Durch die Augen des Jägers

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Es war wohl weniger die Reaktion des Siegers, die die Bedeutung des Triumphes von Hannes Arch in Gdynia auf den Punkt brachte, sondern viel mehr jene des großen Verlierers: Paul Bonhomme.

Der schärfste Verfolger des Österreichers in der Gesamtwertung hatte Training und Qualifikation noch dominiert. Im Super 8 unterlief dem Briten beim allerletzten Gate jedoch ein verhängnisvoller Fehler.

Der Titelverteidiger flog den 270-Grad-Bogen eine Spur zu hoch. Die daraus resultierende Zwei-Sekunden-Strafe bugsierte den 49-Jährigen auf den fünften Endrang. Die Final-4-Quali konnte er sich damit abschminken, weshalb er vom Boden aus mitansehen musste, wie sich der Österreicher vor Nigel Lamb (GBR) und Matt Hall (AUS) seinen zweiten Saisonsieg sicherte und seinen Vorsprung auf satte 13 Punkte ausbaute.

Not amused

Darunter hatte vor allem die Laune des stets höflichen Briten zu leiden. Auf die Frage, ob das ein schwerer Rückschlag im Kampf um den WM-Titel war, entgegnete er aufgebracht: „Sagen Sie es mir!“

Der Frust war nicht zu überhören. Kein Wunder, empfand er die Strafe doch als ungerechtfertigt. „Wenn ich tatsächlich zu hoch war, dann ist es so. Für mich hat es aber anders ausgesehen.“

Aus dem Judging gelernt

Arch spielte der Patzer seines Verfolgers freilich gehörig in die Karten. Der Steirer konnte von den oft harten Entscheidungen der Judges jedoch ebenfalls ein Lied singen. Im Qualifying brachten ihn zwei Strafen sogar kurz gehörig Bedrängnis.

„Letzten Endes hat mir das harte Judging aber geholfen. Dadurch musste ich mich zwingen, wirklich sauber zu fliegen“, schilderte der 46-Jährige. Etwas, das sich zunächst jedoch auf das Tempo schlug.

Selbst sein Sieg im K.o.-Duell über Yoshihide Muroya (JPN) sorgte für mehr Frust statt Lust. „Wenn du weißt, dass dein Gegner einen Penalty kassiert hat, dann versuchst du smart zu fliegen, aber mit den 1:10,859 war ich überhaupt nicht zufrieden.“ So richtig in Schwung kam er erst im Super 8, in welchem er mit 1:08,728 Minuten jedoch prompt für den Streckenrekord sorgte.

Die richtige Haltung

Nach seinem Sieg im abschließenden Final Four, welches er in sicheren 1:09,895 vor Lamb (1:11,306) für sich entschied, war Arch hörbar darauf bedacht, nach der ganzen Fliegerei die Füße auf dem Boden zu behalten.

„Für die WM heißt das noch nichts, schließlich weiß ich, dass das erste die Hälfte der Rennen war. Außerdem hat man gesehen, wie schnell dich so ein kleiner Fehler um ein Finale bringt.“

Bloß den Demut nicht verlieren, sagte auch die Körpersprache des zuvorkommenden Siegers aus. „Das Schlimmste, was ich jetzt machen kann, ist, die Nase zu hoch zu tragen. Darauf warten die anderen nur“, weiß er nur allzu gut, was aktuell in Bonhomme vorgeht.

Chance zur Revanche bekommt dieser am 16. und 17. August über der berühmten Pferderennbahn von Ascot, also auf heimischen Boden.

Aus Gdynia berichtet Reinhold Pühringer

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