Österreich, Land der Formel 1

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Land der Berge, Land am Strome, Land der Äcker, Land der… Formel 1.

Mit dem Comeback der Formel 1 in Spielberg kehrt auch ein wenig Tradition zurück nach Österreich. Die Königsklasse begeistert seit jeher das rot-weiß-rote Publikum.

Das liegt nicht zuletzt an den zahlreichen österreichischen Fahrern, die die Fans in der Vergangenheit in ihren Bann zogen. LAOLA1 wirft einen Blick auf die ehemaligen rot-weiß-roten Formel-1-Piloten und aktuelle Strippenzieher:

Jochen Rindt

In Deutschland geboren wuchs Rindt bei seinen Großeltern in Graz auf und startete ausschließlich für Österreich. Insgesamt absolvierte er 60 Rennen, wobei er zehn Mal die Pole-Position eroberte und sechs Siege feierte. Auf dem Podest stand er insgesamt 13 Mal. Rindt verunglückte am 5. September 1970 im Training zum GP von Italien in Monza tödlich. Wenige Wochen später wurde er als erster Fahrer posthum zum Weltmeister gekürt. Rindt startete in seiner Karriere zwei Mal beim Rennen in der Steiermark. 1964 gab er als erster Österreicher sein Debüt in der Königsklasse, wobei er ebenso ausschied wie 1970, als er von der Pole Position startete.

Helmut Marko

Der 1943 geborene Steirer fuhr in seiner Karriere insgesamt neun Formel-1-Rennen. Sein Grand-Prix-Debüt gab er 1971 beim Großen Preis von Österreich. Der BRM-Fahrer beendete das Rennen mit zwei Runden Rückstand auf Platz elf und blieb damit wie bei jedem seiner Antreten ohne Punkte. Marko beendete seine Karriere 1972, nachdem er beim GP von Frankreich von einem Stein getroffen worden war und sich eine schwere Augenverletzung zuzog.

Niki Lauda

171 Rennen fuhr Niki Lauda in seiner Formel-1-Karriere. Davon stand er 24 Mal auf der Pole-Position, 25 Mal reichte es für das oberste Treppchen am Siegerpodest. Auch er bestritt beim GP von Österreich 1971 sein erstes Formel-1-Rennen, in dem er in seinem March ausfiel. Danach stand Lauda noch zehn Mal in Spielberg am Start, seinen größten Triumph feierte er 1984 mit dem Heimsieg am Österreich-Ring. In diesem Jahr gewann der Wiener nach 1975 und 1977 auch zum dritten Mal die Weltmeisterschaft.

Dieter Quester

Der 1939 geborene Motorboot- und Motorradfahrer wechselte 1965 in den Automobilrennsport. Nach Einsätzen in der Tourenwagenmeisterschaft und Formel 2 bestritt er 1974 sein erstes und einziges Formel-1-Rennen. Der Wiener startete in einem Surtees beim GP von Österreich und fuhr von Startplatz 25 auf Rang neun nach vorne.

Helmut Koinigg

Beim GP von Österreich 1974 hatte auch Helmut Koinigg seinen ersten Auftritt in der Formel 1. Der Wiener scheiterte im Brabham als Trainingsletzter jedoch an der Qualifikation für das Rennen. Kurze Zeit später bestritt er im Surtees seinen ersten Grand Prix, zwei Wochen später verunglückte er beim Großen Preis der USA in Watkins Glen tödlich.

Otto Stuppacher

Der Wiener wurde quasi ohne Fahrpraxis vom österreichischen Team ÖASC Racing für den Grand Prix in Spielberg 1976 gemeldet, die Veranstalter lehnten die Nennungen aber aufgrund der Unerfahrenheit des Piloten ab. Stuppacher versuchte daraufhin durch eine Unterschriftenaktion im Fahrerlager seine Teilnahme zu erwirken, blieb aber erfolglos. Der Wiener konnte sich in dieser Saison für kein weiteres Rennen mehr qualifizieren, weder das ÖASC-Team noch Stuppacher nahmen nach 1976 mehr an einem Autorennen teil.

