Erkenntnisse der ersten F1-Saisonrennen

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Gut ein Fünftel der Formel-1-Saison ist Geschichte, in vier Rennen haben wir drei verschiedene Sieger gesehen.

Doch noch bevor es nach Europa geht, dürfte eines klar sein: Auch in diesem Jahr führt der WM-Titel in den verbleibenden 15 Rennen nur über Sebastian Vettel.

Allerdings gibt es einige, die ihm gefährlich werden können.

LAOLA1 mit den ersten Erkenntnissen dieser Saison:

 

 

Vettel überzeugt, Webber steht im Schatten

Grund zum Feiern hatte Red Bull gleich mehrfach: Webber feierte seinen 200. Grand-Prix - allerdings ohne Sebastian Vettel - und dieser feierte seinen Bahrain-Sieg - wiederum ohne Webber.

Seit Vettels Missachtung der Stallorder ist die Stimmung zwischen den beiden Stammfahrern kälter als je zuvor. Seitdem sich Webber in Sepang schon als Sieger wähnte und doch noch von Vettel überholt wurde, läuft es für den Australier nicht nach Wunsch: In China schied er aus, in Bahrain kam er bei seinem Jubiläums-Grand-Prix nur auf Platz sieben. Die Spekulationen über einen möglichen Abschied Webbers aus der Formel 1 verdichteten sich zuletzt. Doch der 36-Jährige beteuerte gegenüber „ServusTV“: „Ich bin immer noch sehr hungrig und ich möchte noch gute Ergebnisse zeigen!“

Vettel hingegen baute jüngst mit dem Bahrain-Sieg seine WM-Führung auf zehn Punkte aus und demonstrierte mit einem souveränen Rennen eindrucksvoll, dass er mit seiner „Hungry Heidi“ auch in diesem Jahr Anspruch auf den Weltmeister-Titel erhebt und bisher die wenigsten Probleme mit den Reifen hatte. "Es war ein fantastisches Rennen. Vielen Dank an das Team. Wir hatten vom Start bis ins Ziel ein fehlerfreies Rennen", freute sich Vettel nach dem Wüstenrennen.

Lotus stark, Gerüchte um Räikkönen

"Kimi wird Vettel definitiv unter Druck setzen", sagte Lotus-Teamchef Eric Boullier nach einem Sieg und zwei zweiten Plätzen Räikkönens gegenüber "Motorsport-Magazin.com".

Der Finne ist Vettels Verfolger Nummer eins. "Wir werden ihn mit allem unterstützen, damit er Sebastian unter Druck vielleicht knacken kann", betonte der 39-Jährige.

"Er ist ein unglaublicher Finisher und keiner kann ihn davon abhalten, bei vielen weiteren Rennen ins Ziel zu kommen." Auch Romain Grosjean kommt immer besser in Form und konnte zuletzt mit Platz drei in Bahrain – genau wie im Vorjahr – überraschen. "Das hat seine Welt verändert.“

Noch etwas könnte sich bald verändern: Gerüchte besagen, dass Kimi Räikönnen zu Red Bull wechseln könnte. Red-Bull Chef Dietrich Mateschitz scheint gegenüber „speedweek.com“ nicht abgeneigt: „Kimi ist cool und schnell und immer ein Kandidat."

Alonso gut, aber mit Luft nach oben

Fernando Alonso präsentierte sich bisher – ebenso wie Kimi Räikkönen  - als starker Vettel-Gegner, allerdings warfen ihn DRS-Probleme und Platz acht in der Wüste von Bahrain zuletzt etwas zurück, sodass er zur Zeit nur auf Platz vier (47 Punkte) der WM-Wertung liegt.

Der Traum vom Titel ist deshalb bei Ferrari noch lange nicht ausgeträumt. "Der Abstand beträgt derzeit 30 Punkte, aber wenn er beim nächsten Mal null Zähler holt und wir gewinnen, sind es nur mehr fünf", verglich Teamchef Stefano Domenicali Alonso mit Vettel. "Bei nur vier gefahrenen Rennen bleibt noch jede Menge Zeit. Man darf nicht vergessen, dass wir im letzten Sommer 50 Punkte vorne waren, es ist also nicht so schlimm."

