Kevin Magnussen: „Ich lebe meinen eigenen Traum“

Aufmacherbild
 

„Jan ist der beste Formel-3-Fahrer, den ich je gesehen habe – Ayrton Senna inbegriffen.“

Als Jackie Stewart 1996 diesen von der schottischen Presse überlieferten Satz von sich gab, wusste er wohl nicht, welch tonnenschweren Rucksack er damit dem angesprochenen Jan Magnussen über die Schultern warf.

Mit 14 Siegen in 18 Rennen der britischen Formel-3-Saison im Jahr 1994 brach Magnussen zwar den Rekord von Senna und bewog Stewart wohl auch zu seiner Aussage, nach einem Auftritt für McLaren und 24 für Stewarts Rennstall in der Formel 1 zwischen 1995 und 1998 war Magnussens Traum von der Königsklasse aber schnell vorbei.

Die magere Ausbeute betrug einen Punkt, und den erreichte er in seinem letzten Rennen beim Grand Prix von Kanada. Danach wurde er von Jos Verstappen ersetzt.

Formel Renault als Talenteschmiede

15 Jahre später taucht der Name Magnussen wieder in den Ergebnislisten jener Rennserien auf, die als Talenteschmieden bezeichnet werden.

Kevin Magnussen ist mit 20 Jahren unwesentlich jünger als sein Vater in dem Jahr, als sich für ihn das Tor in die Formel 1 öffnete. Seit 2008 ist er im Formelsport aktiv und feierte ebenfalls Siege in der britischen Formel 3, bei der es 2011 für den zweiten Gesamtrang reichte.

Seit 2012 ist Kevin in der Formel Renault 3.5 unterwegs. Früher als World Series by Nissan bekannt, brachte das Flagschiff der vier Rennserien umfassenden World Series by Renault in den letzten Jahren Fernando Alonso, Robert Kubica oder Giedo van der Garde als Champions hervor.

Magnussen übernimmt die Gesamtführung

In diesem Jahr könnte sich Kevin Magnussen in diese Ruhmesliste eintragen. Sollte es so sein, wird sich der in Roskilde geborene Pilot des französischen DAMS-Teams mit Freude an den Red Bull Ring in Spielberg erinnern. Dem vermeintlichen Wendepunkt dieser Saison.

War die Fahrerwertung vor dem Wochenende in der Steiermark noch eine knappe Angelegenheit, übernahm Magnussen durch die beiden Rennen nicht nur die Führung, sondern kann jetzt auch einen Vorsprung von 27 Punkten sein Eigen nennen.

Grund dafür sind zwei souveräne Podiumsplatzierungen und Patzer seines Konkurrenten Stoffel Vandoorne. Der Belgier schrieb in keinem der beiden Läufe an und ermöglichte Magnussen mit zwei dritten Rängen den vorläufigen Platz an der Sonne im Gesamtklassement.

"Bestzeit in Silverstone bedeutet nichts"

„Das waren wirklich fantastische Tage für mich“, kann es der Däne im Gespräch mit LAOLA1 selbst noch nicht ganz glauben. Denn wäre der optimale Verlauf des Wochenendes in Österreich nicht schon Grund genug zur Freude, machte er davor beim Young Drivers Test der Formel 1 in Silverstone von sich reden.

Am ersten Testtag in Silverstone fuhr Kevin Magnusssen für McLaren Bestzeit

Am ersten der drei Testtage erzielte Magnussen, der dem Nachwuchsprogramm von McLaren angehört, die Bestzeit. Ein Leistung, die er schon im Vorjahr in Abu Dhabi erbrachte, als er sogar die schnellste Runde aller drei Tage drehte.

Magnussen bewertet sein Erreichtes nüchtern und übt sich in nordischem Understatement. „Die Bestzeit in Silverstone bedeutet nichts für meine Zukunft. Es liegt nur am Team, das entscheiden muss, ob ich gut genug bin oder nicht.“

Klares Ziel ist die Formel 1

Die Erfahrung will er trotzdem nicht missen. „Es war ein toller Tag und ich habe viel gelernt. Das war hoffentlich auch beim Team der Fall. Ich bin 101 Runden gefahren, und habe alles getan wozu ich im Stande war“, kann sich Magnussen jedenfalls keinen Vorwurf machen.

Das Ziel Formel 1 hat er klar vor Augen und soll besser früher als später Realität werden. „Hoffentlich geht es sich im nächsten Jahr aus. Man spricht immer mit verschiedenen Leuten und Teams. McLaren unterstützt mich sehr, wir werden sehen was passiert.“

Nachdem bei den Chrompfeilen kein Cockpit frei werden dürfte, ist auch ein anderes Team denkbar. Dass so eine Konstellation unproblematisch funktionieren kann, zeigt Marussia-Pilot Jules Bianchi, der eigentlich aus der Kaderschmiede von Ferrari stammt.

"Habe meine eigene Motivation"

Zuvor geht es aber noch um den Sieg in der Formula Renault 3.5. Die Saison dauert noch drei Wochenenden, also sechs Rennen. „Es war schon letztes Jahr mein Ziel zu gewinnen, heuer ist das nicht anders. Alles was ich versuchen muss, ist konstanter zu sein.“ Mit nur drei Platzierungen außerhalb des Podiums gelingt ihm das aber bisher sehr gut.

An der Schwelle zur Formel 1 scheint Kevin Magnussen demnach schon zu stehen. Die Geschichte aus den 90er-Jahren soll sich aber nicht wiederholen. „Die Leistungen meines Vaters sind nicht wirklich eine Motivation für mich. Ich habe meine eigene Motivation, meine eigenen Ambitionen und meine eigenen Ziele“, hält Kevin wenig von Vergleichen mit Jan.

„Sicherlich war mein Vater eine große Hilfe für meine Karriere. Aber ich lebe meinen eigenen Traum.“

 

Andreas Terler

Zum Seitenanfang»
Mehr zum Thema

LAOLA Meins - Tags folgen