Hans Binder

Der in Zell am Ziller geborene Binder fand über die Formel 2 den Weg in die Königsklasse, in der er beim GP von Österreich 1976 sein Debüt feierte. Insgesamt absolvierte er 13 Rennen, blieb jedoch ohne Punkte. 1978 scheiterte Binder im ATS in der Qualifikation für den GP in Spielberg. Im selben Jahr beendete er seine Karriere.

Jo Gartner

Der Wiener, für Osella am Start, absolvierte 1984 insgesamt acht Formel-1-Grand-Prix und fuhr dabei zwei Mal in die Punkte. Sein bestes Ergebnis war ein fünfter Platz beim GP von Italien. 1985 schaffte er es nicht in ein Formel-1-Cockpit, 1986 verunglückte er beim beim 24-Stunden-Rennen in Le Mans tödlich.

Karl Wendlinger

Der Tiroler begann seine Formel-1-Karriere 1991 und fuhr in seinem Leyton House/Ilmor auch gleich in die Punkteränge. Er wechselte in weiterer Folge zu March (1993) und später zu Sauber Mercedes (1994). Nach seinem schweren Unfall im Training zum Grand Prix von Monaco, nach dem er mehrere Wochen im Koma lag, bestritt Wendlinger erst 1995 wieder Formel-1-Rennen. Er konnte allerdings nie mehr an frühere Leistungen anschließen und beendete daraufhin im selben Jahr seine Karriere. Insgesamt absolvierte er 41 Rennen, in denen er 14 Punkte einfuhr.

Roland Ratzenberger

Der Salzburger wurde 1994 überraschend von Nick Wirth als Fahrer in dessen Simtek-Team geholt. Er scheiterte bei seinem ersten Antreten in der Qualifikation für den GP von Brasilien, zwei Wochen später wurde Ratzenberger beim Pazifik-Grand-Prix in Japan Elfter. Es sollte sein erstes und letztes Rennen sein. Ratzenberger verunglückte im Qualifying zum GP von Imola tödlich.

Gerhard Berger

Der Tiroler saß beim GP von Österreich 1984 erstmals in einem Cockpit und fuhr bis zu seinem Karriereende 1997 unter anderem für Teams wie Ferrari, McLaren und Benetton. 1986 griff der Tiroler beim Heim-Grand-Prix sogar nach dem Sieg, musste aber in Führung liegend aufgeben. 210 Rennen, 12 Pole-Positions, 10 Siege, 48 Podestplätze. Das ist die beeindruckende Formel-1-Bilanz von Gerhard Berger. Trotzdem reichte es nie für einen WM-Titel, 1988 und 1994 wurde er jeweils Dritter.

Patrick Friesacher

Die Formel-1-Karriere von Patrick Friesacher dauerte nur eine Saison lang. 2005 absolvierte er für den Rennstall Minardi elf Rennen und holte beim Skandal-GP der USA seine einzigen drei Punkte. Die Saison endete aufgrund ausstehender Sponsorzahlungen an Minardi vorzeitig, der Kärntner wurde durch den Niederländer Robert Doornbos ersetzt.

Alexander Wurz

Der in Waidhofen an der Thaya geborene Wurz startete seine Formel-1-Karriere 1997 bei Benetton als Ersatzpilot für den erkrankten Gerhard Berger. Seit 1998 Stammpilot, wechselte Wurz 2001 als Test- und Ersatzfahrer zu McLaren. Nach seinem Wechsel zu Williams im Jahr 2006 beerbte er in der Saison darauf Mark Webber als Stammpilot. Wurz gab 2007 beim vorletzten Rennen in China seinen sofortigen Rücktritt bekannt. Insgesamt bestritt er 69 Rennen, wobei er drei Mal aufs Stockerl fuhr.

Christian Klien

Der Vorarlberger begann seine Karriere 2004 bei Jaguar, wo er aufgrund seiner überzeugenden Leistungen als Testfahrer zum Stammfahrer wurde. 2005 übernahm Didi Mateschitz den Rennstall und benannte ihn in Red Bull Racing um. Dort wurde Klien 2006 nach teaminternen Differenzen drei Rennen vor Saisonende freigestellt. 2010 feierte der Vorarlberger, zunächst nur Test- und Ersatzfahrer, bei HRT sein Renn-Comeback und absolvierte drei Grand Prix. Damit ist Klien der bisher letzte Österreicher, der ein Formel-1-Rennen bestritten hat.

