"Mit Helm ist jeder gleich"

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"Habe diese blöden Aussagen schon so oft gehört"

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Der Geschlechterkampf im Motorsport ist ein Thema von zeitloser Relevanz.

Der kürzlich aufgekommene Vorschlag von Bernie Ecclestone, eine eigene Formel 1 für Frauen einzuführen, hat viel Staub aufgewirbelt. 

Nur wenige potenzielle Teilnehmerinnen können der Idee des F1-Zampanos etwas abgewinnen. "Ich habe meine komplette Motorsportkarriere als Fahrer bestritten. Warum soll ich also jetzt bei Rennen nur gegen Frauen kämpfen?", fragte sich etwa Williams-Entwicklungspilotin Susie Wolff.

Eine die zeigt, wie man in einer von Männern dominierten Sportart auftrumpft, ist Laura Kraihamer.

Gemeinsam mit ihrem Bruder Dominik, der in der Langstrecken-WM unterwegs ist, hat sie früh die Begeisterung für den Rennsport eingeimpft bekommen.

Im Vorjahr erreichte die Salzburgerin beim X-Bow-Battle Platz zwei in der Sprint-Wertung und konnte gemeinsam mit Uwe Schmidt die Endurance-Wertung für sich entscheiden. 

"Mit Helm sieht jeder gleich aus", sagt Kraihamer, die mittlerweile von abfälligen Bemerkungen nicht mehr erschüttert werden kann. 

Wie sie sich gemeinsam mit ihrem Bruder auf der Kart-Strecke geschlagen hat, wann für sie im Vorjahr der Knopf aufgegangen ist und was "das Genialste" in ihrer Karriere wäre, erzählt sie im LAOLA1-Interview.

LAOLA1: Wie hat sich deine Motorsport-Leidenschaft entwickelt?

Laura Kraihamer: Meine Eltern haben meinen Bruder und mich einmal zu einer Kartstrecke mitgenommen. Wir sind da in der Früh hin, waren den ganzen Tag dort und sind am Abend abgeholt worden. Und selbst dann wollten wir noch nicht weg. Wir sind also schon früh dafür begeistert worden, auch für Autos generell. Ich habe vor kurzem eine Zeichnung von mir gefunden, auf der ein Mann mit einem Auto drauf ist. Da war ich drei Jahre alt. Mein Vater hat dann die Möglichkeit bekommen, zwei Rotax-Karts zu testen. Ich war damals noch zu jung, mein Bruder hat getestet und wurde dann von jemandem angesprochen, ob er sich das nicht näher anschauen möchte. Wenn man einmal hineinrutscht, kommt man nicht mehr heraus. Ich habe nur darauf gewartet, bis ich alt genug war, auch fahren zu dürfen. Zwei, drei Tage nach meinem Geburtstag bin ich zum ersten Mal in einem Rennkart gesessen und seither nie mehr richtig ausgestiegen.

LAOLA1: Welche Autos hast du bisher fahren dürfen?

Kraihamer: Das ist das einzige, was mir noch fehlt, nämlich die Erfahrung in mehreren Fahrzeugen. Zwei Tage durfte ich einmal in einem Mini Cooper testen. Jedes Auto hat seine eigenen Reize und ist spannend. Einen BMW 325i bzw. einen Z4 durfte ich auch einmal fahren oder 20 Runden in einem Lamborghini Gallardo drehen. Abgesehen vom Lamborghini ist der KTM X-Bow im Vergleich einfach stärker und hat so viel mehr Action, sodass ich zu dem Schluss komme, dass das einfach ein unheimlich gutes Auto ist, um auszubilden. Gegen das Auto ist einfach jedes andere total ruhig. Dadurch lernt man irrsinnig viel.

LAOLA1: Wie hat dich dein Weg letztlich zum X-Bow-Battle geführt?

Kraihamer: Von 2009 bis 2012 habe ich eine Pause einlegen müssen. Vonseiten meines Vaters hat es aber immer geheißen, dass, wenn die Möglichkeit besteht, irgendwo fahren zu können, dass wir uns das anschauen werden. Irgendwie sind wir dann mit dem Herrn Silbermayr (Veranstalter, Anm.) in Kontakt gekommen. Ich durfte dann am Pannoniaring einmal testen und es war genau wie im Kart. Ich bin dringesessen und nie mehr ausgestiegen. Das war einfach total cool.

LAOLA1: Aus welchen Fahrern setzt sich das Teilnehmerfeld des X-Bow-Battles zusammen?

Kraihamer: Der Sprung, den die Serie gemacht hat, ist enorm. Das hat sich von einer Liebhaber-Serie zu einem Bewerb mit extrem vielen ehrgeizigen und erfahrenen Fahrern entwickelt, die wirklich alles versuchen, um das letzte Bisschen aus dem Auto herauszupressen. Das fängt schon bei den Teams an, die ein enormes Wissen entwickelt haben. Es arbeiten verschiedenste Mechaniker, Ingenieure und Daten-Ingenieure zusammen. Die Teilnehmer kommen auch nicht von irgendwo her. Es sind Fahrer, die im Porsche-Cup oder bei Langstrecken-Rennen Erfahrungen gesammelt haben. Interessanterweise sind auch sehr viele Motorradfahrer dabei, die 24-Stunden-Rennen in Le Mans gefahren sind.

LAOLA1: Auch der Rennkalender hat sich entwickelt. Was ist deine Lieblingsstrecke?