Kritisch, aber mit positivem Blick in die Zukunft erklärte er: "Wir haben weniger Punkte als wir haben sollten, wenn man sich die wahre Performance des Wagens vor Augen führt."

Reifenflüsterer gesucht

Ein Dauerthema, welches die Saison von Anfang an bestimmt, permanent für Diskussionen sorgt und die Rennen nachhaltig beeinträchtigt, sind die Reifen.

"Ich ärgere mich schon über das Ergebnis und hätte gerne ein stärkeres Finish gehabt, aber das ist bei diesen Reifen ein Problem, denn sie spielen eine enorme Rolle - auch für die gesamte Performance des Autos und das Ergebnis", drückte etwa Webber bei "ServusTV" seine Frustration aus.

Reifenhersteller Pirelli erwog nach all der Kritik zuletzt sogar eine Änderung der Mischung, wies aber die Kritik, dass die Formel 1 durch die Reifen zu einer Lotterie verkommen würde, zurück. „Reifenmanagement war schon immer ein wesentlicher Bestandteil der Formel 1“, so Pirelli-Manager Paul Hembery zur „dpa“.

Hamilton-Wechsel war richtig

Lewis Hamilton hat mit seinem Wechsel zu Mercedes aller Unkenrufe zum Trotz die richtige Entscheidung getroffen, denn das deutsche Team scheint zu alter Stärke zurück gefunden zu haben. Von wegen Lehrjahr - Lewis Hamilton hat bereits nach vier Rennen mit 50 Punkten mehr Zähler auf dem Konto als Vorgänger Michael Schumacher (49) in der gesamten letzten Saison.

Als Gesamtdritter mischt der Brite fleißig im Titelkampf mit. Der Ex-Weltmeister zieht nach bisher zwei Podiumsplätzen und einer Pole ein positives Fazit der ersten Rennen: "Zu Beginn hat jeder gesagt, dass ich die schlechteste Entscheidung getroffen hätte, die ich wohl in meinem Leben hätte treffen können. Aber je mehr wir beeindrucken können und uns verbessern, desto mehr müssen sie ihre Meinung korrigieren“.

Nur mental muss sich der 28-Jährige wohl noch mehr auf seinen neuen Arbeitgeber einlassen. Kein Wunder, fünf Jahre McLaren sind eine lange Zeit und wohl aus reiner Gewohnheit machte er in Malaysia bei seinem alten Arbeitgeber Halt, statt bei Mercedes die Reifen wechseln zu lassen.

Fehlstart für Williams

Drei Teams haben bislang noch keinen einzigen WM-Punkt einfahren können: Wie zu erwarten, sind dies Caterham und Marussia. Dazu gesellt sich überraschenderweiser Williams. Der Rennstall muss damit zu den großen Verlierern des Saisonbeginns gezählt werden.

Immerhin kam Pastor Maldonado nach zwei Ausfällen nun zweimal ins Ziel und erreichte in Bahrain als Elfter sein bestes Saisonergebnis. Der Venezolaner will nach vorne blicken: "Wir müssen positiv bleiben", betonte er. "Es ist eine schwierige Zeit, aber noch liegen viele Rennen vor uns." Teamkollege Valtteri Bottas sah zwar viermal die Zielflagge, kam jedoch ebenfalls nicht über einen elften Platz (in Malaysia) hinaus und hatte sich seinen Start in die Saison sicherlich anders erträumt.

Noch vor einem Jahr feierte der Rennstall Maldonados Sieg in Barcelona, nun steckt er tief in der Krise. Die Reifen bereiten Williams große Probleme. Chefingenieur Xevi Pujolar erklärte: "Für die Fahrer ist es schwierig, obwohl sie beide sehr ähnliche Leistungen abliefern. Pastor kennt es aus dem vergangenen Jahr, aber er kann nicht so attackieren wie damals. Er verliert mit den Reifen an Selbstbewusstsein." Da helfen nur Durchhaltepraolen. „Wir müssen etwas fundamental anders machen, obwohl das Fenster dafür extrem schmal ist", rätselte Pujolar.

 

Henriette Werner

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