen, was sich die Zuschauer wünschen“, fordert Ecclestone. Und das wäre?

„Echte Formel-1-Autos eben“

„Fahrer, die gegeneinander Rennen fahren. Rad an Rad. Kein Mensch interessiert sich für die komplizierten technischen Details der Autos, wenn sie schnell sind, gut aussehen und unsere Fahrer eine gute Show mit ihnen liefern“, ist sich der Chef-Vermarkter sicher.

Die Formel 1 müsse wieder in eine andere Richtung gelenkt werden, so der oberste Boss, der die Geschicke seit nunmehr 40 Jahren lenkt. „Wir müssen dem Publikum das geben, was es sehen will“, lautet die Ansage.

Was das Publikum sehen will, sind seiner Meinung nach „Autos mit breiten Reifen, Autos, die schön und aggressiv aussehen. Wir brauchen stärkere Motoren mit mehr als 1000 PS und einem guten Sound. Echte Formel-1-Autos eben“. Nachsatz: „Geplant ist das schon für 2017.“

„Da hilft uns so ein Motor nicht“

Bis dahin muss sich die Formel 1 noch mit den im Vorjahr eingeführten und viel kritisierten V6-Hybrid-Motoren begnügen. Ecclestone gehört zweifelsohne zu jenen Menschen, die die Power Units am liebsten eher heute als morgen wieder abschaffen würden.

„Ich glaube nicht, dass wir so einen Motor in der Formel 1 brauchen. Das Konzept ist nicht auf Straßenautos übertragbar. Ich kann nichts an dem Ding erkennen, was gut ist für die Formel 1“, geht er mit den Antriebseinheiten hart ins Gericht.

Die Königsklasse ist dem Briten zufolge nicht der richtige Ort für derartige Technologien. „Wir sind im Renngeschäft, in der Unterhaltungsindustrie. Da hilft uns so ein Motor nicht. Er ist zu teuer und zu kompliziert.“

Eine neuerliche Regel-Reform steht also im Raum – diese wird aber Zeit und Geld benötigen.

 

Daniela Kulovits

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