Kraihamer: Schwer zu sagen. Es sind immer wieder ein, zwei neue Strecken dabei. Ich mag Strecken, auf denen viel schnell passiert, also wo viel fahrerisches Können verlangt wird. Der Pannonia-Ring zum Beispiel, oder auch der Slovakia-Ring sind super. Ganz anders dazu ist Rijeka. Die Strecke ist, überall wo man hinkommt, total am Limit, weil es keinen Platz gibt, um Fehler zu machen. So hat ziemlich jede Strecke seinen eigenen Reiz. Ich habe noch keine gefunden, über die ich sagen kann, dass es die absolute Lieblingsstrecke wäre. 

LAOLA1: Wie sieht der Austausch mit deinem Bruder aus? Wer gibt wem die Tipps?

Kraihamer: Durch ihn habe ich einen großen Vorteil. Der Dodo hat schon richtig viel Erfahrung sammeln dürfen und ist dazu für mich noch ein ganz außergewöhnlicher Fahrer. Weil ich das so hautnah mitbekomme, weiß ich, was mein Bruder schon alles geleistet hat. Ich profitiere irsinnig davon, dass er versucht, alle seine Erfahrungen mit mir zu teilen und mir Tipps zu geben. Wir waren auch gemeinsam testen.

LAOLA1: Und wie ist das Geschwister-Duell auf der Strecke ausgegangen?

Kraihamer: Wir haben uns in einem Kart bislang zwei Mal getroffen. Da war es einmal so, dass er schneller war und einmal ich, wobei das alles relativ ist und man es nicht wirklich vergleichen kann. Jetzt kann ich sehr viel von Dodo lernen und das ist für mich das Schönste. Vielleicht geht es sich einmal aus, dass er ein Event beim X-Bow-Battle fährt.

LAOLA1: Gibt es einen besonderen Moment oder ein besonderes Rennen, an das du dich am liebsten zurück erinnerst?

Kraihamer: Das beste Rennen war im letzten Jahr am Lausitzring. Als ich in die Serie gekommen bin, habe ich mir selbst einen großen Druck gemacht. Ich habe mir gedacht, weil ich schon so lange Kart gefahren bin, dass ich das können muss. Es ist auch von mir ein bisschen erwartet worden, weil ich "die Schwester vom Kraihamer" bin. Ehrgeiz habe ich auf jeden Fall genug, aber damals bin ich mir lange selbst im Weg gestanden. Am Lausitzring war es dann so, dass wir mit dem Team testen waren. Ich bin den ganzen Tag gefahren und wir waren den ganzen Tag gut unterwegs. Mein Team-Manager, der auch Fahrer ist, ist ins Auto gestiegen und hat mir eine oder eineinhalb Sekunden abgenommen. Dann habe ich mir gedacht: So geht das nicht! (lacht) Und irgendwie ist dann der Knopf aufgegangen. Zwei Wochen später war das Rennen. Es war total chaotisch, weil es auch geregnet hat. Und da bin ich dann Zweite geworden. Von null auf hundert. Auf einmal hat es funktioniert. Viele haben gesagt, dass ich nur aufgrund des Regens so weit vorne war. Beim nächsten Rennen am Red Bull Ring war ich dann aber wieder Zweite und Erste. Dann habe ich gewusst, dass das jetzt passt. Es war für mich das Schönste zu sehen, dass man sich nicht mehr im Weg steht.

LAOLA1: Du hast die teilweise kritischen Stimmen aus dem Fahrerlager angesprochen. Wie gehst du damit um? Und bist du eigentlich die einzige Frau im Feld?

Kraihamer: Teilweise. Am Anfang hatte ich gute Gesellschaft von zwei Frauen, aber die sind im Laufe der Zeit wieder ausgestiegen. Es ist eben nicht so einfach für eine Frau im Motorsport. Im letzten Jahr war ich größtenteils alleine bis auf ein Rennen. Aber ich glaube nicht, dass das so einen enormen Druck macht, weil ich das mittlerweile gewohnt bin. Wenn man einen Fehler macht, dann wird von Außenstehenden, die eigentlich wenig Ahnung haben, mit dem Finger auf einen gezeigt. Aber man lernt damit umzugehen. Es passiert mir heutzutage ganz selten, dass mich so etwas noch trifft. Ich habe diese blöden Aussagen schon so oft gehört, da erschüttert mich nichts mehr.

LAOLA1: Der Erfolg hat dir im letzten Jahr auch rechtgegeben.

Kraihamer: Vom Fahrerfeld her spüre ich das auch gar nicht und habe das auch nie zu spüren bekommen. Ich werde dort behandelt wie jeder andere, denn mit Helm sieht jeder gleich aus. Und wir wollen alle nur gewinnen und schnell Auto fahren.

LAOLA1: Wie lauten deine Saisonziele nach dem starken Vorjahr?

Kraihamer: Ich will natürlich irgendwie in der Sprint-Serie den Titel holen und in der Endurance-Wertung den Titel verteidigen. Alles andere wäre falsch.

LAOLA1: Was hast du dir abgsehen vom X-Bow-Battle für deine Motorsport-Karriere noch vorgenommen?

Kraihamer: Der Formelsport hat mich nie interessiert. Ich war immer eher der Typ für die Tourenwägen. Das ist nach wie vor so. Sich im Motorsport Ziele zu setzen, ist aber schwierig. Als ich eine Pause machen musste, habe ich erfahren, dass sich die Dinge sehr schnell ändern. Egal, ob du Verträge hast oder nicht, es kann sich alles sehr schnell ändern. Ich stecke mir meine Ziele einfach kurzfristig. Ich versuche einfach die Saison zu gewinnen und dann hoffe ich, dass sich etwas ergibt. Das Schönste wäre es für mich, wenn ich irgendwo dort fahren könnte, wo Dodo fährt. Oder noch besser mit meinem Bruder. Das wäre das Genialste, das passieren könnte.

 

Das Interview führte Andreas Terler

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