 

Auch wenn die Fans in Spielberg an diesem Wochenende keinem österreichischen Fahrer zujubeln können, gibt es dennoch einige heimische Akteure, die die Formel 1 fest im Griff haben. Doch es sind nicht nur Menschen wie Dietrich Mateschitz, Niki Lauda oder Toto Wolff, die die Formel 1 zu einer Formel Austria machen.

Ob Caterer, Physiotherapeut oder Sicherheitschef - im Hintergrund agieren zahlreiche rot-weiß-rote Denker und Lenker.

Christoph Ammann

„Du kommst hier nicht rein“, könnte Christoph Ammann sagen, wenn er denn wollte. Der Knittelfelder ist nämlich für das Ticketing und die Sicherheit an so ziemlich allen Formel-1-Rennstrecken rund um den Globus verantwortlich. Seinen Anfang nahm alles beim GP von Österreich 1986, als Ammann feststellte, dass trotz der geringen Anzahl verkaufter Tickets die Tribünen rappelvoll waren. Er vermutete ein Leck im Sicherheitssystem und schlug Bernie Ecclestone daraufhin vor, das Ticketing und die Sicherheit zu vereinen. Gesagt, getan. Seither vertraut nicht nur der Formel-1-Boss auf die Dienste von Ammann und seinen Mitarbeitern, sondern auch zahlreiche Teams, die ihre Motorhomes rund um die Uhr von der steirischen Firma überwachen lassen.

Burghard Hummel

Mit seiner Sportmarktingagentur WWP ist Hummel einer der einflussreichsten Vermarkter und Netzwerker in der Formel 1. Er hat einst Gerhard Berger in die Königsklasse gebracht und zählt heute zu den engsten Vertrauten von Bernie Ecclestone. Dietrich Mateschitz vertraute ihm die Vermarktung von Red Bull und Toro Rosso an, abseits der Formel 1 zählen Audi, VW oder Porsche zu den Kunden des Ötztalers.

Anita Nyers
Von wegen Frauen und Motorsport passen nicht zusammen. Anita Nyers beweist das Gegenteil. Die 28-Jährige arbeitete in unterschiedlichsten Positionen bei Top-Teams wie Red Bull, Ferrari oder Toro Rosso, zuletzt war sie bei Lotus für den Bereich Sponsoring und Internationale Kontakte zuständig. Um ihr Wirtschaftsstudium weiter voran zu bringen, schaltete die Oberösterreicherin zwar einen Gang zurück, wird in der Königsklasse aber sicher bald wieder voll durchstarten.

Attila Dogudan

Fast genauso wichtig wie die Rennen ist in der Formel 1 das Spektakel rundherum. Zahlreiche VIPs stürmen die Rennstrecken und wollen sehen und gesehen werden – und sie wollen auch verköstigt werden. Das ist der Job von Attila Dogudan. Der Miteigentümer der Catering-Firma Do&Co serviert den Gästen im Paddock-Klub alles was das Herz begehrt. An einem Grand-Prix-Wochenende sind bis zu 100 Mitarbeiter im Einsatz.

Jo Leberer

Er ist in der Formel 1 der Mann für die Fitness. Ayrton Senna, Alain Prost, Michael Schumacher, Kimi Räikönnen, Sebastian Vettel – sie alle wurden bereits vom Salzburger betreut. Derzeit ist der Fitness-Guru beim Schweizer Sauber-Team unter Vertrag und macht Adrian Sutil und Esteban Gutierrez fit. Er gestaltet Trainingsprogramme, massiert, kocht, versorgt kleine Wehwehchen und spielt nebenbei auch ein wenig den Seelen-Klempner. Leberer ist seit 1988 in der Formel 1 und hat sich seither, durch seine Hartnäckigkeit aber auch durch seine herzliche Art, zu einer Fixgröße in Sachen Physio und Fitness entwickelt.

Daniela Kulovits

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